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Barberini

  • 28.02.2017
  • von Peer Straube

Museum Barberini Potsdam: Bundespräsident Gauck zu Besuch im Barberini

von Peer Straube

Exklusivführung. Barberini-Stifter Hasso Plattner (l.) hat am Montag Bundespräsident Joachim Gauck sein Museum gezeigt – inklusive dem „Jahrhundertschritt“ im Innenhof. Foto: A. Klaer

Viele Besucher waren von der Barberini-Visite des Bundespräsidenten Joachim Gauck überrascht. Der zollte höchstes Lob für das neue Museum.

Potsdam - Hasso Plattner ist überpünktlich. Die Uhr zeigt exakt 15.35 Uhr am Montagnachmittag an, als der Stifter des Museums Barberini am Alten Markt aus seinem weißen Tesla, Model S, steigt. „Es ist schon Frühling“, sagt er gut gelaunt nach einem Blick in den blauen Himmel.

Der Mäzen hat noch ein paar Minuten Zeit, bis der Bundespräsident eintrifft. Joachim Gauck soll heute eine Exklusivführung bekommen, vom Stifter selbst. Der Bundespräsident habe extra darum gebeten, weil er zur Eröffnung des Museums verhindert war, erzählt dessen Direktorin Ortrud Westheider. Auch während des Besuchs des Staatsoberhauptes soll das Haus offen bleiben, so hat es Gauck gewollt. Und so bietet sich das seit Wochen gewohnte Bild der Menschenmassen, die in Richtung Barberini strömen. 60 000 waren es seit der Eröffnung vor vier Wochen. „Es läuft gut, das liegt alles im oberen Bereich der Erwartungen“, sagt Plattner erfreut.

Nur wenige Barberini-Besucher wissen, dass Gauck erwartet wird

Wohl nur die wenigsten Besucher an diesem Tag wissen, dass hoher Besuch ansteht. Es sei „reiner Zufall“, dass er heute das Museum besucht habe, sagt etwa Peter Petschik aus Borkheide im Landkreis Potsdam-Mittelmark. „Da ist ja der große Spender“, sagt er vergnügt, als er Plattner erblickt. „Es ist traumhaft, was er hier auf die Beine gestellt hat.“ Auch Beate Flügel aus Berlin zollt höchstes Lob. Die ausgestellten Kunstwerke „sind ein Reichtum, wie wir ihn selten finden, und ich bin schon in vielen Museen gewesen“.

Um 15.57 Uhr, drei Minuten vor der Zeit, rollen die schwarzen Limousinen des Bundespräsidenten auf den Platz. „Hallo Potsdam“, ruft Gauck winkend den Schaulustigen zu, die ihm freundlichen Applaus spenden. Auch als er das Gebäude betritt, gibt es Beifall – und nicht wenige verdutzte Blicke.

Spontan reißt Gauck die Türen des Cafés auf und ruft ein vergnügtes „Guten Tag allerseits“ in die überraschten Gesichter. „Na, da habe ich ja wieder was erlebt“, entfährt es einer Frau begeistert.

Als sich der Tross in den ersten Ausstellungssaal bewegt, ist für die Neugierigen, die hinterher wollen, aber erstmal Schluss. Nur wer schon drinnen ist, kann auch drinnen bleiben. Erst, wenn der Rundgang beendet ist, können auch andere Besucher wieder in den Saal.

Manche Besucher müssen draußen warten

Nicht allen gefällt das. „Wir mussten oben schon warten und hier jetzt schon wieder“, murrt Elvi-Maria Wolf. Vielleicht hätte man Gauck lieber an einem Dienstag eine Führung geben sollen, meint sie. Dienstags ist das Haus geschlossen. „Aber persönlich gönne ich ihm das“, sagt sie dann. „Der Gauck hat bei mir viele Pluspunkte.“ Und schließlich mache der Besuch des Bundespräsidenten ja auch ihren zu einem „besonderen Erlebnis“.

Das findet auch Steffen Schürle aus Baden-Württemberg. „Dass Gauck das Barberini besucht, adelt natürlich das Gebäude“, sagt er. Ohnehin ist er sichtlich begeistert. Das Gebäude sei „toll, fantastisch und ganz hochwertig – ein echtes Aushängeschild für Potsdam“. Seine Frau unterbricht ihn, als Gauck wieder aus dem Saal kommt. „Steffen, jetzt fotografier’ doch mal!“

"Was macht denn die Frau da?"

Der Bundespräsident nimmt sich Zeit für den Besuch, mehr als geplant. Fast eine halbe Stunde müssen die Journalisten und Fotografen vor Wolfgang Mattheuers Monumentalskulptur „Der Jahrhundertschritt“ warten, bis Gauck und Plattner durch eine Seitentür den Innenhof betreten. Bei einigen liegen die Nerven schon blank. „Was macht denn die Frau da“, fragt ein Fotograf entsetzt, als sich eine Mitarbeiterin des Bundespräsidialamtes vor das Männerduo schiebt und damit ungewollt ein gutes Bild verhindert.

Nachdem das Blitzlichtgewitter verebbt ist, setzt auch der Bundespräsident zu einer Lobeshymne an. Er sei „ganz erstaunt über das wunderschöne Gebäude und die unglaublich schönen Kunstwerke“, die darin gezeigt würden, sagt Gauck. Das Barberini habe bereits großen Eindruck in der Museumslandschaft dieses Landes hinterlassen. Er wolle seinen Besuch aber ausdrücklich auch als Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements von Hasso Plattner verstanden wissen. „Das haben Sie gut gemacht“, sagt er an den Mäzen gewandt. „Das hat für mich Vorbildcharakter.“

Gauck will als Rentner wiederkommen

Der so Gefeierte bedankt sich und verspricht Gauck freien Eintritt, sollte er wie angekündigt in seinem anstehenden Rentnerdasein wiederkommen und sich „den Schätzen, die hier ausgestellt sind, noch einmal ausführlicher widmen“. Während des Rundgangs hätten sie Noten vergeben, scherzt Plattner. Das Ergebnis: Dreimal „Triple A“ – für die Ausführung des Baus, für den Inhalt und für die Begeisterung, die beides zusammen bei den Menschen auslöse. „Dass so viele kommen, ist für mich das schönste Geschenk.“

Noch einmal muss der Bundespräsident dann durch zum Fotografieren gezückte Handys Spalier laufen, im Anschluss steigt er wieder in seine Limousine. „Tschüss“, ruft er einigen älteren Damen zu und zaubert ein glückliches Lächeln auf ihre Mienen.

Auch Plattner wirkt sehr zufrieden. „So fährt der König weg“, sagt er zu seinen Mitarbeitern, als Gauck vom Platz rollt. Ein Junge macht mit ihm noch ein Selfie, dann steigt er selbst in seinen Sportwagen und fährt von dannen. Ein paar Schritte weiter stößt eine Frau ihrem Ehemann den Ellenbogen in die Rippen. „Ist ja toll“, sagt sie, „die sieht man ja sonst nur im Fernsehen.“

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