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  • 07.10.2017
  • von Beatrix Altmann

Comic-Helden aus dem „Mosaik“ werden TV-Stars

von Beatrix Altmann

Legendär. Das erste „Mosaik“-Heft von 1955 mit den Digedags. Foto: dpa

Potsdamer Firma will Ritter-Runkel-Reihe der Digedags als Animationsserie produzieren

Die berühmten DDR-Comic-Helden aus dem „Mosaik“ von Hannes Hegen sollen bald ihre eigene Animationsserie bekommen. Realisiert wird das Ganze von der Potsdamer Produktionsfirma Mar Vista Media. Dann sollen sich Dig, Dag und Digedag wie in den legendären Heften voller Witz und Temperament durch Raum und Zeit bewegen und dabei die unglaublichsten Abenteuer bestehen. Das Medienboard Berlin-Brandenburg fördert die Entwicklung des Projekts mit 20 000 Euro.

Als Vorlage für die geplanten 25 Folgen der ersten „Digedags“-Staffel dient die „Ritter-Runkel-Serie“, die zwischen 1964 und 1969 in 62 Heften erschien. Darin brechen die Comic-Helden mit dem etwas ungeschickten, aber sympathischen Ritter Runkel zu einer abenteuerlichen Schatzsuche in den Orient auf, erläutert der Geschäftsführer der Mar Vista Media, David Wachsmuth. Ihm war das Projekt eine Herzensangelegenheit, denn der Brandenburger ist seit seinem achten Lebensjahr ein Fan der Digedags: „Ich bekam die Hefte damals von meinen Eltern geschenkt. Es waren an die 100 Stück und ich habe die Geschichten verschlungen“, sagt der 39-Jährige. Seit vielen Jahren trage er sich mit der Idee, die Comics zu verfilmen. Vor allem musste zunächst die komplexe rechtliche Situation geklärt werden. Wachsmuths Firma, deren Kerngeschäft in der Produktion von hochwertigen Werbe- und Imagefilmen liegt, hat ihren Sitz in auf dem Gelände der Medienstadt Babelsberg – beste Bedingungen also für eine TV-Serie, die nicht nur im Fernsehen ihren Platz finden könnte, sondern auch bei einem der zahlreichen Streaming-Dienste. Und vielleicht sogar im Kino.

An einer Wand in Wachsmuths Büro hängt eine gerahmte Zeichnung mit den Digedags im Zentrum – ein Geschenk eines befreundeten Regisseurs. „Natürlich passen wir die Figuren an, ohne dass sie dabei ihren alten Charme verlieren. Da wir die Serie hauptsächlich auf die Zielgruppe der Sechs- bis Neunjährigen zuschneiden, müssen wir das auch“, sagt Wachsmuth. Es werde eine spannende Herausforderung sein, die Figuren aus den 60er-Jahren in die heutige Zeit zu transportieren. „Erzählrhythmus, Darstellung und Humor haben sich im Laufe der Jahre ziemlich weiterentwickelt. Da freuen wir uns sehr drauf“, sagt der zweifache Vater. Aber auch die Liebhaber und Fans der frechen und intelligenten Kobolde sollen sich auf eine Wiederauflage freuen, was sie offensichtlich auch tun, wie verschiedene Foren im Internet zeigen. Schließlich erlangten die Hefte in der DDR Kultstatus, die Auflage von mehr als 600 000 Heften hielt der Nachfrage damals nie stand. Man geht davon aus, dass es damals 2,5 Millionen regelmäßige Leser gab. Bis heute tauschen Liebhaber einzelne Exemplare und vervollständigen so ihre Sammlung.

Der Entstehungsprozess ist in vollem Gange. Die ersten Charakter- und Setdesigns, aber natürlich auch Drehbücher und Storylines werden gerade entwickelt. Der Anmerkung, dass es sich bei den Geschichten um ein „Ost-Thema“ handeln könnte, begegnet der Medien-Profi, der sich auch für die Drehbücher verantwortlich zeigt, mit einem Lächeln: „Es sind zeitlose Geschichten, die nichts mit der DDR zu tun haben“, meint Wachsmuth vor allem mit Blick auf die Ritter-Runkel- und die Amerika-Serie. „Die Digedags sind ja ständig in anderen Ländern und Zeiten unterwegs und bestehen Abenteuer rund um den Globus, vor historisch korrekten Hintergründen. Das Ganze ist bis heute unerhört spannend und lehrreich. So etwas lieben Kids in der ganzen Welt“.

Doch bis die Digedags zum Leben erweckt werden, wird es noch einige Zeit dauern. „Animationen sind enorm komplex. Um ein ansprechendes Qualitätsniveau zu erreichen braucht man Zeit.“ Frühestens im Jahr 2020 werden die Digedags über die Bildschirme flimmern. Und, wenn es nach David Wachsmuth geht, in mehreren Fortsetzungen. Genug Material ist ja vorhanden. Beatrix Altmann

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