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Garnisonkirche

  • 02.06.2017
  • von Rolf Brockschmidt und Peer Straube

Potsdam: Geschäftsmann will für Garnisonkirche spenden

von Rolf Brockschmidt und Peer Straube

In die Diskussion um den Wiederaufbau der Garnisonkirche kommt neuer Schwung. Im Herbst sollen auf dem Baufeld in der Breiten Straße die Arbeiten beginnen. Foto: Andreas Klaer

Der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche bekommt symbolische und finanzielle Unterstützung eines US-amerikanischen-armenischen Unternehmers. Ein Grund ist die Rettung seines armenischen Großvaters.

Potsdam - Es ist eine Geste mit großer Symbolkraft. Noubar Afeyan, US-amerikanischer Geschäftsmann, Inhaber zahlloser Patente auf dem Feld der Biochemie und Mitbegründer des Aurora-Preises zur Förderung der Menschlichkeit, will den Wiederaufbau der Garnisonkirche ideell und finanziell unterstützen – über die von ihm ebenfalls mit ins Leben gerufene Aurora Humanitarian Initiative (AHI).

Die Initiative, die auch den Aurora-Preis verleiht, wurde in Gedenken an die Überlebenden des Völkermordes gegründet, den die Türken ab 1915 an den Armeniern verübten. Sie will aus Dankbarkeit gegenüber den Rettern von damals jene von heute fördern, stärken und finanziell unterstützen. So wird auch der Aurora-Preis jährlich an Menschen vergeben, die sich weltweit in Krisenregionen, oftmals unter Einsatz des eigenen Lebens, in besonderer Weise um Notleidene kümmern. Erst vor wenigen Tagen erhielt ihn der US-amerikanische Mediziner Tom Catena, der als einziger in den Nuba-Bergen im Süden des Sudans niedergelassene Arzt dort Tausenden Menschen das Leben rettete. Im Auswahlkomitee für den Preis sitzen oder saßen unter anderem die Friedensnobelpreisträger Leymah Gbowee, Mitbegründerin des Friedens- und Sicherheitsnetzwerks für Frauen in Afrika, und der 2016 verstorbene Menschenrechtler und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel sowie Schauspielstar George Clooney, der sich seit Jahren humanitär engagiert.

Etwas an die unbekannten Helden zurückgeben, die Armenier vor dem Völkermord gerettet haben

Die Philosophie des Aurora-Preises sei es, in Erinnerung an diejenigen unbekannten Helden, die Armenier vor dem Völkermord gerettet haben, nun etwas zurückzugeben, sagte Afeyan am Rande der Verleihung in der armenischen Hauptstadt Jerewan. Die Familie des Unternehmers hat solche Hilfe selbst erlebt: Sein Großvater wurde während des Genozids an den Armeniern von deutschen Offizieren gerettet, die dem Treiben der osmanischen Armee nicht länger zuschauen wollten.

Der Großvater und dessen Bruder waren schon auf dem Deportationszug in die Wüste und damit zum Tode verurteilt. An einer Station, in der sie übernachten sollten, bekamen sie unerwartete Hilfe. „Mein Großvater hatte blaue Augen und sprach perfekt Deutsch, beide arbeiteten bei der Deutschen Industriebank in Konstantinopel. Die Deutschen hatten die bessere Logistik, unterstützten somit den Völkermord, aber es gab auch Offiziere, die als Christen dem nicht zustimmen konnten“, erzählt Afeyan. Also steckten die Deutschen die Armenier in deutsche Uniformen, in denen diese dann noch zwei Jahre ihren Dienst versahen, ohne enttarnt zu werden. Es habe zwar Opfer und Mörder gegeben, aber eben auch Überlebende und Helfer. Heute lebten die Armenier überall auf der Welt, in den USA, im Libanon und auch in Deutschland. „Wir wären heute nicht hier ohne Freunde“, sagt Afeyan.

Versöhnungsgedanke der Garnisonkirche sei reizvoll

Es ist dieser Versöhnungsgedanke, der den Aurora-Preis-Stifter auch an der Garnisonkirche reizt. Deutschland feiere nun 500 Jahre Reformation und daher habe man sich entschlossen, den Wiederaufbau des einstigen Potsdamer Wahrzeichens zu unterstützen. Die Garnisonkirche werde mehr als nur eine Kirche sein, es werde ein Treffpunkt, an dem die Initiatoren des Aurora-Preises die Preisträger vorstellen und auf diese Weise den Deutschen die Helden der Humanität präsentieren können. Afeyan zeigte sich auch beeindruckt von der Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages.

Deutschlands Botschafter Matthias Kiesler erinnerte daran, dass es einerseits Missionare wie Johannes Lepsius, Diplomaten und Offiziere gab, die der deutschen Regierung von den Gräueltaten berichteten, aber auch Politiker wie Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, der jegliche Hilfe verweigerte. „Er hat die Humanität der Strategie geopfert und am Ende auch nicht seine strategischen Ziele erreicht“, sagte der Botschafter. Er zeigte sich erfreut, dass im Jubiläumsjahr von 25 Jahren deutsch-armenischer Beziehungen vor Kurzem auch ein Vertrag zwischen dem Lepsius-Haus in Potsdam und der Universität von Jerewan unterzeichnet wurde. Der Theologe und Missionar Johannes Lepsius schrieb in seinem Haus am Pfingstberg die erschütternde Dokumentation über den Völkermord der Türken am armenischen Volk in den Jahren 1915/16, sein Wohnhaus am Pfingstberg beherbergt heute das Lepsius-Archiv und eine Gedenkstätte, die an den Genozid vor mehr als 100 Jahren erinnert.

Garnisonkirchen-Stiftung hält sich noch bedeckt

Wie die Unterstützung für die Garnisonkirche konkret aussehen werde, werde später im Sommer bekannt gegeben, sagte Afeyan. Man werde aber das Engagement in Richtung Deutschland verstärken und beispielsweise auch eine Konferenz der Aurora-Dialoge im Winter in Berlin veranstalten.

Bei der Garnisonkirchen-Stiftung hält man sich ebenfalls noch bedeckt. Es liefen vielversprechende Gespräche, hieß es auf Nachfrage. Es ist sicher nicht vermessen anzunehmen, dass es sich um eine größere Geldsumme handeln dürfte.

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