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Stadtentwicklung

  • 21.04.2017
  • von Marco Zschieck

Umbau zur Gartenstadt: Potsdam baut in Drewitz weiter um

von Marco Zschieck

Fast südländisch leicht mutet der Entwurf des Architektenbüros Kopperroth für das Quartier 8 an (o.). Quelle: Kopperoth

Potsdam geht beim Umbau des Plattenbauviertels Drewitz den nächsten Schritt: In der kommenden Woche startet die Sanierung eines weiteren Häuserblocks.

Potsdam - Ab der kommenden Woche werden in Drewitz noch mehr Bauarbeiter unterwegs sein. Während südlich der Konrad-Wolf-Allee die Sanierung der sogenannten Rolle – des langgezogenen Wohnblocks entlang der Straße – derzeit auf vollen Touren läuft, hatte sich im nördlichen Teil des Viertels nicht mehr viel getan, seit vor drei Jahren die Sanierung des ersten Wohnblocks abgeschlossen worden war. Mit der Ruhe ist es nun vorbei: Die Sanierung des Quartiers 8 beginnt.

Für insgesamt rund 24 Millionen Euro werden innerhalb von drei Jahren 270 Wohnungen saniert. Sie befinden sich im Karree von Konrad-Wolf-Allee, Hans-Albers- Straße, Erich-Pommer- Straße und Guido- Seeber-Weg. Die grauen Plattenbaufassaden sollen ein freundliches Gesicht bekommen. Fast südländisch leicht mutet der Entwurf des Architektenbüros Kopperroth an. Die Fassade in einem hellen Beigeton wird von den durchgehenden Bändern der Balkone strukturiert – denn künftig wird jede Wohnung einen Balkon haben, und die die schon einen hatten, bekommen künftig einen größeren. Einige werden sechs Meter lang und 1,50 Meter tief sein. Anschauen kann man sich das schon jetzt im Innenhof, wo ein Musterbalkon aufgebaut worden ist. Bei Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) kam der Balkon bei einem Vor-Ort-Termin am Donnerstag schon mal gut an: Er fing gleich an, die an der Brüstung angebrachten Blumenkübel zu gießen.

Jakobs: Vorbild für die Potsdamer Mitte

Die Baumaßnahme ist auch eine Premiere: Erstmals wird ein Wohnblock von drei Eigentümern in Abstimmung saniert und umgestaltet. Von den jetzt 270 Wohnungen gehören nämlich 170 der kommunalen Immobilienholding Pro Potsdam, 70 sind im Eigentum der Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ und 30 gehören der Wohnungsgenossenschaft 1956 (PWG 1956). So eine Zusammenarbeit könnte auch ein Vorbild für die Potsdamer Mitte sein, wie Jakobs in Anspielung auf die dort geplante Bebauung des bisherigen Areals der Fachhochschule am Alten Markt sagte.

Die PWG 1956 wird am 26. April mit den Arbeiten beginnen, die „Karl Marx“ folgt Anfang Mai. Die Pro Potsdam plant ihren Baubeginn im Juni. Während die drei Unternehmen die Fassade und den Hof gemeinsam und einheitlich gestalten, wird die Sanierung in den Gebäuden individuell erfolgen. Jedes Unternehmen habe selbst entschieden, welchen Umfang die Maßnahmen zur Instandsetzung und Modernisierung haben werden. In den Eckgebäuden werden Aufzüge eingebaut, die eine an Barrieren arme Zugänglichkeit der Wohnungen ermöglichen.

Die Pro Potsdam saniert die Wohnungen abschnittsweise bis auf den Rohbau. Der letzte Bauabschnitt soll in drei Jahren fertig sein. Die Mieter werden während der Bauzeit in andere Wohnungen vermittelt. 16,3 Millionen Euro investiert das kommunale Unternehmen, das dafür mit Fördermitteln des Landes unterstützt wird. Dadurch entstehen in Drewitz weitere 120 Mietpreis- und Belegungsbindungen. Nach der Sanierung werden die Kaltmieten pro Quadratmeter zwischen 5,50 Euro und 7 Euro liegen.

"Gewisse Durchmischung in der Mieterschaft"

Die Genossenschaften sanieren hingegen zurückhaltender. Die PWG investiert rund 2,5 Millionen Euro, die „Karl Marx“ fünf Millionen Euro. Neben der Fassade werden vor allem die Leitungsstränge in Küche und Bad erneuert. Die Mieter bleiben währenddessen in den Wohnungen – außer in jenen, deren Grundrisse verändert werden. Weil so Kosten gespart werden, bleiben die Kaltmieten teilweise bei etwa 5 Euro pro Quadratmeter. Die Unterschiede im Mietniveau sehen die Beteiligten positiv: „Das sorgt auch für eine gewisse Durchmischung in der Mieterschaft“, so PWG-Vorstand Matthias Pludra.

Die neben der Fassade größte Veränderung werden neue Wohnungszuschnitte sein. So reduziert allein die Pro Potsdam die Zahl der Ein-Zimmer-Wohnungen von 35 auf 25, die der Drei-Zimmmer-Wohnungen von 79 auf 64. Stattdessen wird es mehr Zwei-Zimmer-Wohnungen geben – nämlich 40 statt vorher 20. Ähnlich geht die „Karl Marx“ in der Hans-Albers-Straße 2 bis 6 vor. Außerdem entstehen dort durch Wohnungszusammenlegung sogar zwei Fünf-Zimmer-Wohnungen mit jeweils 125 Quadratmetern. Auch die Hofgestaltung soll aufgefrischt werden: Wege, Spielplatz und Grünanlagen werden erneuert. Auch künftig ist vorgesehen, dass jede Erdgeschosswohnung mit Hofzugang einen Mietergarten hat.

Mietergärten gibt es in der „Rolle“ auf der anderen Seite der Konrad-Wolf-Allee zwar nicht, aber dafür hat sie nach der Sanierung andere Vorzüge zu bieten: Mehrere Maisonettewohnungen sind entstanden – mit einem Arbeitsbereich im Erdgeschoss und Wohnräumen in der oberen Etage. Damit will sich die Pro Potsdam beispielsweise an Künstler oder Kleingewerbetreibende richten. Der nächste Bauabschnitt soll im Juli beendet sein, hieß es. Dann soll auch der neue Servicepoint der Pro Potsdam in der Konrad-Wolf-Allee eröffnen. Im Herbst 2018 soll dann die ganze „Rolle“ fertig sein.

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