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  • 03.11.2017
  • von Henri Kramer

Gleichstellungsbeauftragte will Oberbürgermeisterin werden: OB-Wahl in Potsdam: Linke schickt Trauth-Koschnick ins Rennen

von Henri Kramer

Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth-Koschnick will Oberbürgermeisterin von Potsdam werden. Foto: Manfred Thomas

Die Linke stellt zur Oberbürgermeister-Wahl in Potsdam die parteilose Gleichstellungsbeauftragte, Martina Trauth-Koschnick, auf. Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg tritt nicht erneut an.

Die Potsdamer Linke schickt für den Oberbürgermeister-Wahlkampf im nächsten Jahr voraussichtlich eine parteilose Frau ins Rennen: Die Gleichstellungsbeauftragte im Rathaus, Martina Trauth-Koschnick. Das bestätigten Parteikreise den PNN am Freitagnachmittag. Der zweimal als Oberbürgermeisterkandidat gescheiterte Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg tritt demnach nicht noch einmal an, wie es hieß.

Die 52-jährige Trauth-Koschnick ist seit sieben Jahren die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und leitet das Büro für Chancengleichheit und Vielfalt, dass sich insbesondere für die Belange von Migranten und Behinderten in Potsdam einsetzt und gegen Diskriminierung jeder Art eintritt. In dieser Funktion hat sie sich immer wieder zu Wort gemeldet, etwa für eine bessere und gerechtere Bezahlung von Frauen am Arbeitsmarkt eingesetzt. Vor ihrer Gleichstellungsamt war die Diplom-Sozialpädagogin und Gesundheitswissenschaftlerin im Rathaus lange Jahre als Sozialplanerin tätig – sie kennt also die Abläufe in der Stadtverwaltung. Zudem wurde sie als Initiatorin des Netzwerks „Älter werden in Potsdam“ bekannt. Gleichwohl gilt sie manchem im Rathaus als etwas spröde in ihrer Art, muss sie mit Hilfe der Linken öffentlich noch deutlich bekannter werden.

Scharfenberg tritt nach zwei Wahlniederlagen nicht erneut in Potsdam an

Mit der Nominierung folgt die Linke einem Rat ihres in diesem Jahr aus familiären Gründen nach Südafrika verzogenen Ex-Vorsitzenden Sascha Krämer. Dieser hatte bereits im Mai im PNN-Interview „zu einer Person jenseits von Parteien, aus der Mitte der Gesellschaft“ als Kandidat geraten – und möglichst auch eine Frau gefordert. Ähnliche Andeutungen hatte auch Krämers Nachfolger Stefan Wollenberg gemacht. 

Am Donnerstagabend hat bereits der Kreisvorstand den Personalvorschlag abgesegnet, nach PNN-Informationen auch im Beisein von Fraktionschef Scharfenberg. Der 63-Jährige, das langjährige Zugpferd seiner Partei bei Wahlen, der eine erneute Kandidatur lange Zeit offen gelassen hatte, verzichtet demnach auf einen erneuten Versuch. Seit Monaten hatte er eine Kandidatur offen gelassen. 2002 hatte der langjährige Landtagsabgeordnete und Innenexperte noch mit wenigen Stimmen Unterschied die Stichwahl gegen den heutigen Amtsinhaber Jann Jakobs (SPD) verloren. Bei Scharfenbergs zweiter Kandidatur unterlag er – auch wegen der Debatte um seine frühere Stasi-Tätigkeit – bereits mit einem Abstand von rund 20 Prozentpunkten. 

Linke will mit Entscheidung bei der Mitgliederversammlung einen Machtkampf verhindern

Am Montag will sich die Linke-Parteispitze vor Journalisten offiziell zu den Personalentscheidungen äußern und die Kandidatin vorstellen. Zudem muss noch eine Mitgliederversammlung der Partei die Nominierung bestätigen, hieß es – es seien auch noch weitere Kandidaturen aus der Partei möglich, aber auch eher unwahrscheinlich. Denn aus Linke-Parteikreisen hieß es, mit der Entscheidung wolle man auch einen veritablen Machtkampf verhindern, wie er sich speziell bei den Potsdamer Sozialdemokraten zwischen Kämmerer Burkhard Exner und Sozialdezernent Mike Schubert bereits abzeichnet. Dazu hatte sich der Ex-Fachbereichsleiter Grün- und Verkehrsflächen im Rathaus, Frank Steffens, selbst nominiert.

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