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  • 12.09.2017
  • von Erik Wenk

Privates Studentenwohnheim in Potsdam: Basecamp Golm: Hip, behütet, kostspielig

von Erik Wenk

Schicker wohnen. Am Freitag eröffnet das Basecamp-Wohnhaus in Golm im Kossätenweg (l.). Die Zimmer sind modern möbliert (r.o.), es gibt viele Gemeinschaftsbereiche (r.u.). Fotos/Grafiken: A. Klaer/Basecamp (2)

Das private Studentenwohnheim Basecamp in Golm mit 263 Appartements eröffnet am Freitag. Die hippen Zimmer stoßen auf Kritik beim AStA.

Potsdam - Wohnheim oder WG? Viele Studierende müssen sich vor Beginn ihres Studiums zwischen diesen beiden Optionen entscheiden und wählen, ob sie lieber mit vielen anderen Menschen in einem großen Haus oder mit einigen wenigen in einer kleinen Gemeinschaft zusammenleben wollen. Das Basecamp Golm will ein wenig von beidem sein: Ein kleiner Campus aus 263 Apartments mit vielen Gemeinschaftsräumen, vom Waschsalon bis zum Kino. „Viele Studierende kommen das erste Mal aus dem Elternhaus raus“, sagt Daniel Doherr. „Sie sollen sich hier nicht alleine fühlen.“

Ab dem 15. September bezugsfertig

Doherr ist Projektleiter des Basecamps, das im Kossätenweg nahe des Bahnhofs Golm entstanden ist: Sechs zweistöckige, mit Holz verkleidete Gebäude, die ab dem 15. September bezugsfertig sein sollen. Eines davon, Haus 3, ist das Gemeinschaftshaus: „Hier ist die Rezeption, hier die Bar, da werden Sitzgelegenheiten sein“, sagt Doherr bei der Führung durch das Erdgeschoss. „Hier hinten wird es ruhige Boxen zum Lernen und für Gruppenarbeit geben.“ Gleich daneben sind eine Lounge, ein Waschsalon, ein Mini-Kino und ein 24 Stunden offenes Fitnessstudio – alle Angebote sind in der Monatsmiete inbegriffen. W-Lan gibt es natürlich auch.

Alles ist darauf ausgelegt, den künftigen Studierenden aus aller Welt den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen: „Dein Ziel ist Dein Abschluss. Unser Ziel ist es, Dein Leben etwas leichter und viel interessanter zu machen“, heißt es auf der Webseite des Basecamps. Neben einigen „Kitchenettes“ (also Mini-Küchen) innerhalb der Appartements gibt es elf Gemeinschaftsküchen sowie Grillplätze für jedes Haus. Wer kein eigenes Fahrrad hat, kann für zehn Euro im Monat eines der 60 Leihräder nutzen. Auch Tischtennisplatten und Kicker stehen bereit, im kommenden Jahr wird zudem auch ein Volleyballplatz entstehen.

Wer als Ansprechpartner arbeitet, hat die Miete fast wieder raus

Zwei Manager werden sich um die Verwaltung des Basecamps kümmern, daneben soll es auch noch mehrere „Resident Assistants“ geben – dabei handelt es sich um Studierende, die sich auf 450-Euro-Basis um die sozialen und organisatorischen Belange der Bewohner kümmern und als Ansprechpartner für Probleme fungieren. „Als Resident Assistant hat man dann schon fast wieder die Miete raus“, sagt Doherr.

Das Basecamp ist ein komplett durchdesignter Campus mit modernen Räumen und hippen Designermöbeln in jedem Appartement. Eine überaus wohnliche „Studentenbude“ – wenn man sie sich leisten kann: Monatlich 510 Euro kostet das kleinste Zimmer, das 23 Quadratmeter groß ist und weder über Küche noch Kühlschrank verfügt; Kosten für Wasser, Strom, Heizung und Internet sind allerdings inbegriffen. Das größte Zimmer ist für Paare ausgelegt, 27 Quadratmeter groß und kostet 620 Euro. Mietverträge können ab einem halben Jahr Wohndauer geschlossen werden, bevorzugt werden Verträge ab einem Jahr.

AStA kritisiert die Preispolitik

Mit dieser Preispolitik hat das Basecamp-Studentenheim bereits Kritik auf sich gezogen: „Ein Schlag ins Gesicht für bezahlbaren Wohnraum in Potsdam“, bilanzierte der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA) der Universität Potsdam Ende Juli in einer Pressemitteilung und kritisierte, dass die Basecamp-Betreiber die „Tatenlosigkeit von Stadt und Land in Bezug auf studentischen Wohnraum“ ausnutzen würden. „Ein Wohnheimzimmer am Campus Neues Palais, bereitgestellt vom Studentenwerk Potsdam, kostet pro Monat lediglich 200 Euro inklusive eigenem Bad und aller Nebenkosten“, rechnet Lukas Zechner, AStA-Referent für Hochschulpolitik, vor. Zudem wies der AStA darauf hin, dass Dinge wie Leihräder, Fitnessangebote oder Lernräume von der Universität wesentlich günstiger bis kostenlos angeboten werden.

Daniel Doherr kennt diese Kritik: „Wir wissen, dass wir teurer sind als das Studentenwerk, aber wir wissen auch warum. Und wir wissen, dass es Studierende gibt, die unseren Service und die Angebote im Basecamp schätzen.“ An Kundschaft mangelt es jedenfalls nicht: Das erste Basecamp wurde im Herbst 2016 in Kopenhagen eröffnet, die 463 Zimmer sind restlos ausgebucht. Und das Mutterunternehmen, die Basecamp Group Ltd mit Sitz in England, plant zu expandieren: Im polnischen Lódz wird zum gleichen Zeitpunkt wie in Potsdam ein Basecamp mit 487 Zimmern eröffnet, in den nächsten drei Jahren sollen insgesamt 14 Basecamps in Deutschland, Polen und Dänemark entstehen. „Das sind alles große Studentenmärkte“, sagt Doherr.

Nicht nur das Basecamp bietet kostspieligere Appartments an

Auch in Golm wird es genug Mieter geben, immerhin wächst Brandenburgs größter Wissenschaftsstandort: In den kommenden Jahren sollen drei Hektar Gewerbeflächen in Golm bebaut werden, unter anderem mit Büros, Laboren, Wohnräumen und einem Gründerzentrum. Zudem soll der Bahnhof Golm neu gestaltet werden. „Wir sehen uns als Multiplikator, um den Standort zu beleben“, sagt Doherr.

Das Basecamp ist nicht der einzige Anbieter kostspieliger Studierenden-Appartements in Potsdam: Das Unternehmen Youniq bietet im Bornstedter Feld 380 Wohnungen zwischen 399 bis 699 Euro an, das Appartement-Haus „How8“ im Horstweg verlangt sogar 435 bis 814 Euro.

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