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Themenschwerpunkt:

Wohnen in Potsdam

  • 02.06.2017
  • von Henri Kramer

Wohnen in Potsdam: Pro Potsdam geht gegen vollen Keller vor

von Henri Kramer

Abgestellt. Dieser Blick in einen Keller verärgert die Pro Potsdam. Foto: A. Klaer

Wegen einer vollgestellten Waschküche droht die Pro Potsdam einem Mieter mit einer fristlosen Kündigung. Der kann das Problem nicht verstehen - und wehrt sich.

Potsdam - Im Leitbild der städtischen Wohnungsholding Pro Potsdam heißt es: „Wir haben ein offenes Ohr für unsere Mieter.“ Arnim Weinhold findet, dass die städtische Gesellschaft in seinem Fall anders handelt. „Notfalls muss ich eben vor Gericht ziehen", sagte der 59-Jährige den PNN jetzt auf Anfrage. Nachbarn hatten sich an die PNN gewandt und von einem „rücksichtslosen Vorgehen“ der Pro Potsdam gesprochen.

Was ist passiert? Weinhold lebt mit seinem schwerbehinderten, 90 Jahre alten Vater seit mehr als 50 Jahren in einem Haus in der Großen Fischerstraße, das die Pro Potsdam über ihre Wohnungsgesellschaft Gewoba bewirtschaftet. 2016 schon begann der Ärger. In einem Schreiben forderte die Pro Potsdam den Mann auf, aus einem gemeinschaftlich genutzten Hauskeller dort gelagerte Sachen zu entfernen. Unter anderem gehe es um Unrat, Kanister, Blumentöpfe und eine Waschmaschine, wie es in einem weiteren Schreiben an Weinhold aus dem März hieß. Und die städtische Pro Potsdam droht in dem Brief: Bei Nichtbefolgung sei auch eine fristlose Kündigung möglich, „was wir jedoch vermeiden möchten“.

Mieter: Raum wurde schon immer als Waschküche genutzt

Weinhold wehrt sich. In Zusammenarbeit mit dem Mieterverein Potsdam antwortete er, dass es sich bei dem Raum um eine schon immer auch als Lager genutzte Waschküche handele. Diese sei laut Mietvertrag stets zur gemeinschaftlichen Nutzung überlassen worden. Die Gartenwerkzeuge würden von ihm für die – aus seiner Sicht von der Pro Potsdam zu nachlässig betriebene – Grünpflege im Umfeld des Hauses genutzt. Und die laut Pro Potsdam kaputte Waschmaschine sei in Wirklichkeit voll funktionstüchtig. Durch den Streit werde auch der Hausfrieden unnötig gestört, so Weinhold. Nachbarn schilderten wiederum den PNN, an den eingelagerten Gegenständen im Keller nehme einzig die „offensichtlich nicht ausgelastete Pro Potsdam einen Anstoß“.

Das Unternehmen bleibt aber hart. Mitte Mai erreichte Weinhold ein Anwaltsschreiben. Darin wird noch einmal die Räumung des Kellerraums angemahnt – dieser werde von ihm als „Schrottplatz“ genutzt. Für die Grünpflege habe die Pro Potsdam ihre Unternehmen, Weinhold sei damit nicht beauftragt. Die Anwälte der städtischen Wohnungsholding drohten mit Klage und setzten eine Frist bis Ende Mai – die jetzt abgelaufen ist.

Pro Potsdam: "Wir müssen die Regularien klar einhalten"

Pro-Potsdam-Sprecherin Jessica Beulshausen sagte auf Anfrage, schon aus Verkehrssicherheitsgründen bestehe das Unternehmen auf einer Räumung des Kellers: „Wir müssen unsere Regularien klar einhalten.“ Man sei aber weiter an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. Ob auch gegen andere Hausbewohner vorgegangen wird, die in dem Raum Sachen untergestellt haben, ließ sie offen. Nur eine andere Familie aus dem Vier-Personen-Haus habe dort Sachen unterstellen dürfen, weil deren Keller zwischenzeitlich nass war. Man hoffe bei einem neuen Ortstermin auf eine Lösung, sagte die Sprecherin weiter.

Und Weinhold? Er hält das Argument der Verkehrssicherheit für vorgeschoben. Betroffen seien weder Rettungs- noch Fluchtwege, es gehe nicht um leicht entflammbare Gegenstände. Der Angestellte hat sich inzwischen an die Stadtverordneten gewandt und an den Beschwerdeausschuss des Stadtparlaments. Antworten gibt es von dort bisher nicht. Und neuer Ärger steht ins Haus: Zuletzt hat die Pro Potsdam auch die Räumung des Dachbodens gefordert – ebenfalls aus Sicherheitsgründen. Weinhold lagert dort seit 45 Jahren zwei Türen aus der Wohnung seines pflegebedürftigen Vaters. „Ich hätte eigentlich anderes zu tun“, sagt er über den Streit. Und: „Ich möchte eigentlich ruhig, ohne Schikanen in einem ordentlichen Wohnumfeld leben.“ 

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