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  • 20.03.2017
  • von Kirsten Graulich

Bornim: Potsdams erstes Tipidorf

von Kirsten Graulich

Hand anlegen. Das Wochenende haben Daniel Magraf, Gregor Malschofsky und Ingo Breddin (v.l) genutzt, um den Aufbau des ersten Tipidorfes voranzubringen. Im Mai soll es eröffnen. F.: S. Gabsch

Natur erleben und mit sich selbst in Einklang kommen: Potsdam soll im Norden sein erstes Tipidorf bekommen. Ab Mai soll es losgehen.

Potsdam - Auf dem Weg zum Potsdamer Tipidorf kommt Entschleunigung ganz von allein. Denn die sparsame Ausschilderung im Ortsteil Bornim sorgt für Umwege, und weil am Heineberg 2 ganz auf Straßenschilder verzichtet wurde, schütteln auch Ortskundige den Kopf bei Nachfragen. Immerhin weist ein Schild auf den Hofladen von Neumanns Erntehof und die Handynummer von Gregor Malschofsky hilft von da ab weiter. „Zuerst durch das grüne Tor, dann den Weg rechts und etwa 800 Meter weiter, dann sehen Sie uns“, dirigiert er die Besucher.

Am 1. Mai ist geplanter Eröffnungstermin des Tipidorfes Potsdam. Doch bislang sind statt Tipis nur wintergebleichte Wiesen vor Obstbaumreihen erkennbar, dazwischen zwei Fahrzeuge. „Wir sind hier erst am Aufbau“, klärt Malschofsky gutgelaunt auf. Ein bisschen hätten die Sturmböen die Pläne zwar verweht, aber für ihn und seine beiden Mitstreiter Ingo Breddin und Daniel Magraf kein Grund zu resignieren. Wenigstens die Wiese hatten sie mähen können. Mischlingshund Ernie findet es toll, mit der Nase darin rumzustupsen. Bioklo, Lagerfeuerstelle und ein festes Schrägdach stehen noch auf der To-do-Liste des ersten Wochenendes. Später sollen fünf Tipizelte dazukommen, etwa sieben Meter hoch und drinnen mit Platz für je zehn Personen. „Diese Tipis werden sicher von der Bundesstraße 273 gut zu sehen sein und so auch Besucher anlocken“, ist Malschofsky optimistisch.

Auch Übernachten soll im Tipidorf möglich sein

Der 30-Jährige ist Fitnesstrainer und Erlebnispädagoge. Sein Hauptbetätigungsfeld ist die Arbeit in der Natur. Zeit und Muße seien in der modernen Leistungsgesellschaft selten geworden, sagt er. Hektik und permanente Erreichbarkeit würden daher bei vielen den Wunsch verstärken, alles hinter sich zu lassen und abzuschalten. Holz holen, Feuermachen und Essen im Freien zubereiten, könne viel dazu beitragen, mit sich selbst wieder in Einklang zu kommen. Vor allem Kinder seien immer wieder begeistert, erzählt er: „Holz sammeln wurde da für einige zum schönsten Erlebnis und manche Eltern haben große Augen gemacht, als ihre Sprösslinge mit der Axt Holz hackten“. Auch Pfeil- und Bogenschießen werde angeboten, ebenso ein Floßbau-Abenteuer. Spezielles Teamtraining für Männer sei vorgesehen, die sich im Baumstamm transportieren und Baumklettern probieren könnten.

Das Tipidorf soll dann für all diese Aktivitäten ein Kraftplatz werden, an dem man auch übernachten kann. „Wenn dann im Tipi Feuer gemacht wird, leuchten die weißen Leinwandplanen wie Lampenschirme“, schwärmt Malschofsky und erzählt, dass er durch Zufall auf den Platz beim Erntehof Neumann gestoßen sei. Zuvor war ihm ein Objekt in Paaren empfohlen worden. Doch dort war es ihm zu „viereckig“. Auf dem Rückweg hielt er dann im Hof an, der ihm sofort gefiel mit der 50 Hektar großen Obstplantage samt Hühnern, Gänsen, Wollschweinen und Eseln. Auch die Weite passte genau für sein Projekt. Geschäftsführer Stephan Ohlemann war gleichfalls von der Idee angetan und will das Projekt kulinarisch unterstützen. Für heiße Tage gibt es auf dem Gelände sogar einen kleinen Badeteich. Umsäumt von einem Wassergraben liegt das künftige Tipidorf Potsdam idyllisch zwischen Feld und Obstbäumen.

Esel als unbestechliche Coaches

Für das nächste Jahr ist ein Schwitzhüttenseminar im Frühjahr geplant. Noch in diesem Jahr sollen Insektenhotel und Bienenhäuschen gebaut werden. Auch Hochbeete für Gemüse stehen auf dem Plan. Natur spüren und sich in ihr orientieren, das sollen auch Schulklassen und Jugendgruppen hier. Dabei werde ihnen gleichzeitig der respektvolle Umgang miteinander vermittelt. Förderlich sei dabei auch der Umgang mit Tieren, so Malschofsky, etwa eine Wanderung mit den Eseln. Denn die gelten als unbestechliche Coaches und reagieren auf schlechte Manieren mit Sturheit. Solche tierische Unterstützung ist also durchaus förderlich, um schwelende Konflikte aufzudecken und das eigene Verhalten zu reflektieren. Wie sehr Teilnehmer die Feierabend-Events im Tipidorf genießen, sollen die Online-Referenzen belegen. „Unabhängig, welche Erwartungen man auch hat, sie werden übertroffen“, schrieben Marcus und Paul. Die schöne Auszeit mit Entschleunigung können Familien auch in diesem Jahr wieder erleben.

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