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Barberini

  • 27.03.2017
  • von Heidi Jäger

Symposium über Max Beckmann im Museum Barberini: Westheider: "Beckmann ist der Picasso Deutschlands"

von Heidi Jäger

Ortrud Westheider. Foto: C. Freytag

Museumsleiterin Ortrud Westheider spricht im PNN-Interview über den Maler Max Beckmann - und warum das Museum Barberini über den Maler forscht.

Frau Westheider, wird mit Max Beckmann ein raues Klima ins Barberini einziehen?

Beckmann hat als Impressionist begonnen, im Berlin vor dem Ersten Weltkrieg. Seine Malerei wurde durch den Ersten Weltkrieg völlig durchgeschüttelt und ist danach spannungsgeladen. Die Kraft seiner Werke drückt sich aber nicht nur in den großen Themen des Menschseins aus, sondern in einer leuchtenden Farbigkeit. Als Kolorist schließt er an die großen Vorbilder des Impressionismus an – aktualisiert sie für das 20. Jahrhundert.

Welche Seiten Beckmanns sind noch unerforscht und machen sie für ein Symposium spannend? Es heißt ja, dass Beckmann der wohl am gründlichsten erforschte deutsche Künstler des 20. Jahrhunderts sei.

Ja, die Literatur füllt Wände. Doch gab es noch keine Ausstellung zum Thema des Welttheaters bei Beckmann, obwohl der Begriff schon 1938 bei der Londoner Gegenausstellung zur Münchner Femeschau „Entartete Kunst“ aufkam.

Wie dicht kommt man als Betrachter dem Künstler wirklich auf die Spur, der so beherzt durch die Welt der Mythen tanzte?

Alles in seiner Malerei hat er auch gesehen. Auch wenn es mythologisch verkleidet ist, zeigen viele Dokumente, dass Beckmann einen Ausgangspunkt in der wirklichen Welt hatte. In den Skizzenbüchern ist das oft gut nachvollziehbar. Beckmann hat gezeichnet, wo er ging und stand, manchmal unter dem Tisch im Café. Es ist also durchaus eine detektivische Reise, auf die sich der Ausstellungsbesucher begeben kann.

„Die Ausstellung macht erstmals Beckmanns Welttheater visuell und ideengeschichtlich greifbar“, heißt es in der Ankündigung zur Ausstellung, die erst in Bremen und ab Februar 2018 im Barberini zu sehen ist. Was heißt das konkret?

Der Begriff „Welttheater“ kommt aus der barocken Emblematik und meint, dass das ganze Leben ein Spiel ist. Beckmann hat nach dem Ersten Weltkrieg immer wieder Jahrmarktvorführungen, Zirkus, Film und Schauspiel gleichnishaft zum Thema gemacht. Das wollen wir erstmals systematisch untersuchen.

Was erzählen die Werke über den Maler selbst, der 1933 fristlos aus seiner Professur an der Frankfurter Städelschule entlassen wurde und in die Niederlande emigrierte?

Beckmann hat sich in all seinen Lebensphasen im Selbstbildnis dargestellt. Häufig zeigt er sich auch in seinen Figurenbildern. Immer geht es ihm darum, den Spielraum seiner Souveränität auszuleuchten. Oft sieht man in seinen Bildern Gefangene und Gefesselte, die die politische Unterdrückung seiner Zeit spiegeln.

Wie politisch war Beckmann, der zu den meistgehassten Künstlern der Nazidiktatur gehörte und was erzählt uns der „Theaterdirektor“ heute mit seinem Welttheater?

Beckmann gehörte in seiner Frankfurter Zeit verschiedenen Intellektuellen-und Künstlerkreisen an und sah seine künstlerische Heimat zunehmend auch in Frankreich. Diese Umstände und die kompromisslose Selbstbehauptung in seiner Malerei machten ihn für die Nazis untragbar. Sie verspotteten ihn auf der Ausstellung „Entartete Kunst“, in dem sie zehn seiner Gemälde zeigten und mit Femetexten versahen.

Wird er ein breites Publikumsinteresse in Potsdam finden?

Beckmann ist der Picasso Deutschlands. Im Museum Barberini wird mit dem Welttheater sein großes Lebensthema ausgebreitet, mit Triptychen, Selbstbildnissen und großen Figurenbildern. Ich denke, dass diese Schau ein Zuschauermagnet sein wird.

Die Fragen stellte Heidi Jäger

Das Symposium „Max Beckmann. Welttheater“ findet am 29. März ab 10 Uhr im Museum Barberini statt. Weitere Informationen >>  

ZUR PERSON: Ortrud Westheider, geboren 1964 in Versmold, ist Kunsthistorikerin und leitet seit 2016 das Museum Barberini. Das Symposium zu Max Beckmann ist bereits das dritte am Haus.

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