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Themenschwerpunkt:

Garnisonkirche

  • 27.10.2017
  • von Alexander Fröhlich

Manfred Stolpe über die Garnisonkirche: Eine Mahnung

von Alexander Fröhlich

Eine Fotomontage mit der Garnisonkirche, aufgenommen Ende März.2016 in Potsdam, am historischen Standort. Foto: dpa

Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe fordert zum Wiederaufbaustart des Garnisonkirchenturms am Sonntag den Dialog mit den Kritikern. Die schlagen jedoch scharfe Töne an.

Mit einem Gottesdienst soll am Sonntag der Beginn des Wiederaufbaus des Turms der Garnisonkirche in Potsdam gefeiert werden – 49 Jahre nach der Sprengung auf Geheiß der SED im Jahr 1968 und zwölf Jahre nach der Grundsteinlegung. Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), der Mitglied des Kuratoriums der Wiederaufbaustiftung ist, mahnt in einem Gastbeitrag für die PNN einen Dialog mit den Kritikern an. Die Sorgen vor der Förderung des deutschen Nationalismus müssten ernst genommen werden. „Das wird die Auseinandersetzung mit der belasteten Geschichte und Symbolik des Ortes erleichtern.“

Der Wiederaufbau sei eine Wiedergutmachung „der ideologisch bedingten Sprengung von 1968“, aber zugleich eine Chance, „sich mit einem dunklen Kapitel unserer Geschichte“ zu befassen, schreibt Stolpe. Der notwendige Bruch mit Geschichte und Tradition der Garnisonkirche müsse greifbar werden. Für die Zukunft sei, so Stolpe, eine gesamtgesellschaftliche Nutzung als Kulturstätte und als religionsübergreifendes Gotteshaus denkbar. In Bezug auf das fehlende Kirchenschiff sprach sich der frühere MInisterpräsident für eine „moderne äußere Gestalt“ aus. 

Zweifel am Turm als Lernort: Kritiker schreiben Bundespräsident Steinmeier

Kritiker des Projekts verschärften am Freitag ihren Ton und wandten sich in einem offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Schirmherr des als national bedeutsam eingestuften Projekts ist. Unterzeichner sind der frühere Sprecher der Bundesregierung, Uwe-Karsten Heye, der frühere Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, und mehrere Theologen. Es sei zu bezweifeln, dass im neuen Garnisonkirchturm ein Lernort entstehe, an dem Besucher Lehren der Geschichte ziehen könnten, um für die Zukunft eines friedlichen und gerechten Europas einzutreten. Die Garnisonkirche wurde im 18. Jahrhundert als preußische Militärkirche errichtet und 1933 von den Nazis zur Inszenierung der Reichstagseröffnung genutzt. Dem Bauvorhaben liege von Anfang an „eine widersprüchliche Logik zugrunde“, heißt es in dem von der Martin-Niemöller-Stiftung verbreiteten Brief. 

Stiftungsvorstand Wieland Eschenburg hingegen sagte: „Jeder Stein der Geschichte soll hier umgedreht werden, damit wir daraus lernen können.“ Der Turm setze „im vollen Bewusstsein der historischen Verstrickung in Militarismus und Nationalsozialismus“ ein Zeichen für Frieden und Versöhnung. „Wir brauchen jedoch gerade die Orte mit zwiespältiger Geschichte, um uns erinnern zu können“. Neben Stolpe rief auch der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, der dem Kuratorium der Garnisonkirchenstiftung angehört, zum kritischen Dialog auf. Zugleich mahnte er: Bei der am Ort der Garnisonkirche geplanten Friedens- und Versöhnungsarbeit seien „weitere Anstrengungen nötig, um der Arbeit Profil zu verleihen und sie zu stärken“. (mit epd) 

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