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  • 06.10.2017
  • von Jana Haase

Die Bewegende

von Jana Haase

Helga Exner ist Honorarkonsulin von Burkina Faso. Ihr geht es um soziale Projekte und Kulturaustausch

Sie war die erste Frau, die in Berlin Honorarkonsulin wurde: Seit 1989 ist Helga Exner offiziell in diesem Ehrenamt für die Beziehungen zwischen Burkina Faso und Deutschland engagiert. Sie hat Hilfs- und Kulturprojekte auf die Beine gestellt und Besucher aus Burkina Faso in Deutschland begleitet. Dass sie ihren Sitz heute in Potsdam hat, ist Resultat des Mauerfalls, erzählt sie: Weil in den 1990er-Jahren immer mehr Länder ihre Botschaften aus der alten Hauptstadt Bonn nach Berlin verlegten, mussten die bisher dort angesiedelten Honorarkonsulate umziehen. Denn, so erklärt es Helga Exner, die Konsulate dürfen nicht im gleichen Bundesland wie die Botschaften angesiedelt sein. Mit dem Auswärtigen Amt habe man damals eine Lösung für die Berliner Honorarkonsuln ausgehandelt – sie durften in Berlin wohnen bleiben, wenn sie Büros im Umland eröffneten. Noch 2004 gab es 13 Honorarkonsulate in Potsdam und Umgebung. Die Zahl hat mittlerweile abgenommen. Helga Exner ist eine der drei Verbliebenen.

Ihr Engagement für den westafrikanischen Staat reicht lange vor ihre Ernennung zur Honorarkonsulin zurück, erzählt die 73-Jährige: „Ich komme aus der Entwicklungshilfe.“ Zunächst engagierte sich die Gattin eines Chirurgen in der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für medizinische Zusammenarbeit, eine Nichtregierungsorganisation, die den Schwerpunkt auf Projekten in Ostafrika hatte. 1984 gründete sie den eigenen Verein „Berlin hilft“: Es ging um konkrete Unterstützung vor Ort, den Bau von Brunnen, Schulen oder Krankenstationen und Hilfe etwa beim Gemüseanbau. Darüber sei schließlich auch der Kontakt nach Burkina Faso zustande gekommen, beim ersten Projekt ging es um den Bau einer Krankenstation und Unterkünften für Ärzte. „Das Land hat uns besonders gut gefallen“, sagt Helga Exner. Obwohl es sich um eines der ärmsten Länder der Welt handele, seien die Menschen dort „unglaublich nett und tüchtig“. Burkina Faso – das bedeutet übersetzt „Land der Aufrechten“, erklärt sie. Hochwertige Baumwolle und Mangos sind die einzigen Exportprodukte von Bedeutung.

An den ersten Besuch in den 1980er-Jahren erinnert sich Helga Exner noch gut. Allein schon der Sternenhimmel: „Als ob der Himmel auf einen runterfällt.“ Damals war es noch ganz sicher, in das westafrikanische Land zu reisen, sagt sie: „Wir sind abends im Restaurant gewesen und um elf alleine herumgelaufen – das geht heute nicht mehr.“ Erst im August dieses Jahres gab es die letzte Schreckensnachricht aus der Hauptstadt Ouagadougou: Bei einem Anschlag von Islamisten auf ein Restaurant wurden 20 Menschen getötet. Anfang 2016 waren 30 Menschen bei einem ähnlichen Angriff gestorben. Dass der Islamische Staat die Anschläge für sich reklamiert, sieht sie als Versuch, die Religionen gegeneinander aufzubringen. Acht Mal hat Exner „ihr“ Land schon besucht. 2018 will sie wieder hinfahren.

Zu tun hat sie auch in Potsdam, Berlin und Brandenburg. Allerdings gar nicht so viel mit „klassischen“ Aufgaben anderer Honorarkonsule: Pässe, Visa und Beglaubigungen ausstellen. Weil Tourismus im Fall von Burkina Faso keine große Rolle spielt, ist auch Exner selten mit solchen Anfragen beschäftigt. Stattdessen geht es um soziale und kulturelle Projekte. Exner knüpft Kontakte, sammelt Spenden, organisiert Kulturveranstaltungen, begleitet Initiativen. So kümmert sie sich zum Beispiel um die von ihr mit ins Leben gerufene Patenschaft zwischen dem brandenburgischen Finowfurt und Burkina Faso, über die das Partnerdorf Dorossiamasso unterstützt wird. Projekte für insgesamt rund 363 000 Euro seien allein über diese Patenschaft in den vergangenen 20 Jahren finanziert worden, erzählt sie. Es entstanden unter anderem eine Entbindungs- und Gesundheitsstation, Wohnhäuser, eine Apotheke oder eine Schule. Auch Ausstellungen und Konzerte mit Künstlern aus Burkina Faso hat Exner organisiert – etwa im Pavillon auf der Potsdamer Freundschaftsinsel, in der Landesvertretung Brandenburgs in Berlin und in Finowfurt. Eine neue Ausstellung ist in Planung.

Geld bekommt Exner für das Amt nicht, selbst die Mietkosten für das Büro trägt sie privat: „Honorar steht für Ehre“, sagt sie. Dabei ist die 73-Jährige auch anderweitig engagiert: Etwa für das Haus der Kulturen der Welt in Berlin oder im Konsularcorps Deutschland – der Interessenvertretung der rund 230 Honorarkonsuln für 105 Länder steht sie seit 2014 als Präsidentin vor. Für ihr Engagement wurde sie mehrfach ausgezeichnet: Sie ist Trägerin der Bundesverdienstmedaille, des Ritterkreuzes national von Burkina Faso und des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Was ihr die Kraft für all das ehrenamtliche Wirken gibt? „Mir ist es relativ gut gegangen – davon will ich etwas zurückgeben“, sagt sie. Beim Rückblick auf das bisher Erreichte sieht sie sich bestätigt: „Man kann etwas bewegen.“

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