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Themenschwerpunkt:

Verkehr

  • 16.10.2017
  • von Holger Catenhusen

Potsdamer Verkehrsforum: Ohne Stau und Dreck durch Potsdam

von Holger Catenhusen

Die Einengung der Zeppelinstraße gehört zu den umstrittensten Projekten der städtischen Verkehrspolitik. Allerdings hat der Modellversuch zu einer Senkung der Schadstoffwerte geführt. Foto: S. Gabsch

Rund 50 Besucher diskutierten am Samstag beim Potsdamer Verkehrsforum über Mobilität. Ausgefallen aber nicht ganz unbegründet: Die Idee von einer Seilbahn über Potsdam.

Eine Seilbahn für Potsdam – diese Idee war der vielleicht ausgefallenste Vorschlag, der auf dem ersten Potsdamer Verkehrsforum am Samstag unterbreitet wurde. So wenig realistisch die Idee von den Gondeln über Potsdams Dächern auch sein mag, so hat sie doch einen ernsten Hintergrund: Dauerstau und Luftverschmutzung sind allgegenwärtig in dieser Stadt. Hinzu kommt: Potsdam ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Nach wie vor steigt die Zahl der Einwohner – und damit nimmt der Verkehr zu. So räumte der Bereichsleiter Verkehrsentwicklung im Potsdamer Rathaus, Norman Niehoff, auf dem Verkehrsforum am Samstag im Humboldt-Gymnasium unumwunden ein: „Wir sind in unseren Prozessen einfach langsamer, als das Wachstum ist.“

Zu der von der Stadtverwaltung ins Leben gerufenen Veranstaltung – der ersten dieses Formats, der weitere folgen sollen – waren rund 50 Menschen gekommen. Sie konnten ihre Ideen für die Mobilität der Zukunft einbringen oder einfach nur interessiert zuhören. Mitarbeiter der Berliner Firma Urbanizers moderierten kleine Arbeitsgruppen, in denen über die Verkehrsprobleme Potsdams diskutiert wurde.

Dreck in der Potsdamer Luft: „Genau genommen hat er dann eine Raucherlunge und stirbt eher“

Auch diese Veranstaltung zeigte wieder: Einfache Lösungen gibt es nicht. Das Thema Verkehr sei „in sich höchst komplex“, sagte Oliver Glaser, Geschäftsführer des Potsdamer Verkehrsbetriebs (ViP). Einer der erschienenen Bürger fragte, ob angesichts der vorhandenen Probleme überhaupt verantwortet werden könne, immer weitere Baugebiete auszuweisen. Niehoff antwortete ihm, im Hinblick auf die Verkehrsbelastung sei es besser, die Zuzügler siedelten sich im Potsdamer Stadtgebiet an als irgendwo im Umland. Denn die von den Potsdamern verursachten Verkehrsströme könne man besser steuern als den Verkehr, der aus dem Umland in die Landeshauptstadt rolle.

In drastischer Weise wies eine Teilnehmerin der Veranstaltung auf die Luftverschmutzung in Potsdams Straßen hin. Für einen Radfahrer sei der Dreck in der Luft eine Zumutung. „Genau genommen hat er dann eine Raucherlunge und stirbt eher“, sagte die Frau. Sicher ist dies ein reichlich überzeichnetes Bild. Und doch: Erst kürzlich hat die Europäische Umweltagentur neue Zahlen vorgelegt. Demnach sterben in Europa jährlich rund 520 000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung – und daran hat der motorisierte Verkehr seinen Anteil.

Ist das Busfahren in Potsdam zu teuer?

Auch die Ticketpreise für den Nahverkehr waren auf der Veranstaltung ein Thema. So mancher Teilnehmer beklagte, die Fahrkarten kosteten zu viel. ViP-Chef Glaser sagte hingegen, die Tarife in Berlin und Brandenburg seien deutschlandweit mit am günstigsten. Michael Ortgiese, Professor im Fachgebiet Verkehrswesen an der Potsdamer Fachhochschule, gab zu bedenken, dass die Kosten für Automobile häufig unterschätzt und die Preise für den Nahverkehr entsprechend überschätzt würden.

Und welche konkreten Wünsche hatten die Teilnehmer am Samstag für den Verkehr in Potsdams Zukunft? Schnellbusstrecken und eine höhere Pünktlichkeit der Busse wurden ebenso gefordert wie ein dichterer Takt für die Buslinie 693 von Rehbrücke nach Hermannswerder und eine klügere Ampelschaltung am Bahnhof Medienstadt Babelsberg. Auf dem Wunschzettel der Bürger standen auch bessere Umsteigebeziehungen im Nahverkehr sowie mehr überdachte Fahrradstellplätze. Und die Seilbahn.

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