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Barberini

  • 04.03.2017
  • von Erik Wenk

„Barberini After Five“ im Museum Barberini Potsdam: Wo Monets Staffelei stand

von Erik Wenk

Was für ein Mensch war Edvard Munch? Der niederländische Kunstpädagoge Peter Eurlings machte am Donnerstag den Auftakt bei "Barberini After Five". Foto: M. Thomas

Beim Auftakt der Veranstaltungsreihe „Barberini After Five“ ging es im Museum Barberini zu den Ursprüngen der modernen und impressionistischen Meisterwerke. Der Start verlief allerdings etwas holprig.

Potsdam - Wo standen Monets berühmte „Heuschober“? Welchen Standort hatte sich Pierre-Auguste Renoir ausgesucht, um die „Straße nach Berneval“ zu malen? Und wie sieht es dort heute aus? Um diesen Fragen auf die Spur zu kommen, war der Hamburger Fotograf Christoph Irrgang 2016 in halb Europa unterwegs, wo er nach den Entstehungsorten der impressionistischen Gemälde suchte, die derzeit Tausende Kunstinteressierte in das Museum Barberini locken. „Es war eine schwierige Recherche, immerhin sind seitdem über 130 Jahre vergangen und vieles hatte sich verändert“, sagt Irrgang, der am Donnerstag im Rahmen von „Barberini After Five“ seine Arbeit im Auditorium des Museums vorstellte. Die neue Veranstaltungsreihe wird ab sofort monatlich stattfinden und jedes Mal ein unterschiedliches Programm haben.

Als Munch nach Paris gekommen sei, habe sich seine Farbpalette aufgehellt

Ebenfalls mit dabei ist der Kunstpädagoge Peter Eurlings. Der Niederländer gibt zu Beginn einen Einblick zu den Hintergründen der im Museum ausgestellten Werke. Wie haben die Künstler damals gelebt, was hat sie zu ihren Werken bewegt. In Edvard Munchs Werken etwa sei seine Herkunft deutlich zu erkennen, sagt Eurlings. Er stammte aus Norwegen, dort gebe es weniger Licht. „Das Licht der langen Winter und der Midsommernächte hat er in seine Bilder einfließen lassen“, erläutert der Experte. Als Munch nach Paris gekommen sei, habe sich seine Farbpalette aufgehellt, sagt der Kunstpädagoge. Allerdings sei Munch immer wieder von Depressionen heimgesucht worden. „Er hatte aber Angst davor, eine Therapie zu beginnen. Glaubte, dass er dann nicht mehr so gut malen könne, sagt Eurlings. Tatsächlich sind einige Kunstkritiker später der Meinung, Munchs Bilder seien danach nicht mehr so stark gewesen.

Nach den Ausführungen des Niederländers beginnt der Vortrag von Irrgang, der rund 80 Fotos im Auftrag des Museums geschossen hat, die nun auf dem großen Medienboard im Auditorium zusammen mit den Gemälden angezeigt werden können. Da ist etwa das Monet-Gemälde „Antibes, le fort“, dass das Fort Carré an der Côte d'Azur zeigt: Auf dem Bild sieht man vor der Festung schwarze Felsen aus dem Wasser ragen, heute befindet sich darauf eine Terrasse mit Sonnenschirmen.

Westheider: "Oft weiß man nicht, wo etwas gemalt wurde"

Auf mehreren Trips war Irrgang in Nordfrankreich, Venedig, Zaandam (Niederlande) und in London, um den Alten Meistern nachzuspüren. „Diese Fragen, wo und wie die Maler ihre Werke geschaffen haben, beschäftigen ganz viele Menschen“, sagt Museums-Leiterin Ortrud Westheider. „Oft weiß man nicht, wo etwas gemalt wurde, das ist teils noch unerforscht.“ Durch die Fotos sollen Besucher einen besseren Zugang zu den Bildern bekommen, fügt Museums-Sprecherin Johanna Köhler hinzu. Anfangs waren es nur 34 Gemälde, für die Fotos geschossen werden sollten, doch nach und nach wurden rund 80 daraus: „Wir bekamen halt immer mehr Zusagen für Leihgaben für unsere Ausstellung“, sagt Westheider.

Nicht immer fand Irrgang auf Anhieb, was er suchte: So war das Landschafts-Gemälde „Matin, effet de soleil“ von Camille Pissaro im französischen Örtchen Éragny entstanden. Irrgang fuhr hin, fotografierte, und stellte fest, dass er einen Fehler gemacht hatte: „Es gibt nämlich zwei Éragnys, und ich bin ins falsche gefahren.“ Zudem hatte Irrgang das Pech, bei seinen Frankreich-Reisen mit Auto und Fahrrad häufig Regenwetter zu erwischen – nicht die beste Voraussetzung, wenn man die Entstehungsorte lichtdurchfluteter Meisterwerke des Impressionismus finden will. Auf der anderen Seite gab es 2016 kaum Schnee in Frankreich. Ebenfalls misslich, denn im Barberini hängen viele Gemälde von schneebedeckten Winterlandschaften. Nach 130 Jahren hätten sich eben nicht nur viele Landschaften verändert, sondern auch das Klima, so Irrgang.

"Monet ist nicht nur irgendwo herumgelaufen"

Ihn habe beim Fotografieren vor allem interessiert, wie Monet und die anderen Maler auf ihre Motive gekommen seien: „Haben sie tatsächlich exakte Schauplätze genommen oder ihre Bilder aus verschiedenen Landschaftseindrücken zusammengesetzt?“, fragt Irrgang. Was Monet angeht, treffe Ersteres zu: „Viele haben Monet ja vorgeworfen, er würde Landschaften vage und flüchtig malen, aber tatsächlich war er topographisch sehr exakt und hat die Proportionen sehr genau wiedergegeben“, sagt Irrgang. „Monet ist nicht nur irgendwo herumgelaufen, er hat lange nach den richtigen Orten zum Malen gesucht und etliche Perspektiven geprüft.“

So lebendig Eurlings seinen Vortrag auch gestaltete, so spannend Irrgangs Ausführungen sind, der Auftakt für „Barberini After Five“ ist dennoch etwas holprig: Irrgang braucht lange, bis er zum Thema kommt, erzählt viel Nebensächliches, hat öfter Probleme mit der Technik. Auch dass er den rund 30 Besuchern im Auditorium viele seiner Fotos auf einem normalen PC-Bildschirm zeigen muss, obwohl hinter ihm die meterhohe Digitalanzeige zur Verfügung steht, ist nicht gut gelöst.

Vor allem Besucher unter 35 Jahren sollen angelockt werden

Die Grundidee von „Barberini After Five“ sei, ein „After work event“ zu etablieren, sagt Johanna Köhler: Man wolle von der festen Ausstellung weggehen und immer am ersten Donnerstag im Monat verschiedene Abende gestalten, etwa mit DJs, Live-Musik, Cocktails und Snacks. So sollen vor allem Besucher unter 35 angelockt werden – die zahlen bei „Barberini After Five“ ermäßigten Eintritt. Die Events finden immer von 17 bis 21 Uhr statt. Vorbild dafür ist das Format „Phillips After Five“, dass seit Jahren erfolgreich an der Phillips Collection in Washington D.C. durchgeführt wird. Von dort kommen auch Leihgaben, mit denen das Barberini im Sommer die Ausstellung „Von Hopper bis Rothko - Amerikas Weg in die Moderne“ durchführen wird.

Für die Abende wird jeweils ein Gastgeber eingeladen, der den Abend gestaltet. Christoph Irrgangs Konzept ist allerdings recht unspektakulär ausgefallen. Neben Führung und Vortrag gab es als dritten „Programmpunkt“ noch das Angebot, Cocktails zu testen, die Irrgang bei seinen Frankreich-Reisen oft getrunken hat.

Für das nächste Mal, den 4. April, soll ein Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam etwas über die Licht- und Wetterverhältnisse auf den Bildern der Impressionisten erzählen. Bleibt abzuwarten, ob das viele junge Besucher anlocken wird, denn beim ersten „Barberini After Five“ überwogen deutlich die Über-35-Jährigen.

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