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Stadtentwicklung

  • 06.06.2017
  • von Henri Kramer

Diskussion um Potsdams Mitte: Aktivisten wollen Fachhochschule besetzen

von Henri Kramer

Mit dem Abriss der Fachhochschule Potsdam am Alten Markt gehe ein großzügig öffentlich nutzbarer Raum im Herzen der Stadt verloren, argumentieren die Aktivisten. Foto: M. Thomas

Die Fachhochschule am Alten Markt soll im Herbst abgerissen werden. Linke Aktivisten wollen das verhindern - und das Gebäude besetzen.

Potsdam - Teile der linken Szene in der Stadt bereiten sich auf eine Besetzung der für den Abriss bestimmten Fachhochschule (FH) vor. „Uns bleiben nur noch Mittel, die zwar nicht legal sind, aber legitim, um die FH vor dem Abriss zu retten“, heißt es in einem neuen Internetblog „Bitte stehen lassen“. Vor dem Hintergrund des ab Herbst geplanten Abrisses bestünden nur noch zwei Alternativen: „Aufgeben oder Besetzen!“ Daher könne man sich zusammenschließen, „um die Vernichtung einer Ressource zu verhindern und deren Nutzung selbst zu organisieren“. Und: „Der mit einer Besetzung geöffnete Raum kann dabei auch die Freiheit bieten, Wünsche für die Stadt zu entwickeln.“ Mit dem Abriss gehe ein großzügig öffentlich nutzbarer Raum im Herzen der Stadt verloren, so die Initiatoren des Blogs. Konkrete Daten werden noch nicht genannt.

Wie berichtet soll die marode FH zwei Wohn- und Geschäftskarrees auf historischem Stadtgrundriss weichen. Für das erste Karree haben sich bereits 82 potentielle Investoren gemeldet, die dort Gebäude errichten wollen. Unter den Interessenten seien sowohl Genossenschaften als auch Bauträger und Kapitalanleger, hieß es zuletzt. Auch Selbstnutzer hatten ihr Interesse bekundet, darunter auch Familien. Die Grundstücke werden nun bis Herbst von einer mit Fachleuten und Vertretern aus Politik und Verwaltung besetzten Jury vergeben.

"Potsdamer Mitte neu denken" will nicht aufgeben

Dagegen will auch die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“, die vergangenes Jahr rund 15 000 Unterschriften für den Erhalt von FH, Staudenhof und Mercure gesammelt hat, noch nicht aufgeben. Bei einem Netzwerktreffen soll am heutigen Dienstag ab 19 Uhr im Rechenzentrum in der Breiten Straße eine Veranstaltungsreihe zum Thema Abrisse entwickelt werden. Es gehe auch darum, ein Konzept für die Nachnutzung des Hochschulgebäudes weiterzuentwickeln und ein Kaufangebot für das Haus zu erarbeiten, teilte die Initiative mit. 

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Zwei namhafte Autoren kritisieren den FH-Abriss in einem Beitrag "Make Potsdam great again" der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung scharf. Der stößt auf Kritik - und viel Beifall.

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