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  • 18.10.2017
  • von Henri Kramer

Großbaustelle in Potsdams Mitte: Rechenzentrum: Gnadenfrist und Neubau

von Henri Kramer

2023 soll das Rechenzentrum weichen. Wo wird die Kreativszene dann unterkommen? Foto: S. Gabsch

Ein Zentrum für Kreativwirtschaft soll die neue Heimat für Potsdamer Künstler werden, die aktuell im Rechenzentrum untergebracht sind. Die Frage ist nur: Wo wird es gebaut?

Potsdam - Das ist die politische Vorentscheidung: Die Kreativen im Rechenzentrum können den Bau noch bis längstens 2023 nutzen. Zudem soll bis dahin auf einem Grundstück in der Innenstadt ein „Zentrum für die Kreativwirtschaft bezugsfertig“ entwickelt werden. Darauf haben sich SPD, CDU/ANW und Grüne verständigt, der erste Beschluss dazu kam bereits am Dienstagabend in einer Sondersitzung des Bauausschusses zustande.

Laut dem Beschluss soll das neue Zentrum möglichst auf der Brache an der früheren Feuerwache in der Werner-Seelenbinder-Straße entstehen, dort wird der sogenannte Lange Stall geplant. Für die Ideensuche soll bis Ende des ersten Quartals 2018 ein „Szenarioworkshop“ stattfinden – um die „funktionale und bauliche Ausprägung“ des neuen Zentrums zu bestimmen. Das Rechenzentrum würde in diesen Planungen keine Rolle mehr spielen und voraussichtlich abgerissen. Die Finanzierung des neuen Hauses ist unklar.

Linke sind gegen den Plan und wollen den Fortbestand des Rechenzentrums noch nicht ausschließen

Mit dem Votum steht auch die Mehrheit für die Zahlung von bis zu 460 000 Euro an die Stiftung Garnisonkirche. Damit sollen Mehrkosten finanziert werden, die entstehen, weil das Rechenzentrum eben noch fünf Jahre stehen bleibt, obwohl direkt daneben ab 29. Oktober der Turm der Garnisonkirche errichtet wird. Ein Teil des seit 2015 für Künstler genutzten Rechenzentrums steht auf dem Grundstück der Stiftung, überschneidet sich aber nicht mit dem Turm, sondern lediglich mit dem Kirchenschiff, dessen Bau ungewiss ist.

Durch den vorläufigen Erhalt des Rechenzentrums entstehen der Stiftung Mehrkosten, etwa für Umplanungen. Man brauche aber eine für die Stiftung praktikable Option, sagte Grünen-Stadtverordnete Saskia Hüneke. Entscheidend sei, in den nächsten fünf Jahren ein attraktives Angebot für die Kreativen zu schaffen und bis 2023 ihren Verbleib im Rechenzentrum zu sichern, sagte SPD-Fraktionschef Pete Heuer. Die Vertreter der Linken stimmten gegen den Vorschlag – man dürfe nicht schon jetzt den Fortbestand des Rechenzentrums ausschließen.

„Jeder Cent, der jetzt in die Nutzung des Rechenzentrums gesteckt wird, fehlt bei der Errichtung eines dauerhaften Domizils“

Deine Verlängerung um gleich fünf Jahre hatte sich im Vorfeld des Ausschusses auch die Initiative Mitteschön stark gemacht. „Jeder Cent, der jetzt in die temporäre Nutzung des Rechenzentrums gesteckt wird, fehlt bei der Errichtung eines dauerhaften Domizils für die Künstler“, teilte die Initiative mit. Das Haus sei – ohne echte Dämmung und mit einer veralteten Haustechnik – ein „ökologischer Dinosaurier“ und entspreche keinerlei energetischen Vorschriften. Daher sollte die Verlängerung nur jahresweise erfolgen – bis eine bezugsfertige Alternative gefunden sei. Mitteschön will, wie es jetzt ansatzweise auch in dem Entschluss der Politik angestrebt wird, den Langen Stall als Kreativzentrum planen. Dass noch keine Alternative vorhanden sei, ist aus Sicht von Mitteschön ein Versäumnis der Stadt – worunter aber der Wiederaufbau der Garnisonkirche nicht leiden dürfe.

Mit ähnlichen Argumenten lehnt auch Wieland Niekisch, Chef des CDU-Bezirksverbands Potsdam-West, den Fortbestand des Rechenzentrums ab – die fragwürdige Fristverlängerung würde wieder zum Hebel für eine „polemisch-ideologische Auseinandersetzung“ um einen DDR-Bau werden, die dann weitere fünf Jahre zur dauerhaften Infragestellung der Garnisonkirche führen könnte, warnte Niekisch, auch in Richtung CDU-Fraktion. Das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung am 8. November. 



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