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  • 25.02.2017
  • von Henri Kramer

Aufregung um Männerklos im Club "Pirschheide": Frauenpolitischer Rat fordert: Pissoirs wieder abnehmen

von Henri Kramer

Ist das Kunst oder kann das weg? Über diese Pissoirs im Club "Pirschheide" wird derzeit gestritten. Foto: M. Thomas

Wie ein offener Frauenmund mit knallroten Lippen: Über die Männerklos im neuen Club "Pirschheide" wird derzeit kontrovers diskutiert. Der Frauenpolitische Rat des Landes Brandenburg will, dass diese schnell demontiert werden.

Potsdam - Die Pissoirs im neuen Potsdamer Club „Pirschheide“ sehen besonders aus: Sie sind wie ein offener Frauenmund mit knallroten Lippen geformt. Diese Gestaltung sorgt beim Frauenpolitischen Rat des Landes Brandenburg für Unverständnis. In einer gemeinsamen Mitteilung mit der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Martina Trauth-Koschnick sowie dem Potsdamer Frauenzentrum in der Schiffbauergasse erklärt der Rat nun: „Wir schlagen vor, diese Urinale schnellstmöglich zu demontieren.“

Der Frauenpolitische Rat, ein Zusammenschluss von rund 20 Frauenorganisationen, begründet seinen Protest wie folgt: „Es geht uns nicht darum, ob jemand es lustig oder anderweitig anregend findet, sich vorzustellen, dass er jemandem in den Mund uriniert. Aber an einem öffentlichen Ort damit zu kokettieren, dass bereitwillig aufgesperrte Frauenmünder jederzeit für die Verrichtung der männlichen Notdurft bereitstehen, ist bestenfalls gedankenlos und schlimmstenfalls frauenverachtend.“

Die Debatte um die Frauenmund-Pissoirs ist nicht neu

Tatsächlich ist die Debatte um Toiletten dieser Art nicht ganz neu. Denn das Design der Urinale unter dem Namen „Kisses!“ habe schon mehrfach Anlass für Empörung gegeben, erklärt der Frauenpolitische Rat. So habe sich die US-amerikanische National Organization of Women erfolgreich gegen die Anbringung dieser Pissoirs in Lounges der Fluggesellschaft Virgin Atlantic gewehrt, ebenso seien diese Toiletten aus der Opernpassage in Wien entfernt worden.

Ärger mit Feministinnen hatte es auch im Rolling Stones-Fanmuseum in Lüchow (Niedersachsen) gegeben, wo die Urinale trotz der Kritik angebracht sind – in Anlehnung an das Plattenlogo der Band. Doch im Gegensatz zum Stones-Logo fehle bei dem Mund-Pissoir die ausgetreckte Zunge, bemängelt der Frauenrat – und gegen diese Assoziation spreche schon der Name „Kisses!“.

"Pirschheide"-Betreiber: "Das ist Kunst"

„Pirschheide“-Betreiber Ronald Engelhardt, ein Elektromontage-Unternehmer aus Werder (Havel), kann den Ärger nicht nachvollziehen. „Das ist Kunst – und kein Frauen- oder Männermund.“ Wer damit ein Problem habe, solle gern vorbeikommen. Sein Club, für den er das frühere Bahnhofsgebäude mithilfe von Krediten gekauft und umgebaut hat, soll im Mai öffnen (PNN berichteten). Dann sollen unter anderem Firmenevents, Kabarett- und Comedy-Shows, Lesungen sowie Konzerte stattfinden. Am Freitag erfolgte laut Engelhardt die Bauabnahme.

Übrigens: Der Club „Pirschheide“ ist nicht die einzige Einrichtung in Potsdam, in der die roten Mund-Pissoirs auf den Männertoiletten hängen. Auch das neu eröffnete Fitnessstudio „John Reed“ im Marktcenter an der Breiten Straße hat solche Becken installiert. Auf den Frauenpolitischen Rat und seine Unterstützerinnen wartet noch mehr Arbeit.

 

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