24.09.2017, 17°C
Themenschwerpunkt:

Barberini

  • 17.01.2017
  • von Katharina Wiechers

Neues Museum Barberini Potsdam: In der Einflugschneise

von Katharina Wiechers

Auf dem Alten Markt herrscht dieser Tage reges Treiben. Am Freitag findet die offizielle Eröffnung mit viel Prominenz statt, am Samstag öffnet das Museum kostenlos seine Türen. Für die Gewerbetreibenden in der Nachbarschaft ist das neue Haus ein Glücksfall. Foto: Andreas Klaer

Für Händler und Gastronomen ist das neue Museum Barberini ein Glücksfall. Andere blicken eher verhalten auf die Eröffnung.

Potsdam - Die Bratwürste hat Robert Busse schon bestellt, ab Mittwoch will er außerdem schon Mal mit dem Glühwein-Vorkochen beginnen. Schließlich soll am Samstag von allem genug da sein, wenn der große Ansturm kommt. Robert Busse ist Betreiber des Café Central im Potsdam Museum – und damit direkter Nachbar des neuen Barberini-Museums. Dieses öffnet am Samstag kostenlos seine Türen, im Rahmen des Stadtfestes „Unterwegs im Licht“. Tausende Menschen werden dann auf den Alten Markt strömen – zur Freude der Gewerbetreibenden und Gastronomen vor Ort.

„Noch ist der Platz etwas leer“, sagt Busse, der das Café seit Oktober betreibt. Auch die baustellenbedingten Betonklötze vor der Tür laden nicht gerade zum Nähertreten ein, zudem fehlt ein auffälliges Schild, das auf das Café im Souterrain hinweist. Über einen Schriftzug am Gebäude liefen Gespräche mit dem Denkmalschutz, sagt Busse. So lange müssen zwei kreidebeschriebene Aufsteller reichen.

Doch Busse ist zuversichtlich. Schon im Vergleich zum Oktober habe sich der Alte Markt positiv entwickelt, und mit der Barberini-Eröffnung werde er noch weiter belebt, ist er sich sicher. Für Samstag hat Busse eine Jazzband engagiert, außerdem will er besagte Bratwürste, vegetarische Wraps und hausgemachten Glühwein an einem Stand vor dem Café anbieten. Ab 15 Uhr ist das Barberini offen, Zeitfenster wie bei den „Empty-Museum“-Besuchertagen gibt es diesmal nicht. Die Schlangen auf dem Alten Markt werden also lang sein – vermutlich auch an Robert Busses Wurststand.

In der Touristeninfo gibt es schon jetzt viele Anfragen

Auch die Touristeninfo in der Humboldtstraße stellt sich auf den Besucheransturm ein. Statt wie sonst bis 19 Uhr soll die Filiale dann ausnahmsweise bis 21 Uhr geöffnet haben. Schon jetzt gebe es viele Anfragen wegen des Museums, sagt eine Mitarbeiterin. Nebenan ist vor einigen Monaten eine Filiale von „Leguano“ eingezogen, der rücken- und gelenkschonende Schuhe mit „Barfußgefühl“ verkauft. Mitarbeiterin Jana Neumann bekommt geradezu leuchtende Augen, als sie nach den Kundenzahlen gefragt wird. „Die Resonanz ist toll, gerade im Sommer hatten wir wahnsinnig viel Laufkundschaft“, berichtet sie. Andere wiederum kämen immer wieder, brächten Familie und Freunde in das Geschäft, um sie von den Spezialschuhen zu überzeugen. Auf die Barberini-Eröffnung freut man sich auch im „Leguano“ – schließlich liegt der Laden direkt in der „Einflugschneise“ der Museumsbesucher, die vom Hauptbahnhof her kommen.

Selbiges könnte man auch über den Burgerladen „Peter Pane“ sagen, der am Otto-Braun-Platz liegt, neben Bäcker Steinecke und dem italienischen Restaurant L’Osteria. Auch hier ist man sehr zufrieden mit dem Standort, auch der Umbau, der nach einem Markenstreit mit der Münchner Kette „Hans im Glück“ stattgefunden hat, tat der Beliebtheit offenbar keinen Abbruch. Einen besonderen Schichtplan gebe es für Samstag nicht, sagt Mitarbeiterin Desiree Reinhold, die gerade am Tresen Getränke zapft. Zwischen 17.30 und 21 Uhr sei es im „Peter Pane“ ohnehin immer proppevoll und die Zahl der Mitarbeiter entsprechend hoch. Dass es am Samstag noch mehr als sonst werden, glaubt sie nicht. „Von den Besuchertagen haben wir damals auch nicht wirklich was gemerkt“, sagt sie. Schon im Dezember hatte das Barberini eine Woche kostenfrei seine Türen geöffnet. Obwohl damals keine Bilder im Museum hingen, kamen fast 25 000 Besucher.

FH-Studenten blicken teilweise verhalten auf die Barberini-Eröffnung

Das Barberini ist quasi der vorvorletzte Baustein bei der Rekonstruktion des Alten Marktes – nach dem Landtagsschloss und den Gebäuden in der Humboldtstraße. Dann fehlen noch die Häuser in der Brauerstraße nördlich des Barberini und das neue Quartier, das anstelle der alten Fachhochschule entstehen soll. 2018 soll diese abgerissen werden, zum Bedauern vieler Studenten. Entsprechend verhalten blicken diese auch auf das, was am anderen Ende des Alten Marktes vor sich geht. „Ich habe nichts gegen Kunst“, sagt Student Steffen, der gerade zur Raucherpause vor das Gebäude getreten ist. Aber mit der Eröffnung sei eben auch der FH-Abriss verbunden. Dass viele das Gebäude als Schandfleck bezeichnen, weiß er. „Aber würde man nur die Hälfte der Baukosten für das Barberini in die Sanierung der FH stecken, wäre das auch kein Schandfleck mehr.“ Trotzdem kann er sich vorstellen, mal die eine oder andere Ausstellung im Barberini anzusehen. Kunst ist Kunst.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!