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  • 10.02.2017
  • von Henri Kramer

Schulen in Potsdam: Lernen zwischen wirbelnden Staubflocken

von Henri Kramer

Mehrere Potsdamer Schulen kritisieren die Reinigungsarbeiten. Foto: Jens Büttner/dpa (Symbolbild)

Mehrere Potsdamer Schulen kritisieren die mangelnde Sauberkeit an ihren Einrichtungen. Das Rathaus will nun gegensteuern.

Potsdam - Verschmutzte Klassenräume, unangenehm riechende Toiletten: Mehrere Schulen in Potsdam schlagen Alarm, weil die Gebäude seit einigen Monaten schlecht gereinigt sind. Das hat eine PNN-Umfrage ergeben. So bemängelte die Leiterin des Helmholtz-Gymnasiums, Grit Steinbuch, eine nur noch oberflächliche Säuberung. Die Folge sei, dass Klassenzimmer selbst bei schlechtem Wetter nur noch jeden zweiten Tag sauber gemacht würden: „Entsprechend sehen sie aus.“ Das erst 2014 verlegte Linoleum in der Innenstadt-Schule sei schon beschädigt, weil eine „angemessene Bodenpflege fehlt“.

Beschwerden kommen auch von der Karl-Foerster-Schule in Bornstedt. Der Vorsitzende der Schulkonferenz, Ronny Kay, berichtete von umherfliegenden Staubflocken in Räumen, die gewischt werden müssten, ebenso von verschmutzten Fenstern und Elternaktionen, um Nebenräume wie die Bibliothek zu säubern. Im Januar hatte auch die Linke in einer Anfrage an die Stadt über Beschwerden zu mangelnder Sauberkeit der Räume und sanitären Anlagen im Humboldt-Gymnasium berichtet. Der Vorsitzende des Kreiselternrats, Markus Kobler, sprach von einem Problem, das „immer wieder“ auftauche – akut an der Dortu-Grundschule.

Zeitmangel oder nicht qualifiziertes Personal?

Hauptverantwortlich für die Pflege der Schulen ist der Kommunale Immobilienservice (Kis) im Rathaus, der für die Reinigungsarbeiten jeweils Firmen beauftragt. Bei den aktuellen Fällen wird immer wieder eine Firma aus Merseburg (Sachsen-Anhalt) genannt, die seit diesem Schuljahr einige Potsdamer Schulen neu übernommen hat. Helmholtz-Leiterin Steinbuch sagte, die Probleme seien offenbar dem enormen Zeitdruck geschuldet, der auf den eigentlich engagierten Reinigungskräften lastet. Ihr Eindruck: Die Firma bezahle die notwendige Stundenanzahl nicht. Ronny Kay aus der Foerster-Schule hat andere Beobachtungen gemacht: Demnach wechsele das von der Firma zur Verfügung gestellte Personal regelmäßig und sei aus seiner Sicht nicht hinreichend eingewiesen und qualifiziert. „Mehrere Gespräche sowohl mit dem Kis als auch dem Dienstleister haben bisher zu keiner Verbesserung geführt“, kritisierte Kay.

Der Kis reichte die Kritik an die Firma durch: Die Mängel an der Reinigungsleistung im Humboldt-Gymnasium etwa seien wiederholt beim Dienstleister angezeigt worden, der „zur Nacharbeit aufgefordert wurde“. Das zumindest sei dann auch passiert. Den PNN teilte der Kis mit: „Wir nehmen die Anliegen der betroffenen Schulen sehr ernst und sind uns der zum Teil schwierigen Lage bewusst.“ Nach „Schlechtarbeiten“ müssten – entsprechend der Vertragsmöglichkeiten – fristgerechte Nacharbeiten geleistet werden, zudem gebe es in solchen Fällen verstärkte Kontrollen. „Wir sehen ein weiteres Problem beim wechselnden Personal des Dienstleisters“, sagte ein Sprecher. Er räumte allerdings auch einen Personalnotstand an qualifizierten Reinigungskräften auf dem Arbeitsmarkt ein. Die Firma äußerte sich auf PNN-Anfrage am Donnerstag nicht weiter zu den Beschwerden.

Der Kommunalservice muss die günstigste Reinigungsfirma nehmen

Längst beschäftigt sich die Politik mit dem Thema. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses der Stadtverordneten, Clemens Viehrig (CDU), sagte: „Lernorte müssen Wohlfühlorte für Schüler und Lehrer sein.“ Daher müsse in den Problemschulen über eine kurzfristige Anpassung der aktuellen Vertragsdetails nachgedacht werden. Der Linke-Bildungsexperte Stefan Wollenberg erklärte: „Die Qualitätsprobleme sind unabhängig von den konkret ausführenden Firmen seit Jahren immer wieder ein Thema – ganz offensichtlich sind Häufigkeit, Qualitätsvorgaben und veranschlagtes Budget nicht ausreichend für das, was in den Schulen erforderlich ist.“ Der Kis müsse seine Vorgaben dringend anpassen. Von Schulvertretern hieß es weiter, ein Problem sei auch, dass der Kis für Reinigungsfirmen das günstigste Angebot auswählen müsse. Kobler vom Kreiselternrat schlug vor, kurzfristig könnte zumindest eine tiefgreifende Grundreinigung betroffener Schulen an freien Tagen angeordnet werden.

Zumindest die zum Jahresende anstehenden Ausschreibungen will der Kis anpassen. Es würden mehrere Varianten erwogen, hieß es. So gebe es Überlegungen, die geltenden Qualitätsstandards um weitere hausspezifische Faktoren zu erweitern. Darüber hinaus prüfe der Kis Modelle, bei denen etwa das bestehende Recht der Reinigungsfirma zur straflosen Nachbesserung von Sauberkeitsmängeln „nur noch eingeschränkt bestehen bleibt“. Außerdem werde geprüft, in welchem Umfang ein Anreizsystem für die Reinigungskräfte „für eine mangelfreie Leistungserbringung“ entwickelt werden kann, so der Kis.

Reinigungskosten von 2,1 Millionen Euro pro Jahr

Insgesamt gab der Kis für die Reinigung an Potsdamer Schulen zuletzt rund 2,1 Millionen pro Jahr aus. 2004 hatte der städtische Eigenbetrieb diese Aufgabe übernommen. Damit hätten die ursprünglichen Kosten um fast 30 Prozent reduziert werden können, so der Kis – zum Beispiel durch die Zusammenfassung ursprünglicher Einzelverträge. Der Leistungsumfang sei trotz der Kostensenkung nicht reduziert worden, so der Kis.

 

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Weil gleich mehrere Schulen akute Sauberkeitsmängel melden, sollte der zuständige Kommunale Immobilienservice schnell handeln. Ein Kommentar.

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