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Barberini

  • 16.01.2017
  • von Henri Kramer

Neues Museum Barberini Potsdam: Barberini soll Millionen bringen

von Henri Kramer

Magnetwirkung. Eine Woche noch, dann ist das Museum Barberini am Alten Markt für das Publikum geöffnet. Die Tourismusbranche reibt sich schon jetzt die Hände. Experten erwarten positive Auswirkungen auch für Gastronomie, Handel und andere Kultureinrichtungen der Stadt. Foto: Johanna Bergmann

Potsdams Tourismusbranche rechnet damit, dass das neue Museum Barberini ein Besuchermagnet wird - und der Stadt mehrere Millionen Euro zusätzlich beschert. Die Vermarktung scheint aber noch ausbaufähig.

Potsdam - Das kurz vor der Eröffnung stehende Museum Barberini dürfte der Tourismuswirtschaft in Potsdam ein Umsatzplus von jährlich mehreren Millionen Euro zusätzlichen bescheren. „Wir rechnen damit, dass das Museum ein Besuchermagnet wird“, sagte Birgit Kunkel von der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) auf PNN-Anfrage. „Man kann mit Sicherheit mit einer sehr hohen Besucherzahl rechnen“, sagte auch Raimund Jennert, der Chef des kommunalen Tourismusvermarkters, die Potsdam Marketing und Service GmbH (PMSG).

Viele Touristen würden auch wegen des Barberinis nach Potsdam kommen

Und zusätzliche Besucher bringen auch mehr Geld: Nach einem Gutachten des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr liegt der durchschnittliche Tagesumsatz im Ausflugsbereich bei etwa 33 Euro pro Tourist, bei Übernachtungsgästen in der Hotellerie seien es 187 Euro. „Je 100 000 zusätzlichen Besuchern liegt man also bei einem Umsatz zwischen 3,3 und 18,7 Millionen Euro“, sagte Jennert. Zuletzt erwirtschaftete die Potsdamer Tourismuswirtschaft laut Stadt insgesamt knapp 750 Millionen Euro bei einer zugleich leicht steigenden Übernachtungszahl von fast einer Million Menschen allein bis Oktober. Jennert sagte, interessant sei daher vor allem, wie viele Besucher nach der weltweit mit Spannung erwarteten Barberini-Eröffnung auch in den kommenden Jahren wegen des Museums nach Potsdam kämen.

Kunkel von der TMB ist da zuversichtlich. Denn das von Software-Milliardär Hasso Plattner gestiftete Museum spreche gerade Kulturreisende an – und bundesweit liege das Interesse von Gästen, in ihrem Urlaub speziell Kulturangebote nutzen, bei immerhin 44 Prozent. Zudem gehöre vor allem der Städtetourismus in Deutschland seit Jahren zu den Wachstumstreibern der Branche, so Kunkel.

 „Das Barberini ist aber auch eine Chance für die anderen Kunst-Einrichtungen der Stadt“

Auch Potsdams oberster Wirtschaftsförderer Stefan Frerichs ist optimistisch. Denn Ähnliches habe er einmal in seinem Geburtsort Emden in Niedersachsen erlebt, als der langjährige Stern-Chef Henri Nannen dort 1986 eine Kunsthalle eröffnet habe, die bis heute das herausragende touristische Merkmal der Stadt sei. „Ich glaube, die positiven Effekte des Museums für den Tourismus-, Wirtschafts- und Wohnstandort Potsdam können wir alle noch gar nicht richtig absehen“, sagte der Frerichs. Vom Gesamtumsatz würden voraussichtlich zu jeweils knapp 40 Prozent das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie der Einzelhandel profitieren, der Rest verteile sich auf andere Dienstleistungen. TMB-Sprecherin Kunkel erwartet, dass selbst Anbieter von Stadtrundfahrten oder der Fahrgastschifffahrt profitieren. „Das Barberini ist aber auch eine Chance für die anderen Kunst-Einrichtungen der Stadt.“ Ein kunstinteressiertes Publikum, das vom Museum angelockt nach Potsdam kommt, werde sicherlich neugierig werden und damit auch weitere Angebote nutzen. „Eine enge Vernetzung macht daher Sinn.“ Das Museum könne sicherlich auch inspirierend wirken: Bei der Art der Vermittlung der Kunst werde das Barberini „Maßstäbe setzen“, glaubt Kunkel.

Doch für den Standort Potsdam sei das Museum auch in anderer Hinsicht relevant – als sogenannter weicher Standortfaktor, wie Rathaussprecher Markus Klier sagte. „Das Image einer Stadt oder die Lebensqualität werden immer wichtiger, wenn Unternehmen über Investitionen entscheiden.“ Zudem sei mit zusätzlichen Folgeinvestitionen, etwa im gastronomischen oder kunstaffinen Einzelhandelsbereich, zu rechnen, so Klier – „wie das schon jetzt am Alten Markt zu sehen ist“. Das Haus auch werde damit auch zur Wiederbelebung der alten Potsdamer Mitte beitragen. Die Industrie- und Handelskammer erwartet, dass mit dem Museum auch mehr Veranstaltungen von internationalem Rang nach Potsdam geholt werden könnten – zumal sich die Stadt in Zukunft noch stärker als Kongress-Standort etablieren will. Die Teilnehmer könnten dann in einer Pause auch das Barberini besuchen.

Noch kein spezielles Barberini-Reise-Arrangement

Allerdings gibt es für das neue Kunstmuseum bisher kein von der Stadt vermarktetes Reise-Arrangement, etwa in Verbindung mit Übernachtungen oder Restaurant-Angeboten. Dazu laufen wie berichtet bisher noch Gespräche. In der am Freitag vorgestellten Tourismus-Konzeption der Stadt, die bis 2025 gelten soll, ist das Museum nur an zwei Stellen erwähnt, eine Handlungsempfehlung gibt es nicht. Allgemein heißt es nur, die Potsdamer Mitte müsse in der Vermarktung stärker hervorgehoben werden. TMB-Sprecherin Kunkel sagte, zumindest das Land habe das Barberini im vergangenen Jahr schon bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin beworben. „Seitdem kommunizieren wir das Thema sehr aktiv.“

Das mit einer aufwendigen barocken Fassaden geschmückte und mit allen technischen Finessen ausgestattete Museum war innerhalb von drei Jahren errichtet worden. Davon hat auch das regionale Handwerk profitiert. „Uns wurde von beteiligten Unternehmen berichtet, dass der Auftraggeber Wert darauf gelegt hat, regionale Betriebe zu beteiligen“, sagte der Chef der Potsdamer Handwerkskammer, Ralph Bührig. Das sollte beispielgebend für andere Bauprojekte in der Mitte sein.

Barberini während "Unterwegs im Licht" kostenlos geöffnet

Den Kunstbetrieb selbst wird die Plattner-Stiftung finanzieren. Geplant sind wechselnde Ausstellungen zu allen Kunstepochen. Eingeweiht wird das Haus am Freitag im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), offiziell eröffnet wird es am kommenden Montag mit drei Ausstellungen, unter anderem zum Impressionismus. Aber schon am nächsten Samstag wird es im Rahmen des Stadtfestes „Unterwegs im Licht“ ab 15 Uhr kostenlos geöffnet sein. Für die Stadt ist eine große Lichtershow auf dem Alten Markt geplant. Das Museum wirbt: „Licht hat nicht nur die Impressionisten inspiriert.“ Zum Fest werde eine „Lightpainting-Künstlerin das nächtliche Potsdam für uns verzaubern“.

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