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  • 13.03.2017
  • von Marco Zschieck

2. "Pulse of Europe"-Kundgebung in Potsdam: Die im Licht und die im Schatten

von Marco Zschieck

Etwa doppelt so viele Potsdamer wie vor einer Woche demonstrierten am Sonntag für ein geeintes Europa. Foto: S. Gabsch

Mehr als 300 Potsdamer demonstrierten am Sonntag bei "Pulse of Europe" für Europa. Der AfD-Nachwuchs übte derweil eine Gegendemonstration.

Potsdam - Klare Verhältnisse: Deutlich mehr als 300 Menschen demonstrierten am Sonntagnachmittag am Brandenburger Tor für ein geeintes Europa. Passend zum Thema zeigte sich der Himmel über Potsdam überwiegend blau. Währenddessen standen auf der anderen Seite des Luisenplatzes ein gutes Dutzend Teilnehmer einer Kundgebung der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative zunehmend im Schatten und hielten zusammen ein Plakat mit der Aufschrift „Eure Union ist nicht unser Europa“.

Zum zweiten Mal wurde unter dem Motto „Pulse of Europe“ – der Puls von Europa – in Potsdam demonstriert. Die Organisatoren um Versammlungsleiterin Marie-Luise Glahr hatten zur Kundgebung um 14 Uhr am Brandenburger Tor eingeladen. Thematisch ging es diesmal vor allem um die bevorstehenden Wahlen in den Niederlanden. Dort wird am Mittwoch das neue Parlament gewählt, die rechtspopulistische und EU-feindliche Freiheitspartei um Geert Wilders liegt laut Meinungsumfragen an zweiter Stelle. „Ein Sieg wäre ein fataler Rückschritt für Europa und damit für uns alle“, hieß es von den Organisatoren. Man wolle deshalb „Liebesgrüße an unsere holländischen Nachbarn senden“.

Demonstranten trugen orangene Mützen oder hielten Tulpen

Dementsprechend farbig ging es am Sonntag zu. In der Menge wurden mehrere blaue Europaflaggen geschwenkt. Viele Teilnehmer hatten sich Mützen in Orange – der Nationalfarbe der Niederlande – aufgesetzt oder hielten Tulpen in der Hand. In Redebeiträgen wurde der Zusammenhalt in Europa gefordert – statt nationaler Alleingänge angesichts des Brexit-Votums in Großbritannien und des Erstarkens nationalistischer Parteien in mehreren EU-Ländern. Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit seien unantastbar und europäische Grundfreiheiten wie die Personenfreizügigkeit nicht verhandelbar.

Altersmäßig waren die Teilnehmer der proeuropäischen Kundgebung am Sonntag bunt gemischt. Auch viele Familien waren gekommen. An einem Stand verteilte der 14-jährige Adrian blaue Europafähnchen. Er helfe gern bei der Veranstaltung, weil er sich auch in Zukunft offene Grenzen in Europa wünsche. Der Potsdamer Volker Freidel wollte mit seiner Teilnahme ein Zeichen setzen, gegen jene, die rückschrittliche Ideen propagierten. „Demokratie muss man sich erarbeiten“, sagte der 56-Jährige den PNN. Joachim Käufler hat bei der Organisation mitgeholfen. Er wolle zeigen, dass Europa „in unserem Sinne ist“. Es reiche eben nicht, wenn man sich nur im Freundeskreis über die aktuellen Probleme unterhalte.

Die Potsdamer sind nicht allein: In mehr als 40 Städten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Portugal und Belgien waren Kundgebungen angekündigt. Entstanden ist die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ Ende 2016 in Frankfurt am Main. Sie versteht sich als überparteilich. Die Potsdamer Organisatoren haben angekündigt, mindestens bis zur Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April sonntags auf die Straße zu gehen.

Gegendemonstranten wirkten etwas verloren

Etwas verloren wirkten im Vergleich zu den vielen Menschen am Brandenburger Tor die Teilnehmer der Kundgebung der Jungen Alternative. Darunter war auch deren Landesvorsitzender, der Potsdamer Stadtverordnete Dennis Hohloch. Abgeschirmt von einem massiven Polizeiaufgebot – eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei mit zwei Dutzend Einsatzfahrzeugen – und umzäunt von sogenannten Hamburger Gittern sprachen sie trotz Megafon weitgehend zu sich selbst. Schon vor dem angekündigten Ende ihrer Veranstaltung hatten sie den Platz wieder verlassen. Laut Polizei gab es keine Störungen.

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