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  • 13.11.2017
  • von Steffi Pyanoe

Tulip-Gala 2017: Hello Again und ein Abschied

von Steffi Pyanoe

Schlager für immer. Howard Carpendale war der Stargast des Abends. Er sang zu Musik vom Band, aber das störte die Fans nicht. Sie feierten ihn ausgelassen. Fotos: Manfred Thomas

Die Parkinson Gala in der Babelsberger Metropolishalle mit Stargast Howard Carpendale war ein voller Erfolg - aber es könnte die Letzte gewesen sein.

Potsdam - Gerade erst war die Tulip Gala wieder in Potsdam angekommen. Zum zweiten Mal wurde Samstagnacht der Ball zu Gunsten der Deutschen Parkinson Hilfe e.V. in der Metropolishalle gefeiert, nachdem er zuvor stets im Ländlichen stattgefunden hatte. 450 Gäste waren es 2016, in diesem Jahr 620, die Spendensumme wuchs auf rekordverdächtige 74.100 Euro – das sind 21.700 Euro mehr als im Vorjahr. Viele Gäste, so schien es, hatten den Ball, der Unterhaltung und Engagement so wunderbar verknüpft, gerade erst für sich entdeckt. „Wir kommen nächstes Jahr wieder“, hieß es an vielen Tischen.

Doch es wird wohl kein nächstes Mal geben. Projektgründer und Organisator Stephan Goericke überraschte nicht wenige Gäste mit der Mitteilung, dass dieser Abend seine letzte Parkinson Gala war. „Das ist für einen kleinen Freundeskreis nicht mehr zu stemmen. Ich kann es jedenfalls nicht mehr“, sagte der Potsdamer Unternehmer den PNN. Er ließ offen, ob es eine Chance gibt, dass sich ein neues Team findet, das das Projekt weiterführt. „Ich habe aus privaten Gründen angefangen und höre aus privaten Gründen auf. Und es fällt mir nicht leicht.“

Die Motivation für sein Engagement für den Verein und die jährliche Gala, die klein anfing und zuletzt zu einem wichtigen Event im Ball-Kalender des Landes wurde, rührte aus der eigenen Familie. 2010 erkrankte Goerickes Vater an Parkinson. Jetzt gehe es ihm immer schlechter, er sei im Krankenhaus. So ist herauszuhören, dass sich Goericke auch, um mehr Zeit für die Familie zu haben, aus der Arbeit zurückzieht. An Dietlind Tiemann, Brandenburgs ehemalige Oberbürgermeisterin und frisch gewählte Bundestagsabgeordnete, richtete er folgenden Appell: „Die Pflegekräfte im Krankenhaus machen eine großartige Arbeit. Bitte, kümmert euch um die Pflegekräfte“, sagte er eindringlich. Er selbst werde sich weiterhin für die Parkinsonhilfe engagieren, anders und etwas leiser. Er wolle die Krankheit wieder mehr im Mittelpunkt seiner Arbeit sehen, weniger die Party. Dennoch sei die Tulip Gala ein erfolgreiches Projekt gewesen. „620 Gäste, 74.100 Euro Spenden und Howard Carpendale – mehr kann man eigentlich nicht erreichen.“

So sahen es auch die Gäste des Abends, unter ihnen Gala-Botschafterin und Model Franziska Knuppe, Brandenburgs CDU-Generalsekretär Steeven Bretz, der ehemalige Trainer der Frauenfußballerinnen von Turbine Potsdam Bernd Schröder, Schauspielerin Isabell Gerschke und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Dem Ball hafte eine ganz besondere Stimmung an, sagte Jakobs, weil ganz normale Menschen, darunter nicht wenige an Parkinson Erkrankte, aber auch Promis und Politiker miteinander feierten. Über die Krankheit, über Probleme, Therapien und Forschung, wurde dabei stets offen gesprochen. Betroffene, Mediziner als auch Vertreter der AOK-Nord-Ost, Partner der Gala, kamen zu Wort. Den Ball eröffnete in diesem Jahr die Trommelgruppe „Drums Alive“ aus Ludwigsfelde – es sind sieben Erkrankte, denen die Rhythmus-Therapie ein Stück Mobilität zurück gebracht hat. Der mit 2000 Euro dotierte Muhammad-Ali-Gedächtnispreis, der stets an Betroffene geht, wurde dieses Jahr an Ingo Jeschke verliehen, der in der Prignitz eine Selbsthilfegruppe gründete und mittlerweile weltweit um Aufmerksamkeit und Unterstützung wirbt. Es gab viel Applaus für den gerührten Ausgezeichneten. „Ich bin sprachlos“, sagte Jeschke.

Die Spenden des Abends werden in bestehende Hilfsprojekte des Parkinson Hilfe e.V. fließen, sagte Goericke. So soll das Projekt Tele-Cura, das in der Parkinsonklinik Beelitz-Heilstätten in Zusammenarbeit mit der AOK Nordost und dem Fraunhofer Institut entwickelt wurde, ausgebaut werden. Erkrankte im ländlichen Raum sollen damit digital besser therapeutisch versorgt werden. Das Projekt steht allerdings noch ganz am Anfang. Im städtischen Raum ist die Versorgung in der Regel gut, sagte Birgit Vorwerk, Hausärztin aus Rehbrücke. „Wenn Hausarzt und Neurologe gut zusammenarbeiten, ist alles möglich“, sagte die Ärztin. Sie wünsche sich mehr Aufklärung über die Krankheit. Deshalb freue sie sich über Initiativen wie die Gala. Um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, war sie mit Ehemann und Freunden das erste Mal dabei. Auch der Stargast des Abends – Schlagersänger Howard Carpedale – sei dafür ausschlaggebend gewesen. Vielen Gästen ging es so: Der 71-Jährige wurde mit Spannung auf der Bühne erwartet. „Unser Howi, ach wird das schön“, schwelgte Moderator Attila Weidemann.

Der hatte vorher einiges anderes zu tun, zum Beispiel Tombola-Losverkäufer anzutreiben. Den Job übernahmen Miss Thüringen, Miss Ostdeutschland und Miss Germany, außerdem das Ermittlerteam der TV-Serie „Soko Leipzig“, zu dem der Potsdamer Schauspieler Steffen Schroeder gehört. Der Hauptgewinn, eine Komparsenrolle bei „Soko Leipzig“, wurde anschließend spontan, amüsant und professionell von Weidemann im Auftrag des Gewinners versteigert und brachte nochmals einen Spendenschub: 5000 Euro.

Die Band Ten Ahead und Musicalsängerin Franziska Schuster unterhielten zum Menü von Ronny Pietzner. Der Brandenburger Spitzenkoch ist seit März Teammanager der Nationalmannschaft der Köche und kocht seit April zudem für die Metropolishalle des Filmparks. Für das Galabuffet holte er sich sieben Kollegen aus dem Weltmeisterschaftsteam dazu. Zum Üben, sagte Pietzner. Zwölf Hauptgänge von Wild bis Asiatisch waren im Angebot, dazu eine pittoreske Dessertlandschaft.

Und dann kam Howi, das Sahnehäubchen. Leider ohne Band, dafür mit überraschend jungem Backgroundchor, sang der Schlagerbarde aus Südafrika unter anderem sein legendäres „Hello Again“ von 1984 und „Unter einem Himmel“ aus dem neuem Album von 2017. Die Tanzfläche wurde sofort voll – ganz so, wie es Attila Weidemann dem Star versprochen hatte: „Die Potsdamer können feiern.“

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