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  • 12.08.2017
  • von Anne-Kathrin Fischer

Najade ist zurück in Sanssouci

von Anne-Kathrin Fischer

Zurückgekehrt. Die Najade erwarb Friedrich Wilhelm IV. 1854 von Emil Wolff. Nach mehr als 30 Jahren wurde in Sanssouci eine Replik des Bildhauers Andreas Klein aufgestellt. Richard Wolfgang Weber (links) kam extra mit einer alten Fotografie der Najade vorbei. Fotos: Fischer, Settnik/dpa

Nach mehr als 30 Jahren wird eine Replik der Skulptur im Sizilanischen Garten aufgestellt

Sanssouci - Es ist eine Rückkehr, auf die Richard Wolfgang Weber lange warten musste: Am Freitagmorgen wurde die Najade-Skulptur im Sizilianischen Garten von Park Sanssouci eingeweiht. In einer Brunnennische der mit Marmorplatten verkleideten Mauer steht nach 32 Jahren wieder die anmutig zu Boden schauende, knapp bekleidete Najade und wartet auf ihre hingerissenen Besucher.

Weber hatte zur Einweihung ein kleines, gezacktes Schwarz-Weiß-Foto dabei. Es ist eine Aufnahme der Skulptur im Jahre 1956. „Die Najade war immer meine Lieblingsfigur“, erzählt der Michendorfer, der von 1961 bis 1995 in Potsdam wohnte. „Mit meinen Freundinnen bin ich immer an ihr vorbeispaziert, dann habe ich gesagt: Erst wenn du so aussiehst, werden wir einmal heiraten“, scherzt er.

Najaden sind in der griechischen Mythologie Nymphen, die über Quellen, Bäche, Flüsse, Sümpfe, Teiche und Seen wachen. 1854 erwarb König Friedrich Wilhelm IV. die weiße Frauenskulptur vom Bildhauer Emil Wolff. Die Futtermauer im Sizilianischen Garten, in deren Brunnennische die Najade nun wieder steht, wurde im 18. Jahrhundert als Befestigungs- und Treibmauer für Obst am Hang des westlich der Neuen Kammern gelegenen Gartens errichtet. Nach Plänen von Peter Joseph Lenné erhielt die Mauer 1862 nach dem Entwurf von Friedrich August Stüler eine reich mit Bildwerken geschmückte neue Gestaltung. Die Mauer war ursprünglich als Unterbau für ein von Friedrich Wilhelm IV. geplantes Logierhaus geplant, das aber nie gebaut wurde.

Im Jahr 1985 musste die stark beschädigte Skulptur eingelagert werden. Saskia Hüneke, Kustodin der Skulpturensammlung bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), erklärt: „Die Skulptur war substanziell so stark angegriffen, dass wir eine neue Statue herstellen mussten.“ Die Marmorkopie, die jetzt im Park zu sehen ist, stammt vom 1969 geborenen Bildhauer Andreas Klein aus Nattwerder. Er habe bereits andere Skulpturen – etwa am Französischen Rondell der großen Fontäne – für die Schlösserstiftung angefertigt, die von so guter Qualität gewesen seien, dass man bei ihm auch die Najade in Auftrag gegeben habe, sagt Hüneke.

Besucher Weber hatte noch ein zweites Foto dabei. Es zeigt links die originale Skulptur, die nun im Depot der Stiftung aufbewahrt wird, und daneben die Kopie von Bildhauer Klein. Beide Skulpturen hatte der Senior nach einer Kontaktaufnahme mit Hüneke im vergangenen Jahr besuchen dürfen. Nachdem er zu seiner Enttäuschung festgestellt hatte, dass die Figur nicht mehr in der Grotte stand, hatte er jahrelang auf ein Wiedersehen gehofft und dann mit Nachforschungen begonnen. Besonders gefreut hatte den 84-Jährigen, dass Saskia Hüneke bei seinem Besuch im Depot persönlich dabei war und ihm die Entstehungsgeschichten der zwei Najade-Statuten ausführlich erzählte.

Im Depot der Stiftung wartete die Nachbildung der Najade seit der Jahrtausendwende auf ihren Einsatz. Denn sofort nach ihrer Fertigstellung konnte die Marmorskulptur nicht an ihren angestammten Platz zurückkehren. Wie Wolfgang Kiefer, Fachingenieur für Naturstein bei der SPSG, bei der Einweihung erklärte, mussten dafür zunächst zahlreiche Reparaturen vorgenommen werden. Dazu zählte etwa die Restaurierung des Unterbaus des Statuenplatzes. Klempner mussten außerdem die Voraussetzungen für die ursprüngliche Wasserführung schaffen: Vor der Najade gibt es einen runden Brunnen mit einer kleinen Fontäne, auf der Balustrade über ihr reiten zwei weitere Najaden auf marmornen Seelöwen, die Wasser in eine Schale speien. Mit der Aufstellung der Najade-Replik finden die Restaurierungsarbeiten, die zum Teil durch die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci finanziert werden, in diesem Teil des Sizilianischen Garten ihren Abschluss. Vor allem musste die Mittelachse der mit Marmorplatten verkleideten Mauer, die durch eine Brunnennische im unteren und einen Schalenbrunnen im oberen Bereich sowie ihren Skulpturenschmuck betont wird, wiederhergestellt werden.

Auf der Mauerkrone über der neuen Najade stehen schon seit 2011 die restaurierten Seelöwen mit ihren Reiterinnen. Auch seitlich von der Najade wurden bereits Marmorkopien antiker Redner und eines Feldherrn aufgestellt. „Mit kleinen Schritten setzen wir die Erhaltungsmaßnahmen um“, sagte Hüneke. Das Mauerwerk um die Brunnennische herum weist noch Risse auf, an einigen Stellen fehlen kleine Steinteile. Die Sanierungsarbeiten werden hier in den kommenden Jahren fortgesetzt.

Weber sind die kleinen Schönheitsfehler an der Mauer rund um die Skulptur egal. Er wird Sanssouci jetzt ganz bestimmt wieder öfter besuchen und an der Najade vorbeipromenieren. Nach einem Ebenbild seiner liebsten Skulptur muss der Senior aber schon lange nicht mehr Ausschau halten: Weber ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und ist mittlerweile Urgroßvater.

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