14.12.2017, 4°C
  • 07.10.2017

INTERVIEW: „Die meisten Bäume fallen, weil sie nicht ganz gesund sind“

Foto: Stadt Potsdam

Herr Rohrbacher, Sie sind Klimamanager der Stadt. Hatte sich Potsdam ausreichend auf den Sturm am Donnerstag vorbereitet?

Ich muss gestehen, ich war etwas überrascht von den Ausmaßen des Sturms. Laut Aussagen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sind zwar Starkregen und Hitze Faktoren, die zukünftig zunehmen werden, starke Stürme jedoch nicht. Xavier war also eigentlich eine Ausnahme. Dahingehend war die Stadt, beziehungsweise insbesondere die Feuerwehr, in ihren Strukturen sehr gut aufgestellt.

Nun sind mehrere Bäume umgestürzt, mutmaßlich auch, weil sie noch so dicht belaubt waren und dadurch mehr Angriffsfläche boten. Müssen Bäume bei ähnlichen Sturmwarnungen entlaubt werden?

Das hoffe ich natürlich nicht. Wichtiger wäre, gerade die Straßenbäume nicht zu hoch wachsen zu lassen. Dann bieten sie weniger Angriffsfläche und fallen im schlimmsten Fall auch nicht so weit. Gerade im privaten Gartenbereich ist es auch wichtig, Baumkrankheiten genau im Blick zu haben. Die meisten Bäume fallen, weil sie nicht ganz gesund sind. In der Hinsicht wollen wir als Stadt die Bürger noch mehr sensibilisieren.

Umstürzende Bäume und herabfallende Äste führten auch zu extremen Einschränkungen bei Bus und Bahn. Wie kann das verhindert werden?

Auch hier gilt: Den Baumbeschnitt so halten, dass etwa Oberleitungen nicht beschädigt werden. Die Stadt arbeitet daran, die Straßenbaumstruktur dahingehend umzustellen. Das wird aber auf Grund des Baumschutzes noch Jahre bis Jahrzehnte dauern. Das geht nicht von heute auf morgen.

Wenn Xavier nun doch keine Ausnahme bleibt, sollte die Stadt beim nächsten Starksturm alles stilllegen oder wie sieht das Konzept aus?

Auch das hoffe ich nicht. Die Stadt ist für solche Fälle gut gewappnet. Das hat sich auch daran gezeigt, dass sich die Schäden in Grenzen gehalten haben.

Das heißt, Sie können den Bürgern keine Hinweise geben, die sie beim nächsten Mal beachten können?

Wir empfehlen den Potsdamern sich die Notfall-Nachrichten-App des Bundes, kurz NINA, herunterzuladen und sich an deren Hinweise zu halten. Sie verweist darauf, zu Hause zu bleiben oder sich in festen Gebäuden aufzuhalten.

Die Fragen stellte Sarah Kugler

Christian Rohrbacher, 39 , beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Klimaschutz und -anpassung. Seit einem Jahr ist er Klimamanager in Potsdam.

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