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  • 21.12.2017
  • von Sandra Calvez und Henri Kramer

Zusätzliche erste Klasse: Goethe-Schule bekommt Klassenraum auf Stelzen

von Sandra Calvez und Henri Kramer

Die Goethe Grundschule bekommt neue Räume - auf Stelzen. Foto: A. Klaer

Potsdams Bildungsdezernat kann Goethe-Grundschule doch erweitern – zur Freude zahlreicher Eltern.

Potsdam - Seit Jahren gibt es Engpässe bei der Potsdamer Schulentwicklung. Nun gibt es zumindest an einer Stelle eine überraschende provisorische Lösung für Schüler und Eltern. Die PNN geben einen Überblick über die aktuelle Lage in der Stadt.

Stelzen-Container an der Goethe-Schule

Jetzt also doch: Wie die Bildungsbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) am Dienstagabend im Bildungsausschuss verkündete, sollen an der Goethe-Grundschule in Babelsberg Container aufgestellt werden, um ab Beginn des Schuljahrs 2018/19 eine zusätzliche erste Klasse zu schaffen. „Wir wollen es den Erstklässlern ermöglichen, eine wohnortnahe Schule anzusteuern“, erklärte Aubel. Sie habe mit allen beteiligten Stellen gesprochen. „Das wird so kommen“, sagte sie.

Das Besondere: Die Container – in denen vier zusätzliche Unterrichtsräume entstehen – sollen auf Stelzen gebaut werden. Diese Lösung ermögliche es, dass der Raum auf dem Schulhof nicht verloren gehe. Die Schüler können sich also unter den Containern weiterhin aufhalten. „Ich könnte mir vorstellen, dass das eine gewisse Attraktivität entfaltet“, sagte Aubel. Es handele sich zunächst einmal um eine Lösung für das kommende Schuljahr, auch wenn der zusätzliche Zug eigentlich solange nötig sei, bis eine weitere Grundschule in Babelsberg gebaut wird – deren Standort aber noch umstritten ist.

Dutzende Babelsberger Eltern dürfte die Interimslösung freuen. Denn da einige von ihnen in der Goethe-Schule in der Stephensonstraße womöglich keinen Platz für ihre Kinder bekommen hätten, sollten sie in die rund zwei Kilometer entfernte neue Schule am Humboldtring fahren. Einige von ihnen hatten sich erbost an die Stadt und diverse Kommunalpolitiker gewandt und sogar mit Klage gedroht.

Bisher war die Möglichkeit einer Containererweiterung an der Goethe-Grundschule aus Platzgründen verworfen worden. Dabei ging es auch um Hort- und Sportflächen sowie das benachbarte Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Die Suttner-Schüler sollen nun, so erläuterte es Dezernentin Aubel, den so genannten Direktorengarten als zusätzliche Außenfläche nutzen können. Und wenn die 750 Meter entfernte Motorsporthalle in Babelsberg, in der bis Herbst 2018 noch gebaut wird, fertig ist, soll ein Teil der Gymnasiasten dort Schulsport haben. So werde vor Ort Hallenkapazität für die zusätzlichen Grundschüler frei.

Der Durchbruch für die Containerlösung, die nun bis nächsten Sommer aufgebaut werden soll, wurde im Bildungsausschuss von allen Seiten begrüßt. „Im Sinne des Prinzips ’Kurze Beine, Kurze Wege’ wurde meiner Einschätzung nach eine gute Lösung gefunden“, kommentierte der Ausschussvorsitzende Clemens Viehrig (CDU/ANW). Auch Vertreter von Schulen und Eltern lobten explizit, dass es nun einen Durchbruch gibt.

Nur die Stelzenlösung stieß auf ein geteiltes Echo. So fürchtet Astrid Thorak, Schulleiterin des Suttner-Gymnasiums, die überdachte Fläche könne sich zum Aufenthaltsort für Jugendliche auch außerhalb der Schulzeit entwickeln. Auch ein Vertreter der Suttner-Schulkonferenz nannte die Vorschläge „hervorragend“, sagte aber auch: „Stelzen brauchen wir nicht“. Aubel reagierte leicht ironisch: „Jetzt sind wir schon mal innovativ, dann ist es auch nicht recht.“

Mögliche Grundschule Heinrich-Mann-Allee

Der geplante Grundschulstandort in der Heinrich-Mann-Allee kommt bisher nicht entscheidend voran. „Wir sind aber optimistisch, dass wir im Januar einen deutlichen Schritt weitergekommen sind, was die Grundstücksverfügbarkeit betrifft“, sagte der Chef des kommunalen Immobilienservice (Kis), Bernd Richter, im Ausschuss. Noch im November hatte Aubels Ressort in einer Mitteilung erklärt, wegen Verzögerungen bei den Kaufverhandlungen über ein benötigtes Grundstück sei offen, ob die geplante Eröffnung der Schule 2022 überhaupt möglich sei. Gegebenenfalls sei sogar eine erneute Standortsuche erforderlich.

Bürgerhaus neben der Schule Pappelallee?

Änderungsbedarf gibt es auch für die städtischen Pläne für eine weiterführende Schule im Bereich zwischen Pappelallee, Reiherweg und Ruinenberg. Dort läuft noch bis zum morgigen Tag das Beteiligungsverfahren für einen Bebauungsplan. Die Stadtteilinitiative Bornstedt hat in den vergangenen Tagen schon mit Handzetteln und in sozialen Netzwerken mobilgemacht, damit sich Anwohner aktiv einbringen. Die Initiative fordert, dass neben der Schule möglichst ein großzügiges Nachbarschafts- und Begegnungshaus eingeplant wird. So etwas sei in Bornstedt noch nicht vorhanden. Die Schule für rund 900 Schüler wird allerdings nicht infrage gestellt, 2022 soll sie den Betrieb aufnehmen. Das Grundstück für die Schule muss die Stadt noch vom Land erwerben. Das Gebiet befindet sich in der engeren Pufferzone des Unesco-Welterbes.

Erweiterung in Fahrland geplant

Als nächstes angreifen möchte Bildungsdezernentin Aubel die Grundschulsituation in Fahrland. „Die Bevölkerungsprognose zeigt: Wir brauchen dauerhaft einen dritten Zug in Fahrland. Jetzt schauen wir, wie wir das hinkriegen“, erklärte sie im Bildungsausschuss. Am heutigen Donnerstag habe sie dazu ein Gespräch mit Kis-Chef Bernd Richter. Die beiden wollen gemeinsam überlegen, wie eine Lösung hierfür aussehen könne, so Aubel.

Wettbewerb für die Waldstadt-Schule

Für Schlagzeilen hatte diese Woche eine neue Bürgerinitiative gesorgt, die sich gegen die Pläne für einen großen Schulcampus am Bahnhof Rehbrücke wendet – unter anderem aus Lärmschutzgründen und weil dafür ein Wald gerodet werden müsse. Dem widersprechen die Potsdamer Grünen. Deren Bildungsexpertin Inge Naundorf verwies darauf, dass die Stadtverordneten bereits vor einem Jahr auf Initiative der Grünen beschlossen hätten, für den geplanten Schulstandort Waldstadt-Süd einen Architekturwettbewerb durchzuführen. „Der Erhalt eines möglichst großen Waldanteils sowie eine ökologische Bauweise sollen dabei maßgebliche Vorgaben sein“, hieß es in dem damaligen Beschluss, so Naundorf.

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