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  • 22.01.2018
  • von Valerie Barsig

Stadtteilzentrum in Bornstedt: Raus aus dem Schlafstadt-Modus

von Valerie Barsig

Engagiert. Thomas Unold sitzt im Vorstand der Initiative. Foto: Manfred Thomas

Die Stadtteil-Initiative Bornstedt setzt sich seit 2015 für ein Stadtteilzentrum ein. Wie es weitergehen soll.

Potsdam - Einen Ort, wo sich alle treffen können, ein Stadtteilzentrum, mindestens aber einen Stadtteilladen. Das wünschen sich viele Bewohner des Bornstedter Feldes. Dazu haben sie schon 2015 die Stadtteil-Initiative Bornstedt gegründet, zu deren Vorstand Thomas Unold gehört, der seit 2005 mit seiner Familie in Bornstedt wohnt. „Erstmal sind hier die meisten damit beschäftigt, Fuß zu fassen“, erzählt er vom Leben im inzwischen viertgrößten Stadtteil Potsdams. „Und dann denkt man sich: Hier muss es doch etwas geben!“

Mit „etwas“ meint Unold Begegnungsräume, wo Erwachsene ihren Kaffee trinken können, und eine Anlaufstelle für Jugendliche. Die Initiative habe sich gegründet, um die Entstehung eines solchen Ortes voranzubringen, aber übergangsweise auch nach kurzfristigen Lösungen zu suchen. „Wir wollen den Weg dorthin begleiten, die Vernetzung auf den Weg bringen“, erklärt der 52-Jährige.

Dass bisher noch nichts passiert sei – seit über 20 Jahren schon – das kann an diesem Abend niemand verstehen. Im Haus im Park treffen sich die Mitglieder der Initiative, rund 25 sind es an diesem Abend – und damit ist es im Gastraum unten pickepackevoll. Schließlich entscheiden sich die Bornstedter, die Treppe nach oben zu gehen und die Tische dort zu besetzen. Hier können sie alle Möbel so rücken, wie es ihnen passt. Der Wirt des Haus im Park stellt seine Räume für die regelmäßigen Treffen der Initiative zur Verfügung. Denn an einem anderen Ort im Bornstedter Feld kann sich die Initiative nicht treffen – es gibt ihn für eine solche Anzahl an Leuten nicht. Außer, sie weichen in die geräumige Küche eines der Mitglieder aus. Theoretisch.

Die Stadtteilwerkstatt hat Druck erzeugt - nun bewegt sich was, sagt Unold

Oftmals würden sie hören, sie hätten doch den Volkspark, berichtet Unold. „Aber im Winter ist das kein Treffpunkt.“ Ob die Initiative bereits Erfolge verbuchen könne? Unold bejaht. „Es bewegt sich was“, findet er. Seit der Stadtteilwerkstatt (PNN berichteten) habe sich öffentlicher Druck aufgebaut.

Ein weiterer Erfolg des vergangenen Jahres sei eine vom Rathaus finanzierte Stadtteil-Koordination, sagt Unold. Die soll nach dem erfolgreichen Vorbild von Netzwerken wie in Potsdam-West mehr Leben in den Kiez bringen. Getragen wird das von den drei Vereinen Stadtteil-Initiative Bornstedt, den Stadtrandelfen und Mitmachen e. V. Den Posten hat Christian Kube von der Wählergruppe Die Andere inne.

Die Bornstedter – zumindest die, die an diesem Abend anwesend sind – führen ihre Diskussionen unaufgeregt, aber mit Nachdruck. Man merkt, dass hier konstruktiv etwas vorangebracht werden soll, jeder kann seine Ideen einbringen, vieles greift ineinander. Viele hier eint das Pendeln zur Arbeit nach Berlin. Trotzdem wird klar: Bornstedt, das ist für sie nicht nur eine Schlafstätte. In Bornstedt soll gelebt werden – nicht nur in den Häusern und Wohnungen. Unold und seine Mitstreiter wissen: Bornstedt wächst. Stetig. Will man ein Stadtteilhaus bauen, gebe es nur wenig Standorte, die noch in Frage kämen. Entweder im Baugebiet Reiherweg/Pappelallee oder in der Biosphäre. Im vergangenen Jahr wurde auf politischer Ebene diskutiert, ob die defizitäre Tropenhalle zum Stadtteilzentrum umgebaut werden könnte. Die Bornstedter können das nicht mehr hören. „Da kriege ich Hustenreiz“, scherzt Christian Spitz, der ebenfalls im Vorstand der Initiative sitzt. „Die Biosphäre ist kein Bornstedter, sondern ein Potsdamer Problem“, stellt er klar. „Wir wollen uns nicht vertrösten lassen, nur weil man in der Stadt nicht weiß, was mit der Biosphäre passiert.“

„Die Stadt darf nicht aus der Verantwortung entlassen werden“

Am realistischsten schätzen die Mitglieder den Standort am Reiherweg ein. Man habe bereits 40 Stellungnahmen im Beteiligungsverfahren zu dem Baugebiet an die Stadt abgegeben. Eine Stadtsprecherin konnte auf Anfrage die Anzahl der abgegebenen Stellungnahmen nicht nennen. „Sie werden derzeit sortiert und dann ausgewertet“, hieß es aus dem Rathaus auf PNN-Anfrage.

Bis die Bornstedter ein neues Stadtteilzentrum haben, oder zumindest die Zusicherung zu einem solchen, wollen sie eine kurzfristige Lösung etablieren. Für einen Stadtteilladen habe man bereits leerstehende Ladenlokale in der Georg-Hermann-Allee, nahe der Tramhaltestelle Campus Fachhochschule, bei der Gewoba angefragt, eine Finanzierung der Stadt sei sogar zugesichert gewesen. Die Gewoba, Tochter der kommunalen Bauholding Pro Potsdam, lehnte dies allerdings ab. „Die mauern“, resümiert Spitz. Als Begründung habe es geheißen, dass die Räume zur Förderung des Einzelhandels vorgesehen seien. Von der Pro Potsdam heißt es dazu auf Nachfrage, alle Gewerbeeinheiten seien derzeit vermietet. In Gesprächen mit Mitmachen e. V. und dem Stadtteilmanager habe man auf eine Gewerbeeinheit in der Georg-Hermann-Allee 39 aufmerksam gemacht – einziger Haken: Das Gebäude, das die Stadt Potsdam mieten soll, wird erst im Sommer 2019 fertig gebaut.

Stadtteilkoordinator Kube spricht von „zerbrochenem Porzellan“ in Bezug auf die Pro Potsdam. Die Initiative sucht nun selbst nach kreativen Ideen – von der Nutzung eines Zeltes oder Bauwagens bis hin zur eigenen Küche. Um den Wunsch nach einem vorübergehenden Stadtteilladen umzusetzen, sind auch FH-Studenten mit von der Partie. Sie haben sich Bornstedt als Thema ihrer Semesterarbeiten in Kulturwissenschaft ausgesucht und wollen helfen. Aber, da sind sie sich an diesem Abend alle einig: „Die Stadt darf nicht aus der Verantwortung entlassen werden.“

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