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  • 27.11.2017
  • von Erik Wenk

600 Unterschriften gegen den Fahrplanwechsel

von Erik Wenk

Mit einem Umstieg an der künftigen Haltestelle Campus Jungfernsee aus dem Bus in die Tram sind viele Groß Glienicker nicht einverstanden. Foto: Sebastian Gabsch

Groß Glienicke will, dass Busse weiterhin bis Potsdam durchfahren – aber der ViP bleibt hart

Potsdam - Die geplante Fahrplanänderung des Potsdamer Verkehrsbetriebs (ViP) sorgt weiter für viel Unmut in Groß Glienicke: Wie berichtet soll der Bus 638 ab dem 10. Dezember nicht mehr von Rathaus Spandau bis Potsdam Hauptbahnhof durchfahren, sondern an der neuen Tramendhaltestelle Campus Jungfernsee stoppen, wo die Fahrgäste dann in die Tram 96 umsteigen können.

„Das geht alles zu Lasten von Menschen mit Behinderungen“, sagte Andreas Menzel bei der Sitzung des Ortsbeirates Groß Glienicke vergangene Woche. Vor allem für Menschen in Rollstühlen sei das zusätzliche Umsteigen eine Zumutung. Das Ortsbeiratsmitglied hatte im jüngsten Hauptausschuss eine Liste mit rund 600 Protest-Unterschriften von Anwohnern an den Oberbürgermeister übergeben, zusammen mit der Forderung, die Busse weiter durchfahren zu lassen.

Viele Ältere fragen sich, wie sie zum Arzt kommen sollen

Auch andere Groß Glienicker machten ihrem Ärger Luft: „Der ganze Ribbeckweg ist in Aufruhr: Viele Ältere fragen sich, wie sie im Winter zum Arzt kommen sollen“, sagte eine Anwohnerin bei der Ortsbeiratssitzung. „Es ist grotesk, wie Potsdam mit den Leuten hier umgeht“, so ein Anwohner. Und auch Christoph Richter, Beauftragter der Stadt für Menschen mit Behinderungen, fordert, dass die Busse weiter durchfahren: „Da in der Straßenbahn mehr Sondernutzstellflächen als im Bus vorliegen, tritt aus meiner Sicht für die Fahrt von Potsdam nach Spandau das Problem auf, dass nicht alle Personen, die auf die Sondernutzstellfläche angewiesen sind – vor allem Rollstuhl- und Rollatorfahrende sowie Familien mit Kinderwagen – ab der Haltestelle Campus Jungfernsee mitgenommen werden können.“

ViP will bei den Plänen bleiben

Der ViP reagierte mit Verständnis auf die Proteste, bleibt aber bei den Plänen. „Wir können natürlich nachvollziehen, dass ein Umsteigen grundsätzlich als unangenehm empfunden wird“, sagte Sprecher Stefan Klotz auf PNN-Nachfrage. Dennoch müsse man das Verkehrsangebot in seiner Gesamtheit betrachten: „Ein zusätzlicher paralleler Busverkehr ist aufgrund der Nachfrage nicht geboten, umweltpolitisch kontraproduktiv und wirtschaftlich nicht sinnvoll.“ Zudem werde das Angebot der Linie 96 aufgewertet und biete eine Alternative zur oft von Stau belasteten Nedlitzer Straße.

Angesichts der möglichen Schwierigkeiten für Menschen mit Behinderungen verwies Klotz darauf, das am Campus Jungfernsee ein „moderner Umsteigepunkt“ entstehe, ähnlich wie an der Haltestelle Kirschallee: „Hier kann barrierefrei direkt über den Bahnsteig zwischen Bus und Straßenbahn umgestiegen werden." Außerdem werde der Bus 638 auch im Dezember weiter am Vor- und Nachmittag zu den Schul- und Berufsverkehr-Zeiten jeweils drei Fahrten anbieten, die wie gewohnt bis Potsdam durchfahren.

Ortsbeirat will beim nächsten Fahrplanwechsel Änderungen

Dem Ortsbeirat Groß Glienicke ist klar, dass der ViP am neuen Fahrplan nichts mehr ändern wird. „Wir müssen daher jetzt die Auswirkungen überprüfen, damit möglichst beim nächsten Fahrplanwechsel etwas geändert werden kann“, sagte Ortsvorsteher Winfried Sträter (Groß Glienicker Forum). Ob tatsächlich beim jährlichen Fahrplanwechsel etwas geändert wird, darüber müsse die Stadtverwaltung als „zuständiger Aufgabenträger“ entscheiden, so der ViP-Sprecher. Bis dahin wollen die Groß Glienicker Druck machen: Menzel rief die Anwohner auf, zur Stadtverordnetenversammlung am 6. Dezember zu erscheinen und zum Thema Busanbindung Einwohnerfragen zu stellen.

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