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  • 16.03.2017
  • von Holger Catenhusen

Demenzdorf in Groß Glienicke: Ort für Vergessende

von Holger Catenhusen

Wohnen in Gruppen. Der Entwurf für das Demenzdorf. Grafik: Riccius Winter Architekten/Stad

In Groß Glienicke könnte ein Demenzdorf nach niederländischem Vorbild entstehen. Bis zu 80 an Demenz erkrankte Menschen könnten hier leben - in familiärer Atmosphäre. Doch wird die Idee umgesetzt?

Groß Glienicke - Auf dem Grundstück wechseln sich kleine Häuser mit hofähnlichen Grünflächen ab. Die Bewohner leben gemeinsam in Wohngruppen und erhalten sich so ein letztes Stück familiäre Atmosphäre. So lautet kurzgefasst das Konzept für sogenannte Demenzdörfer. Das große Vorbild ist „De Hogeweyk“ bei Amsterdam. In der dortigen Anlage leben weit über 100 demente Menschen. Die erste deutsche Sozialeinrichtung dieser Art wurde vor drei Jahren im niedersächsischen Hameln eröffnet. Nun gibt es die Idee, ein Demenzdorf im Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke zu errichten.

Als Standort kommt ein Gelände in der Nähe der Straße Am Weinberg infrage. Die Fläche liegt mitten in einem Areal, für das die Stadt Potsdam einen Bebauungsplan schaffen wollte. Doch das Verfahren geriet vor einiger Zeit ins Stocken, da mehrere betroffene Grundstücksbesitzer es abgelehnt haben, sich an den Kosten für die soziale Infrastruktur zu beteiligen, die laut einer Richtlinie der Stadt fällig geworden wären (PNN berichteten).

Zwischen Potsdam und Berlin: Groß Glienicke eigne sich als Standort für Demenzdorf

Mit den Plänen für ein Demenzdorf könnte es nun eine neue Entwicklungschance für das Gelände geben. Am vergangenen Dienstagabend stellte die Architektin Vanessa Hannewahr von der Berliner Stadthaus GmbH im Groß Glienicker Ortsbeirat das Projekt vor. Zur Illustration hatte die Architektin ein dreidimensionales Modell mitgebracht, um zu zeigen, wie die Häuser eines zukünftigen Demenzdorfes einmal aussehen könnten. Geplant sind im Wesentlichen eingeschossige Gebäude mit Satteldach. Die Häuser sollen zumeist paarweise nebeneinander stehen. Insgesamt könnten hier später einmal 60 bis 80 an Demenz erkrankte Menschen leben. Es ist also weniger an ein Dorf im herkömmlichen Sinne gedacht als vielmehr an eine großzügige Wohnanlage. Groß Glienicke eigne sich als Standort, weil hier die Schnittstelle zwischen Berlin und Potsdam sei und es eine gute Infrastruktur gebe, sagte Hannewahr. Die Architektin lobte „die Qualität des Ortes“. Mit einer möglichen Ansiedlung am Berliner Stadtrand möchten die Projektentwickler offenbar sowohl Interessenten aus Berlin als auch aus Potsdam ansprechen.

Ob die Idee eines Demenzdorfes tatsächlich in Groß Glienicke verwirklicht werden kann, ist derzeit aber noch nicht konkret absehbar. Die Planungen stecken in einer frühen Phase. Mit Blick auf den angedachten Bebauungsplan und die von einigen Grundstückseigentümern bislang abgelehnte Beteiligung an den Kosten für die soziale Infrastruktur könnte das Demenzdorf eventuell von Vorteil sein. Denn ersten Überlegungen zufolge würden diese Kosten womöglich sinken oder gar ganz entfallen, wenn das Demenzdorf selbst als soziale Infrastruktur angerechnet werden könnte. Die Ausgleichsabgabe müsste dann also vielleicht gar nicht gezahlt werden. In einer schriftlichen Vorstellung der Idee vom Demenzdorf wirbt die Stadthaus GmbH mit den Vorteilen gegenüber einem Pflegeheim. Das Angebot für die Bewohner sei im Demenzdorf vielfältiger. Es werde gemeinsam gekocht, geputzt und gebacken. Anders als in einem klassischen Pflegeheim gebe es keinen festen Tagesablauf. „Mit dem eigenen Zimmer steht jedem der rund acht bis zehn Bewohner einer ,Lebenseinheit’ auch ein Rückzugsort zur Verfügung“, heißt es in dem Papier. Da kein großer Kompaktbau geplant ist, unterscheidet sich das Konzept auch rein äußerlich von einem herkömmlichen Pflegeheim. Das Demenzdorf solle keinesfalls „klinischen Charakter“ haben, sagte Hannewahr.

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