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Themenschwerpunkt:

Wohnen in Potsdam

  • 16.10.2017
  • von Henri Kramer

Angespannter Wohnungsmarkt: Kaum Wohnungen für Flüchtlinge

von Henri Kramer

In Potsdam ist der Wohnungsmarkt wegen des starken Zuzugs in die Stadt angespannt: Nach Potsdam kommen aber nicht nur Flüchtlinge. Foto: Bernd Settnik/dpa

In Potsdam sinkt die Zahl neu ankommender Flüchtlinge. Einige Heime könnten bald schließen - aber entspannt ist die Wohnsituation deshalb nicht.

Potsdam - Die Zahl der nach Potsdam kommenden Flüchtlinge ist in diesem Jahr weiter zurückgegangen. Bisher zählte die Stadtverwaltung 361 Asylbewerber, inklusive 49 Neugeborener. „Damit ist das durch das Land für dieses Jahr vorgegebene Aufnahmesoll erfüllt“, sagte Stadtsprecher Stefan Schulz den PNN auf Anfrage. Im vergangenen Jahr waren noch 661 Flüchtlinge gezählt worden, 2015 sogar fast 1500. Bei den Herkunftsländern liegt Syrien mit 85 Personen vorn, gefolgt von der Russischen Föderation mit 68 Asylbewerbern und Pakistan mit 28 Asylbewerbern. 14 abgelehnte Asylbewerber seien in diesem Jahr bisher abgeschoben worden, hieß es weiter.

Gleichwohl kommt die Stadt trotz der sinkenden Zahlen bei der Vermittlung der Geflüchteten in Wohnungen – wie im Potsdamer Integrationskonzept gefordert – nur allmählich hinterher. In diesem Jahr hätten bislang 348 Asylbewerber eigenen Wohnraum erhalten, so Schulz. Das ist etwas weniger als 2016. Damals waren es 451. Insgesamt hätten seit 2015 fast 1000 Flüchtlinge einen eigenen Mietvertrag abschließen können. Das gilt in Potsdam wegen des angespannten Wohnungsmarkts als besonders schwierig, weshalb die Asylbewerber viele Monate oder gar Jahre in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Die Stadt hatte bereits Hausbesitzer dazu aufgerufen, Wohnungen für Flüchtlinge anzubieten – mit offenbar überschaubarem Erfolg. „Wir suchen aber weiterhin nach Potsdamern, die uns bei diesem Thema helfen können“, bestätigte Sozialdezernent Mike Schubert (SPD) am Sonntag auf PNN-Anfrage.

Die Stadt will die großen Einrichtungen als erstes schließen

Entsprechend sind die bestehenden Asylbewerberheime in den meisten Fällen noch recht voll, die freie Kapazität liegt im Schnitt bei rund 25 Prozent, wie die Verwaltung jetzt auf Anfrage der AfD-Fraktion erklärte. Dabei ist die Verteilung unterschiedlich: Während kleinere Heime wie An den Kopfweiden oder am Konsumhof freie Kapazitäten von unter zehn Prozent besitzen, sind abseits gelegene oder größere Einrichtungen wie in Groß Glienicke nur noch zur Hälfte belegt. Ziel sei es, die Zahl gerade der größeren Einrichtungen sukzessive zu verringern, erklärte Schubert.

Die Stadt unternimmt noch weitere Anstrengungen bei der Integration der Neuankömmlinge und bezahlt – anders als andere Kommunen – auch Sprachkurse. Auch hier wird der Bedarf wegen der sinkenden Flüchtlingszahlen geringer. So hätten im vergangenen Jahr noch 307 Flüchtlinge an solchen Kursen teilgenommen, dies kostete die Stadt rund 96 000 Euro. In diesem Jahr werden es rund 175 Teilnehmer sein, das kostet rund 60 000 Euro. Eine „Erfolgskontrolle“ erfolge nicht, sagte Stadtsprecher Schulz – die Sozialarbeiter in den Gemeinschaftsunterkünften achteten aber auf die Teilnahme.

Auf Reserve: Standorte Neu Fahrland und Babelsberger Sandscholle bislang noch nciht genutzt

Noch unklar ist, wie es mit den 2015 – auf dem Höhepunkt der damaligen Flüchtlingskrise – für fast 2,2 Millionen Euro angeschafften Leichtbauhallen weitergeht. Eine steht im Drewitzer Willy-A.-Kleinau-Weg und wird als Sammel- und Ausgabestelle für Spenden genutzt. Für zwei andere Standorte in Neu Fahrland an der Birnenplantage und an der Babelsberger Sandscholle gibt es dagegen keine Nutzung. „Sie werden bisher als verfügbare Reserve im Falle von unerwarteten und zahlenmäßig hohen Aufnahmeverpflichtungen vorgehalten“, so Schulz. Für eine andere Nutzung müsste erst ein Antrag im Bauamt gestellt werden. Dann würde man diese Reserve aber aufgeben. Gleichwohl prüfe man aktuell die Möglichkeiten eines Verkaufes oder einer Einlagerung: „Das ist aber noch nicht abgeschlossen.“

Zum Thema Wohnungsnot für Flüchtlinge und zur Arbeit der Ausländerbehörde tauscht sich der Migrantenbeirat am Donnerstag aus. Die Sitzung beginnt um 16 Uhr im Raum 338 im Haus 6 auf dem Verwaltungscampus Hegelallee. In Potsdam vertritt der neunköpfige Beirat seit 1992 die Belange der ausländischen Einwohner. Er wird von Bürgern mit ausländischem Pass gewählt. Das Gremium fördert die Integration ausländischer Bürger. Der Beirat initiierte auch die Vergabe des Integrationspreises in Potsdam.

+++ Lesen Sie weiter: Hintergrund

Integrationspreis für FH-Beratungsstelle

Die Beratungsstelle für Flüchtlinge mit Studienwunsch „Here!“ der Fachhochschule Potsdam hat den 13. Integrationspreis der Stadt Potsdam gewonnen. Die Ehrung fand am gestrigen Sonntag in der Reithalle des Hans Otto Theaters statt. Den zweiten Preis erhielt ein Projekt zur Vermittlung und Begleitung von Patenschaften zwischen Geflüchteten und Ehrenamtlern, das die Arbeiterwohlfahrt Potsdam gemeinsam mit der Flüchtlingshilfe Babelsberg und dem Verein Start with a Friend initiiert hat.

Der dritte Platz ging an den Universitäts Judo- & Kampfsportclub Potsdam mit dem Projekt „Wir kämpfen gemeinsam“. Das Preisgeld war in diesem Jahr von 1000 auf 2000 Euro erhöht worden. Den mit 500 Euro dotierten „Sonderpreis Nachbarschaft“ der kommunalen Bauholding Pro Potsdam errang die Potsdamer Bürgerstiftung mit dem Projekt „Buntes Essen – Begegnung in der Suppenküche“. Mit der Ehrung verfolgt die Stadt das Ziel, besondere Leistungen auf dem Gebiet der Integration zu würdigen. Insgesamt hatte es diesmal 24 Bewerbungen gegeben.

Die Preisträger wurden durch eine unabhängige Fachjury ermittelt, den Vorsitz hatte Stadtpräsidentin Birgit Müller (Linke), mit dabei waren unter anderem auch ExTurbine-Potsdam-Trainer Bernd Schröder, die Potsdamer Sprachwissenschaftlerin Ljuba Kirjuchina oder die Unternehmerin Aenne Lamprecht. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) betonte, viele Potsdamer würden bei der Integration von Menschen „viel Herz und Tatkraft“ zeigen.

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