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  • 24.04.2017
  • von Henri Kramer

Schulen in Potsdam: Schulengpass in Babelsberg wird größer

von Henri Kramer

In Potsdam gilt eigentlich der Grundsatz "Kurze Beine, kurze Wege". Ausnahme: Grundschulplätze. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Immer mehr Eltern in Potsdam finden keinen Grundschulplatz in Wohnortnähe für ihre Kinder. Zeitnahe Lösungen gibt es weiterhin nicht.

Potsdam - Zu den Engpässen bei den Schulplätzen in Potsdam gibt es neue Zahlen. Demnach können im südlichen Babelsberg nur noch rund 38 Prozent der dort lebenden Grundschüler mit einem Schulplatz versorgt werden – der Rest muss in andere Stadtteile wie Zentrum Ost ausweichen. Genauso geht es 41 Prozent der Grundschüler in Potsdam-West – und 49 Prozent ihrer Altersgenossen rund um den Hauptbahnhof, den Brauhausberg sowie in der Templiner und Teltower Vorstadt. In den nördlichen Ortsteilen zwischen Bornstedt und Groß Glienicke, in denen die Wege in angrenzende Viertel noch weit länger sind, finden zwischen sechs und 13 Prozent der Eltern keine wohnortnahe Grundschule – entgegen dem Potsdamer Grundsatz „Kurze Beine, kurze Wege“. Diese Zahlen finden sich im aktuellen Bericht der Schulentwicklungsplanung, den die Stadtverordneten jetzt im Hauptausschuss erhalten haben. Vor allem in Babelsberg zeichne sich im Grundschulbereich „langfristig ein Defizit“ an Kapazitäten ab, heißt es in dem Plan.

Neue Grundschule in Babelsberg soll erst 2027 zur Verfügung stehen

Neue Lösungen für die Probleme werden im Plan nicht beschrieben. Verwiesen wird unter anderem auf die zu errichtende Grundschule auf dem Babelsberger Sportplatz Sandscholle, die allerdings erst 2027 zur Verfügung steht. Übergangsweise ist eine Container-Schule am Humboldtring in Zentrum Ost vorgesehen. Anderswo – etwa an der Heinrich-Mann-Allee oder an der Graf-von-Schwerin-Straße – werden neue Grundschulen in Festbauweise errichtet. 22 Prozent der Grundschüler seien mittlerweile in Privatschulen, führt die Stadt aus. Auch das mache die Planungen, wo welche Schule benötigt wird, nicht einfacher – weil die Bildungsverwaltung sich sorgt, dass Schulplätze finanziert werden, die dann doch niemand braucht. Deutlich mehr Kapazitäten als benötigt befinden sich laut dem Papier etwa in Potsdam-West, in der Waldstadt I, in Zentrum Ost und in der Innenstadt.

Die Schulverwaltung verweist auch darauf, dass der Schulentwicklungsplan erst zuletzt von einer externen Kommunalberatung, der Potsdamer Firma Complan, überprüft worden sei. Diese habe empfohlen, eine jährliche Bevölkerungsprognose für die Schulentwicklung anzufertigen. Ebenso werde gerade die Ausschreibung für die Erarbeitung einer integrierten Kita-, Hort- und Schulplanung vorbereitet, „um zukünftig die kurz- und mittelfristigen Planungen für Kita, Hort und Schule besser aufeinander abzustimmen“. Eine derart verbesserte Planung fordern Experten schon seit Jahren, weil in Potsdam immer wieder Kita-, Hort- und Schulplätze fehlen. Derzeit sind die Bereiche Schule, Kita und Hort im Rathaus in verschiedenen Dezernaten angesiedelt.

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