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  • 11.08.2017
  • von Jana Haase

Potsdams Gärten: Gärtner vor der Schössernacht: „Wie die fünfte Jahreszeit“

von Jana Haase

Pflegemarathon vor dem Besucheransturm. Sven Hannemann, einer der drei Chefgärtner in Sanssouci, ist wie seine 55 Kollegen vor der Schlössernacht maximal gefordert. Der Park wird für den Termin in Bestform gebracht.Foto: Andreas Klaer

Für die Sanssouci-Gärtner ist die Schlössernacht der Jahreshöhepunkt. Die Vorbereitungen auf dieses Ereignis sind umfangreich - und alles andere als einfach.

Potsdam - Für die 55 Gärtner von Sanssouci ist es der Höhepunkt der Saison, der Tag, auf den seit Monaten hingearbeitet wird: Die Schlössernacht am 19. August. Dann soll sich der Park von seiner besten Seite zeigen – für die Gärtner ist das Ansporn und Herausforderung zugleich. „Für uns ist es ein bisschen wie die fünfte Jahreszeit“, sagt Sven Hannemann, einer der drei für Sanssouci verantwortlichen Gartenrevierleiter. Die Schlössernacht sei für den Garten wegen der vielen Besucher zwar eine zusätzliche Belastung, „aber vor allem eine Möglichkeit, das tolle Ensemble von Garten und Schlössern zu präsentieren“.

An dem Termin orientiere sich der komplette Pflegeplan für den mehr als 300 Hektar großen Park, erklärt Gartenrevierleiter Hannemann. Das fängt bei der Baumschau an: Rund 26 000 Bäume stehen im Park Sanssouci – bei allen muss sichergestellt sein, dass sie keine morschen Äste haben, die Spaziergängern gefährlich werden könnten. Auch die Hecken sollen bis zur Schlössernacht in Form sein. Rund 30 Kilometer Hecke haben die Sanssouci-Gärtner dafür jedes Jahr zu schneiden, sagt Hannemann: „Unser Anspruch ist, das bis zur Schlössernacht zu schaffen.“

Starkregen hat das Unkraut wuchern lassen

Dabei gibt es in diesem Jahr mehrere Komplikationen. Ein Grund sind die häufigen Starkregen der vergangenen Wochen, die zu „enormem Unkrautwachstum“ führen, wie Sven Hannemann erklärt. Die Folge: Die Beetpflege wird aufwendiger als in regenarmen Jahren. Manche Pflanzen wiederum reagieren empfindlich auf zu tiefe Temperaturen und zu viel Nässe – Pelargonien zum Beispiel. Aber der Regen führt auch zu weiteren Problemen: „Wir kriegen die gepressten Heuballen nicht von den Wiesen“, sagt Hannemann. Solange das Wasser auf der Wiese steht, würden die dafür nötigen Fahrzeuge zu große Schäden im Boden anrichten. Also bleibt nur das Warten auf trockenere Zeiten.

Das Unkraut zeigt sich auch zunehmend auf den Wegen, erzählt der 47-jährige Landschaftsarchitekt. Bei der Schlösserstiftung habe man sich im vergangenen Jahr dafür entschieden, das umstrittene Glyphosat nicht mehr als Unkrautvernichtungsmittel zur Wegepflege zu verwenden – das Mittel ist in Verdacht geraten, krebserregend zu wirken. Bei der Suche nach Alternativen sind die Schlössergärtner noch in der Testphase: Teils wird das Unkraut von Hand entfernt, teils mit mechanischen Hilfsmitteln wie zum Beispiel speziellen Wegeschleppen. Auch das Abflammen habe man ausprobiert, denkbar sei zudem die Verwendung von Heißwasser, sagt Hannemann: „Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile.“ Bei einem Wegenetz von insgesamt 60 Kilometern haben die Sanssouci-Gärtner jedenfalls alle Hände voll zu tun.

Bäume werden vor Schädlingen geschützt - und vor Altersschwäche

Auch das Totholz, also abgestorbene Äste und Teile von Gehölzen und Bäumen, macht den Schlossgärtnern in diesem Jahr besonders zu schaffen. Das sind einerseits die Auswirkungen der regenreichen und warmen Sommer der vergangenen Jahre, die sich nun mit Zeitverzögerung im Baumbestand zeigen – andererseits aber auch einfach eine Altersfrage: „Mit fortschreitendem Alter der Parkanlagen sterben mehr Bäume ab.“ Nicht jede tote Baumpartie wird auch entfernt, betont Hannemann: „Wir arbeiten mit Seilverspannungen, um die Bäume am Leben zu halten und die Standsicherheit zu gewährleisten.“

Sorgen gibt es auch wegen eines neuen Schädlings: Der Buchsbaumzünsler, der in den vergangenen Jahren aus Ostasien nach Mitteleuropa eingewandert ist, ist in diesem Jahr zum ersten Mal in den Schlösserparks beobachtet worden (PNN berichteten). Die Raupen dieses Kleinschmetterlings fressen die Buchsbäume kahl, Gartenrevierleiter Hannemann fürchtet um die bis zu 150 Jahre alten historischen Buchsbaumbestände von Sanssouci. In diesen Tagen nehmen die Gärtner Gifteinsätze gegen die Insekten vor, die entsprechenden Parkbereiche sind dann jeweils für zwei Tage gesperrt.

Volles Programm für Gärtner vor der Schlössernacht

Volles Programm also für die Gärtner vor der Schlössernacht. Hannemann möchte die Großveranstaltung trotzdem nicht missen: So lange schon wie er Revierleiter ist, 15 Jahre, gibt es die Schlössernacht. Auf den neuen Veranstalter, der nun am 19. August seine Premiere hat, ist er gespannt – auch wenn wegen des neuen Organisationsteams am Anfang natürlich auch wieder mehr Absprachen nötig sind. Auf welchen Wegen was passieren darf, welche Fahrzeuge wo entlangfahren dürfen und wie die vielen kleinen Bühnen aufgestellt werden, dafür gibt es genaue Pläne.

Auch Daniel Goral, der als Kastellan unter anderem für das Orangerieschloss und die Neuen Kammern von Sanssouci verantwortlich ist, ist auf die neuen Veranstalter gespannt. Auch aus seiner Sicht ist die Schlössernacht ein Höhepunkt – allein schon wegen der Zahl der Besucher. Mehr als 4000 Besucher allein in den Neuen Kammern seien in den vergangenen Jahren bei der Schlössernacht nicht ungewöhnlich gewesen, sagt der Kastellan: „Sonst haben wir da am Tag nur 400.“ Rund 70 Aufsichtsmitarbeiter, 15 Mitarbeiter im Besucherservice und 35 Reinigungskräfte sind in der Nacht unterwegs, damit alles klappt. In diesem Jahr können die Schlössernachtgäste erstmals die Pflanzhallen der Orangerie besuchen, geöffnet sind für die Gäste unter anderem auch die Bildergalerie, das Chinesische Haus, die Römischen Bäder und Schloss Sanssouci, zudem gibt es thematische Führungen.

Aufwendig ist nicht nur die Vorbereitung, sondern auch der Abbau nach der Schlössernacht – dabei muss es schneller gehen als beim Aufbau, weil der Park am Sonntag möglichst wieder im „Normalzustand“ sein soll, wie Gartenrevierleiter Hannemann sagt. Zum Abschluss gibt es eine gemeinsame Begehung – um eventuelle Schäden zu dokumentieren. „Letztlich ist es wie bei jeder Feier: Je mehr Leute man eingeladen hat, umso größer ist die Gefahr, dass mal ein Glas runterfällt“, sagt Hannemann: „Wir hoffen natürlich, dass alles glatt läuft – und die Besucher eine schöne Schlössernacht erleben.“

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