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Barberini

  • 16.06.2017
  • von Grit Weirauch

Museum Barberini Potsdam: Klassiker aus der neuen Welt

von Grit Weirauch

Die Ausstellung "Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne" ist bis zum 3. Oktober im Museum Barberini in Potsdam zu sehen. Foto: M. Thomas

Das Museum Barberini zeigt seine neue Ausstellung „Von Hopper bis Rothko – Amerikas Weg in die Moderne“ ab Samstag. Was die Zuschauer erwartet.

Potsdam - Der Name ist Programm – und Verführung zugleich. In seiner neuen Ausstellung „Von Hopper bis Rothko“ zeigt das Museum Barberini gerade mal drei Werke dieser international in exorbitanten Höhen gehandelten Maler der amerikanischen Moderne. Gerade sie aber, Edward Hopper und Mark Rothko, sind es wohl, die allein wieder Zig- bis Hunderttausende Besucher in die zweite Ausstellung nach der Impressionisten-Schau locken werden. Und mit ihnen kann denn auch Museums-Chefin Ortrud Westheider ihr ambitioniertes Programm erfüllen: Einem europäischen Publikum jene Künstler nahe bringen, die in den USA als Klassiker gelten, mit deren Namen aber nur wenige von uns auf dem alten Kontinent wirklich etwas verbinden.

Westheider versteht ihre neue Ausstellung denn auch als einen Weg, den Boden für künftige Schauen amerikanischer Kunst zu bereiten, wie sie am Donnerstag auf der Pressekonferenz sagte. Eine Art Grundlagenvermittlung also, durch einen Brückenschlag über den Ozean und zu einer anderen Privatsammlung. Es ist die erste internationale Kooperation des im Januar eröffneten Museums – und die kommt angesichts der politischen Weltlage genau zur rechten Zeit.

Westheider betritt nicht wirklich Neuland mit der Barberini-Schau 

Pionierarbeit im transatlantischen Dialog über die amerikanische Moderne hatte Westheider bereits in ihrer Zeit als Chefin des Hamburger Bucerius-Forums geleistet. Dort zeigte sie, in dem bislang größten thematischen Projekt des Hauses, über mehrere Jahre hinweg eine Trilogie über 150 Jahre amerikanische Kunst zwischen 1800 und 1950. Wirkliches Neuland betritt Westheider mit der am Sonntag eröffnenden Barberini-Schau also nicht. Eher wird hier eine Essenz gezeigt, die doch einem Brennglas gleich eine enorme Strahlkraft besitzt – allein schon wegen der Kooperation mit der Phillips Collection Washington, D.C.

Gegründet wurde diese berühmte Sammlung wie das Barberini von einem Privatier, von Duncan Phillips im Jahre 1921 – und ist damit Amerikas ältestes Museum für moderne Kunst. Heute besitzt das Haus mehr als 4000 Werke, unter ihnen französische Impressionisten, die bereits in der vergangenen Barberini-Ausstellung zu sehen waren, aber auch Werke der amerikanischen Avantgarde und zeitgenössische Kunst. Die Zusammenarbeit mit dem Barberini sei „eine der engsten in der Geschichte unseres Museums“, sagte die US-Amerikanerin und Kuratorin Susan Behrend Frank von der Phillips Collection und lobte überschwänglich die neue „wunderschöne Repräsentation unserer Sammlung“ im Hause Plattners.

Bogen zwischen Realem und Abstraktem

In acht eigens für die Ausstellung farblich neu gestalteten Themenräumen untergliedert sich „Amerikas Weg in die Moderne“. Westheider und Frank legen hier vor allem den Schwerpunkt auf den großen Bogen zwischen Realem und Abstraktem und greifen ihn bei ihrem Parcours durch die neuere Kunstgeschichte der Vereinigten Staaten immer wieder auf. Die einzelnen Räume sind zentralen Motiven gewidmet – Landschaft, Porträt und Stadt – für Westheider Leitkategorien, anhand derer sie die US-amerikanische Malerei auch im Bucerius-Forum präsentierte. Die Räume zeigen den chronologisch Weg in die abstrakte Kunst, vom Impressionismus über die Neue Sachlichkeit – wieder so eine transatlantische Brücke nach Deutschland und vor allem nach Berlin – bis hin zur Farbfeldmalerei der 1950er- und 1960er-Jahre.

Aber die Geschichte verläuft auch in der Malerei nicht wie an einem Bindfaden, sondern ist ein Geflecht an Verbindungen und feinen Zusammenspielen, ein Rückbesinnen und ein Vorwärtsstreben und nicht zuletzt ein Eingewobensein in eine gemeinsame Tradition und Identität. Dies sicht- und erfahrbar zu machen – darin liegt die unglaubliche Stärke und Schönheit der Ausstellung und der Arbeit von Westheider und Frank.

Hoppers Werke zeigen Neue Sachlichkeit in kühlen Farben

Um Edward Hopper etwa spinnen beide feinsinnige Fäden. Er, dessen Werke gern in Einzelausstellungen gezeigt werden und seltener im Kontext seiner Zeit, reiht sich hier in eine thematische Linie eines Raumes ein, der Stadtlandschaft im Maschinenzeitalter. Seine menschenleere, in Ocker- bis Brauntönen gemalte „Anfahrt in eine Stadt“ (1946) gewinnt zusätzlich an Tiefe und Weite im Zusammenklang mit den Wolkenkratzern eines Charles Sheeler aus dem Jahre 1922 oder Stefan Hirschs „New York, Lower Manhattan“ (1921). In allen drei Werken zeigt sich die Neue Sachlichkeit mit ihren kühlen Farben, wo alles Struktur ist, präzise und flächig. Das Monolithische Hoppers löst sich so geradezu auf und weitet den Blick auf die Stadt als eines der grundlegenden Motive der Moderne.

Aber auch über Räume hinweg trägt man den Anblick von Hoppers Gemälde in sich. Bis hin zu dem kalifornischen Maler Richard Diebenkorn und seinem „Ocean Park Nr.38“, aus dem Jahre 1971. In seiner Farbgebung und der Suche nach dem Licht spielt es assoziativ mit „Anfahrt in eine Stadt“. Überhaupt ist Diebenkorn eine Entdeckung, wegen derer allein sich der Besuch im Barberini lohnt. Drei Bilder von ihm zeigt die Ausstellung, darunter „Interieur mit Meerblick“ von 1957. Ein Bild, das frappierende Anklänge an Henri Matisse aufweist. Der französische Impressionist hat zweifelsohne Diebenkorn stark beeinflusst, eine Ausstellung im San Francisco Modern Art Museum widmete sich jüngst dieser Inspirationsquelle des Malers.

Wenig Wirkung: Rothkos Bild enttäuscht

Einzig Mark Rothkos Bild enttäuscht im Barberini. Seine hier ausgestellte Farbfeldmalerei von 1968 entfaltet wenig Wirkung. Ob das nun schlichtweg dem Werk selbst, der Anordnung im Raum oder dem schützenden Glas – mit dem leider viele der Ausstellungsobjekte bestückt sind – geschuldet ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Auf alle Fälle lassen sich umso mehr all die anderen Künstler der amerikanischen Moderne entdecken und Dialoge fortsetzen, die gerade in Zeiten Trumps wertvoller denn je sind.

„Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“, vom 17. Juni bis 3. Oktober im Museum Barberini.

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