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Themenschwerpunkt:

Das neue Potsdam

  • 10.01.2017
  • von Peer Straube

PNN-Serie "Das neue Potsdam": Hügelweg in Bornim (18): Wie auf dem Lande

von Peer Straube

Die zuletzt entstandenen Einfamilienhäuser in Bornim sind um einen breiten Anger gruppiert, was den ländlichen Charakter unterstreicht. Vor zehn Jahren war das Gebiet zwischen Hügelweg und Potsdamer Straße noch dünn besiedelt. Heute stehen Häuser, wo es früher Wiesen und Felder gab.

In Bornim sind in den letzten Jahren Hunderte neuer Einfamilienhäuser entstanden. Der dörfliche Charme blieb – überwiegend.

Potsdam wächst rasant, überall in der Stadt schießen neue Wohnviertel empor. Doch wie lebt es sich dort eigentlich? Die PNN besuchen die Quartiere und stellen sie in der Serie „Das neue Potsdam“ vor. 

Heute: Reihenhäuser in Bornim (Folge 18)

 

Bornim - Kaum zu glauben, dass sich die Szenerie in einer Stadt befindet. Ein vom ersten Schnee weiß überzuckerter, langgestreckter Platz, bepflanzt mit kleinen Vogelbeerbäumen. Drumherum stehen kleine Häuschen, in den Vorgärten stehen Spielzeug und Gartenwerkzeuge. Ein klassischer Dorfanger, der irgendwo im ländlichen Brandenburg liegen könnte. Tatsächlich aber liegt er im Potsdamer Norden, in Bornim.

Den Anger gibt es erst seit rund einem Jahr und auch die Häuschen sind nagelneu. Noch vor ein paar Jahren war die Einfamilienhaussiedlung zwischen Pannenbergstraße, Hügelweg und Florastraße noch von üppigen Wiesenflächen durchzogen. Inzwischen ist sie nahezu fertig, die Zahl der Häuser hat sich binnen fünf Jahren praktisch verdoppelt. Das schlägt sich auch auf die Einwohnerzahl nieder: Zwischen 2010 und 2016 wuchs Bornims Bevölkerung um 600 Menschen auf gut 3200.

Ruhige Wohngegend - und nicht weit vom Zentrum entfernt

Dagmar Laufer wohnt erst seit einem Jahr hier, sie ist mit ihrem Mann von Schleswig-Holstein aus nach Potsdam gezogen. „Wegen der Kultur, der Landschaft, der Architektur und der Schönheit der Stadt“, sagt die 59-jährige Postangestellte. Flensburg sei ihnen zu ungemütlich geworden. Statt des kalten Windes und der rauen Küste nun also das beschauliche Bornim. „Ich habe das nicht eine Zehntelsekunde lang bereut“, erzählt Laufer sichtlich begeistert. Viele junge Familien lebten hier, aber auch ältere Menschen in ihrem Alter. Besonders über die Kinder freut sie sich. Von der Kita kämen tagsüber oft Gruppen durch die Straßen. „Das macht das hier ganz doll lebendig“, sagt Laufer und strahlt über das ganze Gesicht. Trotzdem sei es eine ruhige Wohngegend – und dennoch nicht weit vom Zentrum entfernt, sodass alles gut mit dem Fahrrad zu erreichen sei.

Gleich um die Ecke sieht Erich Claus gerade nach seinem Wagen. Der 64-jährige frühere Fernfahrer lebt mit seiner Frau seit zwei Jahren im neuen Eigenheim. „Das Haus meiner Schwiegereltern in Caputh haben wir verkauft, das war einfach zu alt“, sagt er. In Bornim wohne es sich wunderbar. „Schön ruhig ist es hier, sehr harmonisch, wir kommen hier alle sehr gut miteinander aus.“ Zudem seien zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Ein paar Minuten muss man zwar laufen. „Aber jeder Gang macht schlank“, sagt der Rentner grinsend.

Wenn eine Straßenlaterne kaputt gehe, interessiere das im Rathaus offenbar niemanden

Doch Claus spricht auch ein paar Probleme an. Wenn die Eltern ihre Kinder zur Kita „Kids Company“ in der Potsdamer Straße bringen, seien die umliegenden Straßen im Wohngebiet komplett zugeparkt, oftmals viele Stunden lang. Selbst die Kitamitarbeiter hätten Probleme, einen Parkplatz zu finden. Da sei bei der Planung geschlampt worden, findet Claus. Auch von der Stadtverwaltung wünscht er sich mehr Aufmerksamkeit. Wenn eine Straßenlaterne kaputt gehe, interessiere das im Rathaus offenbar niemanden. Am Telefon werde man allenfalls beschwichtigt. Doch in der Summe würden die Probleme nicht ins Gewicht fallen. „Wir fühlen uns wohl“, sagt Erich Claus.

Das gilt auch für Daniel Ludwig. Der 42-jährige wohnt derzeit zur Untermiete im Haus seiner Eltern. „Etwas Schlechtes über das Wohngebiet lässt sich gar nicht sagen“, meint Ludwig erst. Dann fällt ihm doch noch etwas ein. Er weist auf die Häuser entlang des Angers in der Pannenbergstraße. „Die Häuser sehen alle ziemlich gleich aus.“ Eine etwas abwechslungsreiche Architektur wäre wünschenswert gewesen, findet er.

Einheitliche Architektur

Gemeint sind die Reihenhäuser, die der Immobilienkonzern Bonava in dem Wohngebiet errichtet hat. Knapp 100 Doppelhaushälften hat das Unternehmen entlang des Hügelwegs, der Fasanen- und der Pannenbergstraße errichtet, die letzten an der Florastraße stehen kurz vor der Fertigstellung. Zu haben ist davon keines mehr: „Ausverkauft“ steht auf der Internetseite der Firma. Die Architektur der Gebäude ist tatsächlich ziemlich einheitlich: Helle Putzfassade, Spitzdach, französische Balkone an den straßenseitigen Fenstern.

Doch von diesen Häusern abgesehen finden sich die unterschiedlichsten Architekturstile in dem Viertel: Gebäude mit Ziegelfassaden, Häuser mit Erkern, Wintergärtchen, sogar kleinen Türmchen – ein bunter Mix.

Der ländliche Charakter sei in weiten Teilen bewahrt

Eine, die das Wohngebiet hat wachsen sehen, ist Sabrina Svarovski. Als sie und ihre Familie das Haus am Spielplatz in der Pannenbergstraße vor drei Jahren gekauft haben, gab es vor der Tür nur Wiesen und Felder. „Jetzt verliert das Viertel schon ein bisschen an Charme, weil es viel zu vollgebaut wird“, sagt sie bedauernd. Trotzdem habe sich der ländliche Charakter noch in weiten Teilen bewahrt. „Es ist ganz viel Natur drumherum, wir haben einen eigenen Garten, ein eigenes Grundstück, das ist schon toll.“ Lange hat die gebürtige Potsdamerin in der Nedlitzer Straße gewohnt, vis-a-vis der Roten Kasernen. Als dann auch dort immer mehr neue Häuser entstanden, ist die Familie nach Bornim gezogen. Ihre Nachbarn kommen allerdings überwiegend aus anderen Bundesländern, vor allem Berliner ziehe es her, erzählt sie. „Für unsere Kinder ist das toll, weil sie viele neue Spielkameraden haben.“ Und es sei hier „sehr, sehr leise“.

Das wird sich in den nächsten Jahren allerdings ändern. Denn praktisch gegenüber von Svarovski baut die Stadt die neue Grundschule, parallel entstehen auf der anderen Seite des Spielplatzes weitere Einfamilienhäuser entlang einer neuen Straße, dem Weizenring. Vor dem Baustellenverkehr gruselt sich die 31-Jährige schon jetzt, vor allem wegen der Kinder. Zudem soll direkt vor ihrer Haustür ebenfalls eine neue Straße entstehen, die von der Gutsstraße bis zur Pannenbergstraße führt. „Diese Straße will hier keiner“, sagt Svarovski. Die Anwohner haben dagegen bereits Unterschriften gesammelt, die sie der Stadtverwaltung übergeben haben.

Immerhin: Der Baustellenärger ist in ein paar Jahren wieder vorbei. Dann wird wieder Ruhe einkehren in Bornim. Wie auf dem Lande.

Die nächste Folge lesen Sie am Freitag in den Potsdamer Neuesten Nachrichten.

 


 

 

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