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  • 20.12.2017
  • von Alexander Fröhlich

Potsdam: Konflikt am Oberlinhaus spitzt sich weiter zu

von Alexander Fröhlich

Der bisherige ärztliche Direktor Reinhardt sagt, sein Büro bei Oberlin sei durchsucht worden. Foto: A. Klaer

Der bisherige Ärztliche Direktor, Axel Reinhardt, rückt seine Kündigung in ein neues Licht. Zudem soll Reinhardts Büro nach übereinstimmenden Angaben durchsucht worden sein.

Potsdam/Babelsberg - Der Vorstand des Oberlinhauses geht mit harten Bandagen gegen bislang leitende Mitarbeiter vor. Etwa im Fall des bisherigen Ärztlichen Direktors der Oberlinklinik, Axel Reinhardt. Der Mediziner hatte – wie berichtet – nach den internen Turbulenzen um eine vorzeitige und einvernehmliche Vertragsauflösung gebeten. Nun hat sich die Lage weiter zugespitzt: Reinhardts Büro soll nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Quellen durchsucht worden sein.

Der bisherige Chefarzt und über Potsdam hinaus bekannte Experte für Wirbelsäulen- und Beckenchirurgie hat seither keinen Zugang mehr zu seinen Dienst-E-Mails und damit vorerst keinen Kontakt zu seinen Privatpatienten. Die Lage ist aus dem Ruder geraten.

Kündigung oder Suspendierung? Direktor widerspricht Oberlin-Vorstand

Pikant daran: Reinhardt musste für die Absage der Verhandlungen über eine Kooperation der diakonischen Oberlinklinik mit dem städtischen Bergmann-Klinikum herhalten. Der theologische Vorstand des Vereins Oberlinhaus, Matthias Fichtmüller, hatte über ein am 13. Dezember veröffentlichtes Interview die Gespräche öffentlich für beendet erklärt. Er begründete dies mit seinem Eindruck, bei den Verhandlungen gehe es „in Richtung einer feindlichen Übernahme“ der Oberlinklinik durch das Bergmann-Klinikum.

Bei einem Gespräch im Büro von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am 4. Dezember waren nach dessen Angaben die Verhandlungen noch nicht abgebrochen worden. Fichtmüller begründete seinen Eindruck mit mehreren Vorgängen. So dass Reinhardt um eine kurzfristige, einvernehmliche Vertragsauflösung gebeten habe – und danach vom Bergmann-Klinikum und Jakobs ein Angebot zur Übernahme der Mehrheitsanteile an einer neuen Gesellschaft für Unfallchirurgie und Orthopädie gekommen sei. Schließlich hatte Reinhardt am 6. Dezember bisherige enge Mitarbeiter der Oberlinklinik in die Villa Bergmann geladen. In einer Pressemitteilung erklärte der Oberlin-Vorstand am 8. Dezember, Reinhardt sei beurlaubt worden, denn er habe Oberlin-Mitarbeiter „zum Wechsel des Arbeitgebers angesprochen“ – ans Bergmann-Klinikum.

Tatsächlich war Reinhardt am 7. Dezember über die Beurlaubung vom Vorstand per Kurznachricht informiert worden. Da war er gerade zu einer Weiterbildung in China gelandet. Seine Suspendierung wurde vom Arbeitgeber öffentlich verkündet, bevor er dazu vom Arbeitgeber angehört wurde. „Das widerspricht jeder Form“, sagt Reinhardts Anwalt Marcus Flinder den PNN. Zugleich weist er die Darstellung des Oberlin-Vorstands zum Treffen in der Villa Bergmann zurück.

Reinhardt habe erklärt, warum er geht, aber niemanden aktiv angesprochen, ebenfalls zu wechseln. Zugleich nennt der Anwalt die Durchsuchung von Reinhardts Klinikbüro „rechtlich bedenklich“. Chefärzte behandeln auf eigene Rechnung – aber mit Nutzungsbeitrag an die Klinik – dort auch Privatpatienten, deren Akten und Daten unterliegen dem strengen ärztlichen Datenschutz.

Wie ein Berufsausübungsverbot: Er hätte keine Privatpatienten mehr behandeln können

Nun verhandeln beide Seiten, wie Reinhardt die Oberlinklinik verlassen kann. Das Vorstandsangebot: Laut Anwalt würde Reinhardt bis Mitte 2018 bei Lohnfortzahlung freigestellt sein. Er hätte in dieser Zeit keine Privatpatienten mehr behandeln können: Kein Zutritt zur Klinik, keine OP. Für eine Koryphäe am Operationstisch wie Reinhardt wäre das fatal, es wäre wie ein Berufsausübungsverbot. Reinhardt selbst kündigte nun außerordentlich zum Jahresende. Immerhin wolle der Vorstand nun seine privaten Dinge, auch Akten und Daten seiner Privatpatienten, herausgeben, hieß es.

Eine PNN-Anfrage zu den Vorgängen ließ der Oberlin-Vorstand unbeantwortet, etwa zur Durchsuchung des Büros – oder dazu, bei wie vielen Mitarbeitern die E-Mails durchsucht worden sind. Bei Reinhardt zumindest geschah das wohl nicht.

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