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  • 02.01.2018
  • von Steffi Pyanoe

Vorweggenommener Rückblick auf 2018: Potsdam soll Monarchie werden

von Steffi Pyanoe

Gegen den Frust. Im Zuge des Umbaus erhält das Stadthaus ein Deeskalationszentrum nebst schalldichter Gummizelle, ähnlich dieser hier, die 2010 in der Kunsthalle in Kassel im Rahmen einer Ausstellung des deutschen Künstlers Thomas Zipp zu sehen war. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Geheime Akten, eine Poolparty und ganz viel Marzipan – 2018 war ein äußerst turbulentes Jahr in der Landeshauptstadt. Ein augenzwinkernder, vorfristiger Rückblick.

Das Jahr fängt gerade an – und wir wissen schon, was 2018 alles passieren wird. Die PNN präsentieren exklusiv den ersten, nicht ganz ernst gemeinten Jahresrückblick 2018.

Januar

Das Jahr beginnt mit der Verkündigung des neuen Mottos: „1000 Jahre und ein Vierteljahrhundert – 1025 Jahre Potsdam“. Der Slogan wurde vom Stadtmarketing in Kooperation mit einem Mathematikprofessor und einer Logopädin entwickelt. Außerdem gibt es einen Bitcoin mit Sonderprägung zum Stadtjubiläum. Die praktische Münze passt auch in Einkaufswagen und Parkautomaten, die dann digital nachgeladen werden können.

Februar

„Volle Kanne“-Moderator Ingo Nommsen, der den Brandenburgball moderieren soll, kann das Kongresshotel am Templiner See nicht finden. Stargast Franziska von Almsick gibt derweil im Foyer Trocken-Schwimmkurse für alle Bewerber um den Beteiligungspool. Potsdams Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) erklärt, dass mutmaßlich zur Jahresmitte ein Termin für die Gründung einer externen Expertenarbeitsgruppe zur Fertigstellung der Ausschreibung für einen Kita-Navigator mitgeteilt werden wird. Für das Schulproblem – Potsdam hat zu wenig Grundschulplätze – gibt es bereits eine Lösung: Das Einschulungsalter wird ab sofort von sechs auf zehn Jahre hochgesetzt.

März

Mit einem Handschlag beenden Befürworter und Gegner des Baus der Garnisonkirche ihren jahrelangen Streit. Die Kirche soll jetzt sogar vorfristig fertiggestellt und aus Königsberger Marzipan gebaut werden. Auch der Umbau des Rathauses geht voran. Fortschritte gibt es vor allem im neuen Deeskalationszentrum im Kellergeschoss: mit Yogaraum, Boxring und schalldichter Gummizelle. Bei einer Baustellenbegehung mit Pressevertretern und TV-Team wird hier ein Koffer aus der Insolvenzmasse von Beate Uhse gefunden – mit Zuckerbrot und Peitsche und Knebelwerkzeug. Darin außerdem ein vergilbtes Gutachten zum Griebnitzsee und ganz unten im Koffer das geheime Grünkohlrezept des Oberbürgermeisters.

April

Potsdams Starkoch Ronny Pietzner kann seine Mannschaft nicht zur Koch-WM nach Singapur führen, weil die Piloten streiken. Der „Battle for the Lion“ wird kurzerhand in die Retro-Küche des „Minsk“ verlegt und von dort live übertragen. Dabei kommen so viele internationale Spendengelder zusammen, dass damit das architektonische Highlight am Brauhausberg vor dem Abriss gerettet werden kann.

Mai

Gute Nachricht für alle Hundebesitzer: Die ersten Automaten mit umweltfreundlichen Hundekottüten werden installiert. Die Tütchen sind biologisch abbaubar und müssen deshalb nicht mehr umständlich in den Müll geworfen werden, sondern können am Wegesrand liegen bleiben. Jede Tüte muss allerdings mit einem roten Wimpel gekennzeichnet werden, heißt es in der städtischen Richtlinie für eine „kinderfreundliche Kommune“.

Juni

Der Beteiligungspool auf der Dachterrasse des Parkhauses in der Hegelallee wird mit einer Schaumparty eröffnet. Es gibt Sangria vom Werderaner Wachtelberg und Jürgen Drews singt „Jeder ist mal dran“. Von einer erneuten Dienstreise nach Sansibar bringt Potsdams Oberbürgermeister gute Ideen mit. Durch die verstopfte Innenstadt sollen ab sofort nur noch private Sammeltaxis, sogenannte Daladalas, fahren. Die Autos werden direkt importiert. Weil sie allerdings nur für Linksverkehr geeignet sind, wird in einer nächtlichen Aktion die komplette Beschilderung geändert. Die entstehenden zusätzlichen Kosten übernimmt die Linke.

Juli

Besucher des Stadtwerkefestes müssen nun doch Eintritt zahlen. Der Grund: Das Hotel Mercure hat im Vorfeld der Sanierungsarbeiten den Grund und Boden inklusive Lustgarten erworben. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wird hier im Anschluss an das Stadtwerkefest zudem mit dem Bau einer Haveluntertunnelung begonnen. Die Zufahrt erfolgt unter anderem über die trockengelegte Tiefgaragen-Baugrube am gegenüberliegenden Ufer in der Speicherstadt. Die Ausfahrt ist für Höhe Hannover geplant.

August

Die Länder Brandenburg und Berlin kaufen den bankrotten Flughafen für einen symbolischen Euro. Die Schuldensumme der Gesellschaft von drei Milliarden wird umgehend abgelöst: Bei sechs Millionen Einwohnern ergibt sich ein Betrag von 500 Euro pro Kopf. Das ist so viel, wie die Shopping Queen in vier Stunden auf den Kopp haut, schreibt Guido Maria Kretschmer anerkennend in einem Glückwunschtelegramm. Der neue Name vom Flughafen lautet: VEBer und er wird sofort eröffnet. Nach Abzug der Bauarbeiter aus Schönefeld muss Siemens nun Massenentlassungen verhindern. Der Elektrokonzern wird deshalb Teilhaber bei den Behindertenwerkstätten auf Hermannswerder und entwickelt eine elektrische Version des Merkelbesens, der besonders effizient arbeitet, wenn gegen den Strich gebürstet wird.

September

Dem frisch gewählten neuen Oberbürgermeister werden geheime brisante Unterlagen zum städtischen Haushalt zugespielt. Daraufhin nimmt der Kandidat die Wahl nicht an. Ab sofort wird Potsdam aus dem (beheizbaren) Beteiligungspool heraus regiert. Das klappt erstaunlich gut und Potsdam wird vom Städte- und Gemeindebund zur Modellstadt für das Pilotprojekt „Regieren ohne Bürgermeister – und keiner merkt was“ erklärt.

Oktober

Eklat im Kulturausschuss: Die Transparente Weltkugel ist nicht mehr auffindbar. Nachforschungen ergeben, dass die Stahlskulptur von einem Teilnehmer des Urban Trail für ein Rhönrad gehalten und als solches benutzt wurde. Bei dem neuen städtischen Sportereignis liefen Hunderte Teilnehmer entlang des Skulpturenpfads und durch die Dauerausstellung des Potsdam Museums. Die verloren geglaubte Transparente Weltkugel wird Wochen später im Park Sanssouci wiedergefunden: Biber haben sie dort in ihren Bau integriert.

November

Die Ausstellung „Kaiserdämmerung“ im Neuen Palais ist der Renner. In der Stadtverordnetenversammlung wird zeitgleich der Antrag diskutiert, in Potsdam die Monarchie einzuführen: Man habe schließlich keinen Bürgermeister, außerdem sei Demokratie sehr zeitaufwendig, familienunfreundlich und volkswirtschaftlich unsinnig, heißt es in der Begründung. Die SVV löst sich nach einem einstimmigen Beschluss vorübergehend selbst auf, bis die Schlösserstiftung droht, im Falle der Rückkehr der Monarchie aus dem Rathaus ein Museumsschloss zu machen.

Dezember

Zwei spektakuläre Eröffnungen krönen den Jahresabschluss. Erstens: Das Tierheim ist fertig. Die ersten Bewohner im Dickicht von Wilhelmshorst sind Elche, Wisente und Wölfe. Besucher müssen allerdings Eintritt zahlen in dem Heimattierpark, in dem es auch einen kleinen Märchenwald gibt. Schirmherr ist Minister Vogelsänger, zur Eröffnung spendiert er Rotkäppchensekt. Zweitens wird pünktlich zum Nikolaustag in der Zeppelinstraße Deutschlands erste Drive-through-Postfiliale eröffnet. Messungen hatten ergeben, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit des Staus exakt der Durchschnittsgeschwindigkeit einer Dezember-Schlange in der Post entspricht. „Mit dieser bahnbrechenden Innovation können künftig Synergieeffekte genutzt werden“, sagt Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) glücklich, der als Erster seine Weihnachtsbriefe hier aufgeben darf. Der Clou: Die Quittung gilt in Potsdam auch als Verspätungs-Entschuldigungszettel bei Arbeitgebern und Ehepartnern.

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