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  • 06.07.2017
  • von Marco Zschieck

Stadtentwicklung in Potsdam: Stadtmitte: Auslese am Alten Markt

von Marco Zschieck

Neue Mitte. Nach dem Leitbautenkonzept soll in der Potsdamer Mitte der Stadtgrundriss aus der Vorkriegszeit wiederhergestellt werden. Dafür soll das Fachhochschulgebäude weichen. Die Grundstücke sollen verkauft werden. Visualisierung: Sanierungsträger Potsdam

Es wird konkreter, wer in Potsdams Mitte bauen darf. 25 von 82 Bewerbern sollen nun einen Architekturentwurf erstellen. Genossenschaften und Selbstnutzer sind noch im Rennen.

Potsdam/Innenstadt - Der nächste Schritt zur Umgestaltung der Potsdamer Mitte ist getan: Für die neun sogenannten Lose im Karree des jetzigen Fachhochschulgebäudes am Alten Markt hat die Auswahlkommission des Sanierungsträgers 25 Bewerber für die zweite Runde ausgewählt. Sie sollen nun Architekturentwürfe und konkrete Nutzungen erarbeiten. Für jedes Los – zu jedem gehören ein oder zwei Parzellen in dem Karree direkt am Alten Markt – sind noch drei bis fünf Bewerber im Rennen. Das teilte der Sanierungsträger am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit.

Neben erfahrenen Projektentwicklern und Bauträgern haben es auch Selbstnutzer und Genossenschaften in die zweite Stufe des Vergabeverfahrens geschafft. Für jedes Grundstück ist noch eine Genossenschaft im Rennen. Für alle fünf Lose, die kein Eckgebäude beinhalten, sind mehrere Bewerber in der zweiten Runde, die Selbstnutzer oder Baugemeinschaften sind.

Einzelhandelsangebote, Gastronomie, Galerien und Ateliers

Auch bei den Nutzungskonzepten liege ein breites Spektrum an Ideen auf dem Tisch, sagte der Chef des Sanierungsträgers Bert Nicke. „Wir glauben fest daran, dass wir unser Ziel, ein urbanes, vielfältig genutztes Stadtquartier mit einem Wohnungsangebot für den Querschnitt der Potsdamer Bevölkerung zu schaffen, mit diesem Verfahren erreichen.“ Zu den Ideen der Bewerber zählten unter anderem verschiedene Einzelhandelsangebote, Gastronomie, Galerien und Ateliers. Ein Bewerber plant ein Hotel, das speziell auf die Bedürfnisse von Fahrradtouristen zugeschnitten ist – und schaffte es als Nachrücker in die zweite Runde.

Wie berichtet hat die kommunale Bauholding Pro Potsdam vergangene Woche eine Auswahlkommission vorgestellt. Deren Aufgabe ist es, aus den 220 abgegebenen Interessenbekundungen von 82 Bewerbern für die Grundstücke neun Bauherren auszuwählen. Leiter der 14-köpfigen Kommission ist der renommierte Architekt und Stadtplaner Uli Hellweg, der bereits mehrmals den Deutschen Städtebaupreis gewonnen hat. Am vergangenen Freitag und am Dienstag beriet das Gremium aus Vertretern der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, Fachgutachtern, Mitgliedern des Gestaltungsrates, der Stadtverwaltung sowie des Sanierungsträgers.

Kleine Grundstücke in künftiger Schwertfegerstraße am begehrtesten

Anders als an der Alten Fahrt werden die Grundstücke zum Festpreis vergeben, sodass ein Bieterwettstreit ausgeschlossen ist. Geprüft wurden die wirtschaftliche Stärke der Bewerber, deren Referenzen und das vorgelegte Nutzungskonzept – aber nicht die architektonischen Entwürfe. „Es sind qualitativ hochwertige Bewerbungen eingereicht worden“, sagte Nicke. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen.

Am begehrtesten waren bei den Bewerbern die vergleichsweise kleinen Grundstücke in der künftigen Schwertfegerstraße, eine Querstraße zur Friedrich-Ebert-Straße durchs neue Quartier. Sie sind für Preise zwischen 165.000 Euro und 285.000 Euro zu haben. Für sie wurden jeweils 20 oder mehr Bewerbungen abgegeben – überwiegend von Selbstnutzern und Baugruppen aus Potsdam und der Umgebung aber auch von Privatpersonen, die vermieten wollen. Beispielsweise gebe es einen Bieter, der ganz bewusst große Wohnungen für Familien errichten will, hieß es.

Entscheidung fällt im März 2018

Mit acht Bewerbern sind die Projektentwickler die zweitgrößte Gruppe der für die zweite Runde berücksichtigten Interessenten. Sie konkurrieren hauptsächlich um die Lose mit den Eckgrundstücken des Karrees. Das habe man auch erwartet, so Nicke. Schließlich rechne man für die bis zu 1270 Quadratmeter großen Parzellen mit einem Investitionsbedarf von jeweils zehn Millionen Euro oder mehr. Interesse hatten überregionale wie regionale Bauträger bekundet, darunter ist nach PNN-Informationen auch die Sanus AG, die an der Sanierung des Kreml auf dem Brauhausberg beteiligt ist. Auch eine Bietergemeinschaft des Berliner Unternehmers Abris Lelbach hat sich nach PNN-Informationen beworben.

Die wenigsten Bewerbungen gab es für das 1023 Quadratmeter große Los mit dem sogenannten Acht- Ecken-Haus an der Friedrich-Ebert- Straße für 910.000 Euro. Für dessen Fassade gibt es gemäß Leitbautenkonzept Gestaltungsvorgaben. Außerdem ist vorgeschrieben, dass 50 Prozent der Wohnfläche Sozialwohnungen sein sollen. Dafür konnten sich nur acht Bewerber begeistern. Für den Plögerschen Gasthof an der Ecke Schloßstraße/Friedrich-Ebert-Straße, dessen Fassade als Leitfassade originalgetreu wieder errichten werden soll, bewarben sich 14 Interessenten.

Wahrscheinlich ab November sollen die architektonischen Entwürfe aus der zweiten Runde in der roten Infobox auf dem Alten Markt öffentlich ausgestellt werden. Dann sollen auch die Potsdamer ihre Meinung dazu kundtun können. In welcher Form stehe noch nicht fest, hieß es. Im März 2018 soll die Auswahlkommission schließlich entscheiden, wer in Potsdams Mitte bauen soll. Anschließend stimmen Stadtverordneten darüber ab. Dann könnte das Bauen beginnen.

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Architekt und Stadtplaner Uli Hellweg sagt im Interview mit PNN: "Die Fachwelt schaut auf die Potsdamer Mitte."

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