23.01.2018, 4°C
  • 13.03.2017
  • von Steffi Pyanoe

„Ladies Fashion Night“ in Potsdam: Laufsteg für alle

von Steffi Pyanoe

Die „Ladies Fashion Night“ trifft den Nerv vieler Frauen: Am Samstag kamen so viele Gäste wie noch nie.

Alles fing an mit vier Ausstellern und 250 Besuchern, die sich im Le Manege im Kutschstall zu einem Mode-Abend trafen. Das war 2011, die Premiere der Ladies Fashion Night. Damals mag man die junge Unternehmerin Nadine Zechlin aus Werder (Havel) belächelt haben. Für ihre Idee, in Potsdam eine Bühne für Brandenburger Unternehmer aus der Mode- und Designbranche zu etablieren. Spätestens seit Samstag ist klar, dass das Konzept funktioniert. Mehr als 1500 Gäste kamen zur siebenten Fashion Night, fast 50 Aussteller aus der Modebranche, zu Styling, Gesundheit und Fitness beteiligten sich, 20 Modegeschäfte oder Designer stellten ihre Kollektion vor, zum Sofort-Shopping und vor allem während der Modenschauen.

Längst findet das Event nicht mehr im gemütlichen Rahmen statt. Und weil 2016 auch die Schinkelhalle zu klein geworden war, zog man in diesem Jahr in die Metropolishalle – eine mutige und richtige Entscheidung. Zechlin zeigte sich Samstagnacht nach der Show erleichtert und stolz. „Wir haben das durchgezogen“, sagte die 32-Jährige immer wieder, als die letzte Show des Potsdamer Designers Marco Marcu abgefeiert war. In die große Halle zu gehen, sei die richtige Entscheidung gewesen. „Ich habe beim Filmparkmanagement relativ kurzfristig angefragt. Die schienen aber schon auf uns gewartet zu haben.“ Auch 2018 soll hier die Modenacht stattfinden, Initiatorin Zechlin hat dafür schon Anmeldungen. Malte Schatz, der Leiter für solche „Special Events“ beim Filmpark, findet das gut. Der Filmpark unterstütze die Initiative und vermietete die Halle dieses Mal zum reinen Unkostenpreis.

Weiteres Novum: IHK-Chefin Beate Fernengel, selber in der Modebranche aktiv, hatte die Schirmherrschaft übernommen. „Ich finde es toll, was Frau Zechlin gestemmt hat“, sagte Fernengel. Auch Karin Genrich, Potsdamer Unternehmerin und Ehrenpräsidentin des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, ist seit Jahren interessierte Fashion-Night-Besucherin und fand Samstagnacht anerkennende Worte für die Initiatorin, die so viele lokale Gewerbetreibende und Händler motivieren konnte. „Potsdam braucht keine Fashion Week sondern eine Veranstaltung, die tragbare Mode zeigt, das, was es hier im Handel gibt“, sagt Genrich – ein Seitenhieb auf den gescheiterten Versuch zur Etablierung eines Potsdamer Ablegers der Berliner Fashion Week.

Ähnlich sieht das auch Nadine Zechlin. „Wir brauchen eine Plattform, auf der wir zeigen, was wir hier in Potsdam, im Land Brandenburg, an tollen Unternehmen haben. Man muss zum Einkaufen nicht nach Berlin fahren.“ Dass sich bei so einer Modemesse Unternehmerinnen mehr und mehr vernetzen und unterstützen, sei ein wichtiger Nebeneffekt.

Die Gäste konnten Samstagnacht nicht nur Mode gucken, sondern auf der 1300 Quadratmeter großen Shopping- Meile gleich einkaufen. Man konnte sich Haare, Nägel oder Make-up machen lassen, ein Pilates- und Sportstudio animierte zum Mitmachen. Zahnärzte, Fotostudios, ein Uhrenatelier und Kosmetiksalons waren mit Infoständen vor Ort.

Puls der Veranstaltung waren die Modenschauen, die fast vier Stunden liefen. Von Brautkleid bis Wäsche, sportlich bis elegant, Größe 36 bis 48 war alles dabei. Die Models kamen aus Potsdam, 32 Frauen verschiedenen Alters. Auch einige Turbine-Fußballerinnen liefen über den Laufsteg. Die Buchautorin und Potsdamerin Katja Kessler moderierte den Abend und verknüpfte die Ansagen mit Comedy-Einlagen, die zum Thema ihres aktuellen Buches, einem humorigen Eheberater, passten. Ihren eigenen Ehemann, Kai Diekmann, bis vor wenigen Wochen Herausgeber der „Bild“-Gruppe, hatte sie gleich mitgebracht. Er und Töchterchen Lilli hatten sichtlich Spaß an dem Abend. „Ich finde es toll, was die Mädels für Potsdam machen“, sagte Diekmann. Ob er hier ist, weil er jetzt endlich mal Zeit hat für seine Familie? „Kein Kommentar“, sagte der Medienmann dazu, auch zu beruflichen Plänen gab es keine Aussage. Seine Frau wurde da etwas deutlicher. Er habe übergangsweise zu Hause neue Aufgabenfelder übernommen: „Kühlschrank und Keller“, sagte sie mit ihrem trockenen Humor.

Nicht nur Kessler hatte ihren Mann dabei, es saßen sogar eine ganze Menge Herren im Publikum. Der Abend war nämlich nicht ausschließlich für Frauen gedacht. An Tanzeinlagen und vor allem dem Auftritt von Soulsänger Will G. hatten alle ihren Spaß. Unter den Besuchern waren zudem viele Berliner und manche von noch weiter weg. Im Publikum außerdem: einige Berliner Promis, Janine White, Ex-Frau des Hitproduzenten Jack White, Gastrounternehmer Nils Heiliger und Tonio Kröger, gern als Werbeguru bezeichnet. Ohne politische Botschaft, sondern ganz privat, sah sich die Noch-Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein (SPD) die Modenschau an, Brandenburgs Frauenministerin Diana Golze (Linke) ließ Grüße ausrichten. Nach der Modenschau wurde gefeiert und getanzt – auch auf dem Laufsteg, der dann allen Frauen gehörte.

 

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!