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  • 14.11.2017
  • von Marco Zschieck

Immobilienpreis: Steigende Wohnungs- und Häuserpreise in Potsdam

von Marco Zschieck

Foto: B. Settnik/dpa

Knappes Angebot, hohe Nachfrage: Laut einer Studie steigen die Immobilienpreise in Potsdam moderat.

Potsdams Immobilienmarkt hat die eine oder andere Rarität zu bieten. So wird auf einem großen Immobilienportal beispielsweise für eine Fünf-Zimmer-Wohnung in Innenstadtnähe für 1,05 Millionen Euro geworben. Dass die herrschaftliche Etagenwohnung etwas schattig an einer viel befahrenen Hauptstraße liegt, wird freilich nicht mitgeteilt. Der Quadratmeter soll rund 4800 Euro kosten.

Kommt es zum Verkauf, dürfte die Wohnung eine der teureren in der Stadt sein. Das geht jedenfalls aus der aktuellen Studie des Maklerverbands IVD hervor. Der IVD hat Vertragsabschlüsse von April bis September 2017 ausgewertet. Am Montag stellte er den Marktbericht für die Metropolregion Berlin vor. Demnach lag das Niveau der Eigentumswohnungspreise in Potsdam bei 1500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in einfachen Lagen. 2700 Euro sind es in mittleren bis guten und 3900 Euro in guten bis sehr guten Lagen. Das Preisniveau in Potsdam sei damit weiter stabil.

Doppel- und Reihenhäuser zwischen 180 000 Euro in einfachen und 350 000 Euro in guten bis sehr guten Lagen

Bei freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern sieht es anders aus. Denn die Preise in Potsdam sind weiter gestiegen – und zwar um zwölf bis 15 Prozent. „Die Preise für Reihen- und Doppelhaushälften blieben hingegen nach Steigerungen von etwa 5,8 Prozent bis 12,5 Prozent im Vorjahr stabil“, heißt es in der Auswertung. Freistehende Häuser kosteten in diesem Jahr demnach 230 000 Euro in einfachen und 480 000 Euro in guten bis sehr guten Lagen, Doppel- und Reihenhäuser zwischen 180 000 Euro in einfachen und 350 000 Euro in guten bis sehr guten Lagen. Leichte Steigerungen waren laut IVD bei den Mieten und Baulandpreisen für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie den Wohn- und Geschäftshäusern in mittleren bis sehr guten Lagen zu verzeichnen.

Grundlegend sei in Potsdam eine weiter hohe Nachfrage bei begrenztem Angebot besonders in den besseren Wohnlagen zu beobachten, hieß es. Dennoch entwickle sich der Immobilienmarkt auch in diesem Jahr vergleichsweise moderat, so das Fazit des Maklerverbands. Vergleichsweise bedeutet, dass es im nahen Berlin teilweise steil bergauf geht. Je nach Teilmarkt gab es binnen Jahresfrist ein Plus von sieben bis zwölf Prozent. In einfachen bis mittleren Wohnlagen werden dort durchschnittlich rund 2000 Euro je Quadratmeter für eine Eigentumswohnung fällig. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern hat sich der Preisanstieg beschleunigt.

900 Wohnungen wurden 2016 in Potsdam für insgesamt 214,5 Millionen Euro veräußert

In den Beobachtungen der Studie setzen sich die Ergebnisse des Potsdamer Grundstücksmarktberichts in diesem Jahr fort. Auch dort war festgestellt worden, dass das Angebot bei steigender Nachfrage rückläufig sei. Dementsprechend steigen die Preise. 900 Wohnungen wurden 2016 in Potsdam für insgesamt 214,5 Millionen Euro veräußert. Inklusive Häusern, Grundstücken und Gewerbeimmobilien wurde sogar erstmals mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt.

Auch eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag der Postbank hatte Potsdam als vielversprechenden Ort für Immobilienkäufer eingeschätzt. Potsdam lande mit einer erwarteten Preissteigerung pro Jahr von 1,6 Prozent unter den Top 10 der deutschen Großstädte, so die Prognose. In Ostdeutschland lag Potsdam an der Spitze. Allerdings wurde auch in der HWWI-Studie darauf hingewiesen, dass die Zeiten sprunghafter Wertzuwächse wohl vorbei sein könnten.

Je näher eine Kommune an Berlin liegt, desto stärker steigen die Preise

Je näher eine Kommune an Berlin liegt, desto mehr machen sich die steigenden Preise in der Bundeshauptstadt bemerkbar: Das höchste Kaufpreisniveau weist mit durchschnittlich 520 000 Euro für ein Einfamilienhaus und Grundstückspreisen von durchschnittlich 430 Euro pro Quadratmeter unangefochten Kleinmachnow auf, heißt es in der IVD-Studie. Insbesondere bei Weiterverkäufen von nach 1990 errichteten Neubauten seien die Preise weiter gestiegen. Ältere Baujahre stehen dem wegen des deutlich höheren Investitionsbedarfs meist nach.

Mittlerweile ziehen auch in Städten, die weiter von Berlin entfernt sind, die Preise an – wenn auch langsam. In den kreisfreien Städten Brandenburg/Havel, Cottbus und Frankfurt (Oder) sei weiterhin ein überwiegend stabiles bis leicht steigendes Preisniveau zu verzeichnen, so der IVD. Neben moderaten Mietsteigerungen sei in Brandenburg/Havel jedoch, ausgehend von einem vergleichsweise niedrigen Niveau, ein teilweise deutlicher Preiszuwachs bei den Wohn- und Geschäftshäusern sowie Eigentumswohnungen in einfacher Lage gegeben. In Cottbus und Frankfurt (Oder) seien höhere Preise für Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser festzustellen. Bei den Eigentumswohnungen seien die Wertzuwächse jedoch im Wesentlichen den Neubauten geschuldet, die Preise bei den Bestandswohnungen seien laut IVD überwiegend stabil.

„Entwicklung des Brandenburger Speckgürtels muss wieder als eine Politik des Ermöglichens verstanden werden"

Im Fazit kritisiert der Verband einen Mangel an Bauplätzen, der die Schaffung von Wohneigentum behindere. Auch angesichts der niedrigen Zinsen sei ein Ende des Preisanstiegs nicht absehbar. Der Landespolitik in Brandenburg und Berlin stellt der IVD kein gutes Zeugnis aus. „Stadtentwicklung und die Entwicklung des sogenannten Brandenburger Speckgürtels muss wieder als eine Politik des Ermöglichens verstanden werden und nicht der Bremsen und Regulierung“, sagte Dirk Wohltorf, Vorstandsvorsitzender des IVD Berlin-Brandenburg.

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