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  • 12.01.2018
  • von Steffi Pyanoe

Café „Mossy“ in Potsdam: Klopse und Kekse für den Kiez

von Steffi Pyanoe

Nie mehr hungrig in Potsdam-West. Bei Fanni Brinkmann, Inhaberin des neuen Café „Mossy“, standen am gestrigen Donnerstag selbstgemachte Königsberger Klopse und süße Kokos-Pfirsich-Suppe mit Mandeln auf der Karte. Die Holztische hat ihr Freund gebaut, außerdem gibt es eine Couchecke zum Lümmeln. Foto: Andreas Klaer

Im Herbst eröffnete Fanni Brinkmann in Potsdam-West ihr Café „Mossy“. Hier gibt es Business-Lunch, Kaffee und Kuchen und Wein auf der Sommerterrasse

Potsdam - Die Ansage ist deutlich: „Wir haben kein Geld mit, aber wir wollen trotzdem reinkommen.“ Das dürfen die beiden Schulmädchen natürlich, allerdings hat Café-Inhaberin Fanni Brinkmann gerade keine Kleinigkeiten für Besucherkinder zur Hand. „Ich muss wohl wieder Gummibärchen besorgen“, sagt sie. Den Mädchen, „Neele mit Doppel-e“, wie sie sich vorstellt, und ihrer Freundin, schmecken im Café „Mossy“ die Schoko-Hafer-Kekse am besten. Sie erzählen Fanni Brinkmann noch schnell von ihren Ferienplänen, dann sind sie wieder weg.

Die Kinder aus der benachbarten Schule gehören zum Stammpublikum des neuen Nachbarschafts-Cafés in der Carl-von-Ossietzky-Straße. Donnerstagnachmittag ist Mädels-Treff, dann drängeln sich gleich zehn Mädchen in der gemütlichen Couchecke und Brinkmann serviert Apfelschorle im großen Krug. Die Kinder, sagt sie, sollen hier nicht ihr ganzes Taschengeld für teure Flaschengetränke ausgeben. Vormittags gibt es für Schulkinder zudem günstige belegte Brötchen und den Becher heißen Kakao für einen Euro, im Öko-Pappbecher.

Aber natürlich rechnet sich so ein Gastro-Altruismus nicht, und die junge Unternehmerin weiß das. Sie versteht sich auch nicht als spezielles Mutter-Kind-Café, auch wenn sich das „Mossy“ ausgerechnet in der Straße befindet, die als Potsdams kinderreichste gilt. „Nur Muttis, die in drei Stunden einen Tee trinken – das funktioniert nicht“, sagt sie. Das Rechnen hat sie während ihrer Existenzgründerphase gelernt. Sie möchte ein Café, in dem Umsatz gemacht wird, damit es das auch in fünf Jahren noch gibt. Und damit ihr Spielraum bleibt – unter anderem für Gummibärchen und Schoko-Hafer-Kekse.

Das „Mossy“ soll zwar ein Kiezcafé sein – aber nicht ausschließlich. „Meine Kernkompetenz ist das Mittagsangebot“, sagt Fanni Brinkmann. Schnelle, leckere Mittagessen für Geschäftsleute, Angestellte aus Arztpraxen oder Kanzleien, den eiligen DHL-Boten oder Mitarbeiter aus dem Gewerbezentrum in der Zeppelinstraße. Die haben das neue Café, das im vergangenen September eröffnete, längst entdeckt. Mittags brummt es, ihre hausgemachten Suppen und Eintöpfe, Königsberger Klopse, Pastagerichte oder Currys gehen weg wie nix. „Man darf den Leuten nur nicht zu viel auf einmal anbieten“, sagt Brinkmann. Im „Mossy“ gibt es jeweils ein Tagesgericht und eine Wochensuppe, dazu immer zwei frische Kuchen und Kaffee aus einer Siebträgermaschine – das ist ihr Konzept. Das ist zu schaffen und das lässt sich auch verkaufen, damit nichts weggeworfen werden muss.

Meistens ist die Inhaberin alleine im Café, deshalb auch die straffen Öffnungszeiten: wochentags von 11 bis 18 Uhr. Wenn es wärmer wird und die Gäste die Terrasse vor dem Haus nutzen werden, unter den Rotdornbäumen der verkehrsberuhigten Kopfsteinpflasterstraße, dann vielleicht auch abends und perspektivisch natürlich auch an Wochenenden, für all die Park-Ausflügler. Ein bisschen Sanssouci steckt auch direkt im Café: Mossy war der Spitzname von Prinzessin Margarethe Beatrice Feodora von Preußen, und die Carl-von-Ossietzky hieß einst Margaretenstraße.

Fanni Brinkmann stammt aus Stralsund und arbeitete zunächst in der PR-Branche. 2011 zogen sie und ihr Freund nach Potsdam, vor zweieinhalb Jahren wurde ihr Sohn geboren. „Nach der Elternzeit hatte ich Lust auf was Neues“, sagt sie. Während eines Italienurlaubs erlebte sie die italienische Bar-Kultur: Kleine, offene Cafés, in denen man locker, aber stilvoll Kleinigkeiten essen und trinken kann. Als dann die Gewerbeeinheit gegenüber ihrem Wohnhause zu vermieten war, fragte sie nach und konnte den Vermieter, der zunächst keine Gastronomie in den Räumen wollte, schnell umstimmen. „Ich habe irgendwie auch viel Glück gehabt.“

Beim Bauamt habe man sie gut begleitet und unterstützt, zu den nötigen Umbauten beraten. Außerdem holte sie sich Hilfe von einer Gastroexpertin und einem Finanzberater, beantragte und bekam bei der Investitionsbank ILB einen Mikrokredit Brandenburg. Für den Umbau hatte sie zudem eigene Ersparnisse zurückgelegt. Vieles entstand in Eigenleistung: Freund Carol Deffke zimmerte den Tresen, baute Tische, sägte, schliff und lackierte vor dem Haus. Jetzt ist er der Koch, Deffke steht schon früh in der kleinen Küche und bereitet die Tagesgerichte vor, bevor er zur Uni geht.

Der Stadtteil kann ein weiteres Café gut vertragen. Erst im vergangenen Jahr eröffnete eine Filiale der Eisfrau in der Geschwister-Scholl-Straße, gegenüber soll bald ein Buena Vida Coffee Club einziehen. Brinkmann will ihre Räume auch für Veranstaltungen und private Feiern anbieten. Das ist bereits gut nachgefragt: So möchte eine ältere Dame hier demnächst mit ihrer Sportgruppe Geburtstag feiern. Im vergangenen Jahr war sie in einem anderen Café, aber dort wollte man für eine Tischdecke drei Euro extra berechnen, ein Unding, findet sie. Brinkmann sagt. „Bei mir gibt’s die Tischdecke umsonst“.

www.mossy-potsdam.de

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