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Garnisonkirche

  • 02.02.2017
  • von Yvonne Jennerjahn

Garnisonkirche in Potsdam: Architekturexperte tritt wegen Garnisonkirche aus Kirche aus

von Yvonne Jennerjahn

"Man nimmt mit dem Vorhaben bewusst in Kauf, in Stadt und Kirche Unfrieden zu stiften", sagte Philipp Oswalt über den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Foto: Hendrik Schmidt/dpa (Archiv)

Weil ihn der Umgang mit der Geschichte der Garnisonkirche und dem Wiederaufbau gestört hat, ist Philipp Oswalt, ehemaliger Direktor der Bauhaus-Stiftung, aus der Kirche ausgetreten. Die Garnisonkirchen-Stiftung weist die Vorwürfe zurück.

Potsdam/Berlin - Der frühere Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, Philipp Oswalt, ist wegen der Potsdamer Garnisonkirche aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Er sei seit Anfang 2017 nicht mehr Mitglied der Kirche, sagte der Architekt dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch in Berlin. Ausschlaggebend für den Kirchenaustritt sei der Umgang mit der Geschichte der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Garnisonkirche und dem geplanten Wiederaufbau innerhalb der evangelischen Kirche gewesen. Mit dem Projekt werde eine „Verfälschung der Geschichte“ betrieben, sagte Oswalt.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wollte sich am Mittwoch nicht zu dem Kirchenaustritt äußern. Die Garnisonkirchenstiftung wies die Vorwürfe zurück. Seit die Stiftung sich auf den Wiederaufbau des Kirchturms konzentriere und das inhaltliche Konzept der Erinnerung an die Geschichte, der Verantwortung für die Zukunft und der Versöhnung deutlich mache, stoße sie auf viel Zustimmung, sagte Vorstand Wieland Eschenburg: „Das Projekt erfährt ganz viel Zuspruch aus kirchlichen und nicht-kirchlichen Kreisen.“ Für das im Nutzungskonzept vorgesehene Versöhnungszentrum und als Ort von Friedensarbeit sei der Wiederaufbau der Garnisonkirche in historischer Gestalt nicht nötig, schreibt Oswalt in einem Brief an die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein, der dem epd vorliegt. Sinnvoll wäre dafür stattdessen eine ergebnisoffene Suche danach, „was heute eine angemessene bauliche Form für diesen Zweck an diesem Ort“ sein könnte.

Der Garnisonkirchen-Wiederaufbau werde "von den politischen und kirchlichen Eliten herbeigeführt"

Für die Verfechter des Wiederaufbaus stehe jedoch die „Wiedergewinnung der historischen baulichen Form“ im Vordergrund. Die Idee von Frieden und Versöhnung werde dafür nur instrumentalisiert und sogar konterkariert, schreibt Oswalt weiter: „Man nimmt mit dem Vorhaben bewusst in Kauf, in Stadt und Kirche Unfrieden zu stiften.“ Der Wiederaufbau habe „keine substanzielle zivilgesellschaftliche Basis“, sondern werde „von den politischen und kirchlichen Eliten herbeigeführt“, schreibt Oswalt weiter. Der Umgang mit dem Thema Garnisonkirche habe sein „generelles Unbehagen an einer zu eng mit dem Staat verbundenen Kirche“ bestätigt. Mit dem Potsdamer Projekt sei für ihn nun „eine rote Linie überschritten“ gewesen.

In einem Schreiben der Stiftung an die Generalsuperintendentin, das epd vorliegt, weist der theologische Vorstand Martin Vogel die Vorwürfe zurück und bedauert den Kirchenaustritt. „Eine kritische Begleitung und auch Ablehnung unseres Projektes können wir durchaus akzeptieren“, heißt es dort: „Dass wir als Begründung für einen Kirchenaustritt herhalten sollen, vermögen wir allerdings nicht nachzuvollziehen.“ Philipp Oswalt ist Professor für Architekturtheorie und Entwerfen an der Universität Kassel und war von März 2009 bis Februar 2014 Direktor der Bauhaus-Stiftung in Dessau. (epd)

 

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Der Bund wird die zwölf Millionen Euro für die Errichtung des barocken Turms der Garnisonkirche bewilligen. Darauf einigten sich Union und SPD. Dem Baubeginn im Oktober steht damit nichts mehr im Wege.

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