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  • 12.08.2017
  • von Sandra Calvez

Potsdam: Protest von AfD und Gegnern vor Moschee

von Sandra Calvez

In einem Hinterhof zwischen Wohnblöcken Am Kanal gelegen befindet sich das ehemalige Heizhaus, das der Verein der Muslime künftig mieten und als Gebetsraum nutzen darf. Foto: R. Jurkschat

Trotz der neuen Raum-Lösung für die muslimische Gemeinde in Potsdam kehrt keine Ruhe in die Debatte um den Gebetsraum ein. Die AfD plant jetzt eine Aktion vor Moschee.

Potsdam - Obwohl die Erweiterung der Potsdamer Al Faroukh Moschee in der Straße Am Kanal um ein ehemaliges Heizhaus im Hof auch auf Proteste der AfD – gegen Gebete auf dem Gehweg wegen Platznot – zurückgeht, will die Partei weiter dagegen vorgehen. Am Freitag plant sie von 11 bis 13 Uhr einen Infostand an der Moschee, um „das Gespräch mit den Bürgern und Anwohnern zu suchen“. Linke haben auf Facebook bereits zu Protesten gegen den Infostand aufgerufen. Den AfD-Anhängern solle friedlich gezeigt werden, heißt es in einem Post auf dem sozialen Netzwerk, „was wir von Ihrer Hetze gegen muslimische Mitbürger halten“.

Die bisherige Moschee, in deren Hof sich die neuen Räumlichkeiten befinden, war zu klein geworden für das Freitagsgebet, zu dem wöchentlich rund 200 Muslime kommen. Deshalb hatte im vergangenen Jahr ein Teil von ihnen auf der Straße vor dem Gebäude in der Innenstadt gebetet. Die AfD hatte mehrmals protestiert. Seit Herbst 2016 können die Muslime auf Vermittlung der Stadtverwaltung übergangsweise in der Orangerie der Biosphäre beten. In der vergangenen Woche hatte dann der Ordnungsbeigeordnete Mike Schubert (SPD) die neue Lösung in der Straße Am Kanal präsentiert, wo der Verein ab Herbst seine Gebete abhalten können soll.

AfD spricht von „Islam-zuerst-Politik“ - und unterschägt entscheidenden Faktor in der Kostenrechnung

Steffen Kotré, Bundestagskandidat und Mitglied im AfD-Landesvorstand, kritisierte am Freitag, „die Stadt Potsdam interpretiert die Religionsfreiheit bewusst falsch“. Weiter heißt es in der AfD-Mitteilung, die „Islam-zuerst-Politik“ der Stadt habe die Bürger bisher 70 000 Euro gekostet. Die Stadt bevorzuge den Islam, weil sie dem Verein „subventionierte Räumlichkeiten für eine Moschee zur Verfügung“ stelle. Dabei lässt die AfD außer Acht, dass die Anmietung der Biosphäre auch mit 30 000 Euro aus Landesmitteln finanziert wurde. Für Miete und Reinigung der Orangerie zahlt die Stadt wöchentlich 1500 Euro, aber mit der neuen Moschee fallen diese Kosten weg. Denn die rund 1000 Euro Miete monatlich plus Nebenkosten für das nicht mehr genutzte Heizhaus zahlt die muslimische Gemeinde selbst. Zuvor hatte René Springer, AfD-Direktkandidat in Potsdam, bereits vom Rathaus eine Anwohnerbefragung zur Moschee gefordert. Dabei gilt nach dem Grundgesetz in der Bundesrepublik Religionsfreiheit, was die Orte zur Religionsausübung einschließt.

Die Verkündung der Raumlösung hatte eine Reihe von Reaktionen ausgelöst. Neben der AfD hatte auch die CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig Kritik geäußert, insbesondere an der Trennung zwischen Männern und Frauen im Gebet. Der Potsdamer Grünen-Vorstand dagegen hatten den Standort verteidigt und Ludwig entgegnet, das Verbot von Frauen im katholischen Priesteramt entspreche auch nicht ihrem Gesellschaftsverständnis. 

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