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  • 21.06.2017
  • von Steffi Pyanoe

Agentur UVA in Babelsberg: Marken, Menschen, Mäuse

von Steffi Pyanoe

Chefinnenzimmer. UVA-Geschäftsführerin Andrea Vock in ihrem Büro in der Babelsberger Rühmann-Villa. Hier ist viel Platz für Besucher, für neue Ideen, schöne Gedanken und Kunst. Die Fische an der Wand hat sie selbst gemalt. Fotos (3): Andreas Klaer

Vor 25 Jahren wurde die Agentur UVA gegründet. Chefin Andrea Vock erklärt, was gute Werbung ausmacht.

Potsdam - Der Job in einer Werbeagentur kann manchmal sehr anstrengend sein. Andrea Vock, Chefin der UVA Kommunikation und Medien GmbH, räumt eine Flasche Kirschbier aus der Brauerei Neuzelle vom Schreibtisch, bevor sie den Gast empfängt. „Unser Kunde“, sagt sie lachend, „ich muss doch wissen, wie das so schmeckt.“ Wer weiß, vielleicht ist das Teil ihres Erfolgsrezept, dass Andrea Vock eben nicht in einem Elfenbeinturm sitzt, sondern mitten drin in der Firma mit insgesamt 17 Mitarbeitern. Dass sie selbst dicht dran an den Themen ist. Dass sie Chefin ist – aber die Lust am kreativen Teil des Geschäfts nie verloren hat.

Ihr Büro ist eine Denkfabrik, Sitzmöbel und Stehpult, Kunst und Kram, Akten und Ausblick durch bodentiefe Fenster in die Natur – und eben auch mal eine Flasche Test-Bier. Was muss, das muss, sagt sie, einmal auch mit dem Chef vom Landesfremdenverkehrsverband Spreewaldbitter trinken, vormittags um elf. Andrea Vock macht so was mit, sie sagt, man muss alle Leute ernst nehmen. Ihrer Agentur hat auch diese Einstellung zum Erfolg verholfen. Am heutigen Mittwoch wird das 25-jährige Bestehen mit einem Empfang für Kunden, Kollegen, Partner und Wegbegleiter gefeiert – in der sogenannten Rühmann-Villa in Babelsberg.

2000 zog sie hierher, auf Tuchfühlung mit dem Hasso-Plattner-Institut, den Studios und der Filmuni, im Digital Hub Potsdams, wie sie sagt. Angefangen hatte alles in ihrem Esszimmer, nachdem sie 1992 mit ihrem damaligen Mann Uwe Vock von Frankfurt am Main nach Potsdam gezogen war. Beide hatten sich in einer großen Frankfurter Agentur kennengelernt. Als Uwe Vock in Berlin einen Lehrauftrag bekam, gründeten sie bei der Gelegenheit eine Firma in Potsdam. 2006 trennte man sich, Andrea Vock wurde alleinige Gesellschafterin, der Name aus beider Initialen, UVA, blieb.

Andrea Vock fand den Osten aufregend, auch wenn es zunächst einige Überraschungen gab. „Die Leute klingelten ohne Termin an unserer Tür und fragten, ob wir ihnen mal schnell ein Schild für ihre Firma malen könnten“, sagt sie. „Die dachten, wir haben hier eine Werkstatt und basteln selber.“ Es gab 1992 auch noch kein flächendeckendes Telefonnetz, wenn sie ein Fax verschicken wollte, ging sie in den Garten, wo sie den besten Empfang fürs Funktelefon hatte.

Das hat sie alles nicht abgeschreckt. Sie habe sich hier von Anfang wohl gefühlt. „Ich stamme aus dem Taunus“, sagt sie, sie brauche Tuchfühlung zur Natur. Deshalb war ihr Potsdam lieber als Berlin. Und Potsdam war Osten, den sie verstehen lernen wollte. Weil es hier genug Arbeit gab, die beste fachliche Expertise aber nichts nützt, wenn man den Menschen, den Adressaten, nicht verstanden hat. Andrea Vock kann menscheln. „Ich kann mich gut in die Themen oder Probleme anderer hineindenken. Der Blick von außen fällt mir leicht.“ Dazu kommt die Lust, Prozesse und Zusammenhänge zu verstehen. „Die Sendung mit der Maus“ habe sie als Kind am liebsten gesehen.

Der erste große Job der Agentur bestand darin, eine neue Logo-Familie für den SFB aufzubauen, um künftig auch den Ost-Berliner anzusprechen. Das neue Image war die Vorstufe zur Fusion von SFB und ORB zum rbb. Langfristiges Denken, erfolgreicher Markenaufbau und Markenpflege ist bis heute das Kerngeschäft ihrer Firma. Es geht ihr nicht um schnelle Effekte, sondern um nachhaltige Konzepte. Um Imagepflege und Identität.

Dafür muss man aktuelle gesellschaftliche Tendenzen, gesetzliche Grundlagen, Bedürfnisse der Zielgruppe und unternehmerische Ziele unter einen Hut bringen, erklärt sie. Das Prinzip, das für das Design eines Pizzakartons funktioniert, nutzt die UVA vornehmlich für die Entwicklung öffentlicher Auftritte von Firmen und Institutionen. Die Liste der Referenzen ist umfänglich, Banken, Institute, Krankenhäuser, Handwerks- und Industriebetriebe, Energieversorger und Ministerien, in Potsdam beispielsweise die Stadtwerke und die Industrie- und Handelskammer, zählen zu ihren Kunden. Ganz aktuell gestaltet die UVA die Öko-Strom-Kampagne der Stadtwerke. Dafür haben sie witzige „Ström“-Plakate entworfen. Gute Werbung, sagt Vock, ist Kommunikation und Entscheidungshilfe. Der Mensch reagiere nun mal auf visuelle Wahrnehmung, so ist er seit Urzeiten programmiert. „Diesen Autopiloten kann man nicht ausschalten – aber nutzen.“

Mittlerweile ist die UVA als auch der Standort – „Babelsberg ist super“ – eine Marke mit Kunden aus der ganzen Welt. Aus anfangs zwei Mitarbeitern wurde ein großes und junges Team. Aus Babelsberg will sie nicht mehr weg, sagt Andrea Vock. Vielleicht gibt es mal einen zweiten UVA-Standort. Neben ihrer Arbeit ist Andrea Vock Mitglied im Aufsichtsrat der Babelsberger Oberlinstiftung und gewähltes Mitglied der IHK-Vollversammlung. Und wenn sie dann noch Zeit hat, schaut sie immer noch gerne die Sendung mit der Maus.

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