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Themenschwerpunkt:

Das neue Potsdam

  • 13.01.2017
  • von Steffi Pyanoe

PNN-Serie "Das neue Potsdam": Appartementhäuser Lume Sieben: Schräge Sache

von Steffi Pyanoe

Weiß wie Schnee. Lume Sieben ist klare, moderne Architektur, verspricht Wohnen mittendrin, naturnah und doch ganz privat, darauf verweist das Schild in der Straße Am Klubhaus. Die Postfrau in der Stahnsdorfer Straße darf aber aufs Gelände. Erst 2013 wurde das „Waldschlösschen“ abgerissen ( r.).

In den Appartements Lume Sieben an der Stahnsdofer Straße wohnt man sehr exklusiv. Die Käufer schätzen die moderne Architektur und die Abgeschiedenheit.

Potsdam wächst rasant, überall in der Stadt schießen neue Wohnviertel empor. Doch wie lebt es sich dort eigentlich? Die PNN besuchen die Quartiere und stellen sie in der Serie „Das neue Potsdam“ vor. 

Heute: Appartementhäuser Lume Sieben an der Stahnsdorfer Straße (Folge 19).

 

Babelsberg - Es wurde sehr kritisch beäugt, was hier entstand. Schon der Rohbau war irgendwie anders, eine komische Grundform, die etwas von einem Ufo hatte und, als sie fertig wurde, mehr und mehr an die weiße Architektur der Bauhausmoderne erinnerte. Durch Farbkontraste und einen kleinen Absatz im Erdgeschoss scheinen die Gebäude jetzt fast über dem Boden zu schweben. Die Horizontalen sind betont, Balkone schmiegen sich wie Wellen an die Fassade, alles ist leicht und fließend. Die Häuser würden auch in einen Straßenzug von Tel Aviv passen.

Die Potsdamer wunderten sich zunächst über die vielen Schrägen. Dem Architekten schienen die rechten Winkel ausgegangen zu sein, und das nicht nur außen. Vor allem bei den Grundrissen zeigt sich die Lust auf unkonventionelle Lösungen. Das Objekt Lume Sieben, zwei Appartementhäuser in Babelsberger Randlage zwischen Stahnsdorfer Straße und Straße Am Klubhaus, durfte sogar am Tag der Architektur 2016 besichtigt werden.

Ein Drittel der Käufer aus Potsdam

Bewohnt ist es schon längst. Im Februar 2013 war Baubeginn, im Sommer 2014 Fertigstellung. Die 21 Wohnungen waren schnell verkauft. Zwei Drittel der Käufer kamen aus dem Bundesgebiet, ein Drittel aus Potsdam. Darunter auch einige, die es nach Umwegen zurück in ihre Heimat zog. „Ist ja nicht so einfach mit Wohnraum in Potsdam“, sagt eine Bewohnerin. Sie war froh, in der Stadt ihrer Wahl eine Immobilie gefunden zu haben, die stadtnah ist, aber auch ein bisschen im Grünen, und die nicht so ganz nullachtfünfzehn aussieht. Die moderne Architektur konnte sie nicht schrecken. Im Gegenteil. „Wir haben uns sofort wohlgefühlt.“ Sie zeigt die diagonale Wohnzimmerwand, vor der jetzt eine Couch steht. Die sanfte Rundung einer Wand im Flur. Die Schlafzimmer, sagt sie, sind vergleichsweise konventionell geschnitten. Trotzdem habe es manche Interessenten doch abgeschreckt. „Der Entwurf eignet sich gut zum Polarisieren. Entweder man ist begeistert oder man findet es schrecklich.“

Die Ausstattung ist hochwertig, ohne protzig zu sein, es wurde an der richtigen Stelle investiert. Bodentiefe Holzfenster, Fußbodenheizung, extrahohe Decken. „Wir wohnten vorher in einem Altbau und konnten uns einen Neubau erst nicht vorstellen“, sagt sie. Das Haus sei ein schöner Kompromiss – und man lerne es bald zu schätzen, dass in einem Neubau eben alles perfekt funktioniert.

Auch die Hausgemeinschaft sei in Ordnung, es sei eine angenehme soziale Durchmischung von Jung und Alt, Singles, Paare, Familien mit Kindern in jedem Alter. Im Sommer soll es wieder ein Hoffest geben, spontane Gartenpartys gibt es auch hin und wieder.

Das Gebäude wurde so geplant, dass der 400 Jahre alte Baum erhalten bleibt

Dort im Innenhof steht eine mächtige alte Eiche, die zum Teil der Grund für den ungewöhnlichen Architekturentwurf war. „Wir haben die Gebäude so geplant, dass der 400 Jahre alte Baum erhalten bleibt“, sagt Christian Daniel von Lume Development. „Die Gebäudestruktur schmiegt sich quasi um die Eiche, daraus entstand die ungewöhnliche geometrische Form, die wir dann auf das gesamte architektonische Konzept übertragen haben.“ Architekt Yves Päschke orientierte sich dabei straßenseitig an den Gebäudefronten der Nachbarhäuser. Im Innenbereich des 3500 Quadratmeter großen, überbauten Areals dominiert die Moderne. Beide Gebäude haben einen individuellen Grundriss mit je drei Wohnflügeln, die viel Fensterfront in alle Himmelsrichtungen zulassen. Es gibt Etagenwohnungen und Penthäuser über zwei Etagen, mit Atrium oder Balkon auf Baumwipfelhöhe. Weil man geschickt plante, passte eine Etage mehr als vorgesehen aufs Haus, zwischen Traufhöhe und First ist ein Dachgeschoss über fast die gesamte Grundfläche entstanden. Die steile Dachschräge schafft Platz, aber lässt das Geschoss weniger wuchtig wirken – alles wird optimal ausgenutzt. Fahrstühle gehören selbstverständlich auch zur Ausstattung.

Eingebettet in die Bebauung ist der Parkplatz, der teilweise mit Solarpaneelen überdacht ist, zur Warmwasseraufbereitung. Drumherum ist alles grün, zu den Erdgeschosswohnungen gehören Terrassen und jeweils ein kleiner Gartenteil, 80 bis 250 Quadratmeter. Mittendrin steht die alte Eiche. Wem das an Natur nicht reicht, der muss nur ein paar Schritte tun und steht im Kiefernwäldchen zwischen Straße und Bahntrasse. Und noch ein paar Hundert Meter weiter, vorbei am Uni-Campus Griebnitzsee und Steinstücken, beginnt die Parforceheide, zum Spazieren und Laufen. Wer in Lume Sieben wohnt, schätzt die Ruhe und Abgeschiedenheit.

"Man hat hier lieber seine Ruhe"

Manche so sehr, dass sie penibel darauf achten, dass sich auch kein Fremder auf die Anliegerstraße und in die Wohnanlage verirrt. Sonst wird man unter Umständen nachdrücklich vom Platz gebeten. Um Haustür und Klingelschild zu erreichen, muss man freilich das Gelände betreten. Eigentlich kein Problem, heißt es von Lume. „Na ja, man hat hier lieber seine Ruhe“, sagt allerdings ein Mitarbeiter vom Hausmeisterdienst. Richtung Wald müssen die Anwohner auch nichts befürchten, hier kann man auf der ruhigen Straße Am Klubhaus, einer Sackgasse, die zum Lindenpark führt, auch mal Fußball spielen, und im Wald hämmert nur der Specht. In der Stahnsdorfer Straße jedoch bekommen sie demnächst Hunderte Nachbarn, in den kommenden Monaten werden hier elf Mehrfamilienhäuser bezogen. Und es wird weiter gebaut. Möglicherweise entsteht auf der Sandscholle demnächst auch eine Grundschule, eine Kita gibt es dort schon, neue Nahversorger sollen kommen. Die vielen neuen Babelsberger sind sicher auch ein Garant, dass die Buslinie 616, erst vor zwei Jahren eingerichtet, erhalten bleibt oder möglicherweise sogar ausgebaut wird. Früher oder später wird das modernere Experiment Lume Sieben eines von vielen neuen Quartieren in der Nachbarschaft sein – eine ganz normale Mischung am schönen Stadtrand.

Die nächste Folge lesen Sie am Dienstag.

 


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