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Themenschwerpunkt:

Das neue Potsdam

  • 03.01.2017
  • von Matthias Matern

Fakten zum Quartier: Am FH-Campus: Neue Häuser an neuen Straßen

von Matthias Matern

Nicht nur viele Wohnhäuser im Bornstedter Feld sind neu. Auch Straßen wurden gebaut, die selbst manchem ortskundigen Potsdamer noch fremd sein dürften. So zweigt etwa inzwischen nördlich der Kiepenheuerallee die Jochen-Klepper-Straße von der Georg-Hermann-Allee ab. Benannt ist sie nach dem deutschen Theologen, Journalisten und Schriftsteller Jochen Klepper (1903–1942), der als einer der bedeutendsten Dichter geistlicher Lieder des 20. Jahrhunderts gilt. 1931 heiratete er die jüdische Rechtsanwaltswitwe Johanna Stein, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte. Aus Angst vor einer Deportation nahm sich die Familie 1942 das Leben. Die nächste Querstraße ist nach dem badischen Schriftsteller Reinhold Schneider (1903–1958) benannt. Schneider lebte von 1931 bis 1938 in Potsdam. Er setzte sich intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinander und schrieb dagegen an, zum Beispiel mit dem Gedicht „Nun baut der Wahn“. Die nördliche Parallelstraße der Reinhold-Schneider-Straße trägt den Namen des deutschen Schriftstellers und Dichters Hermann Kasack (1869–1966). Kasack wurde in Potsdam geboren und gilt als Pionier in der Vermittlung literarischer Inhalte in der Anfangszeit des Rundfunks. Er veröffentlichte einige Hörspiele auch unter den Pseudonymen Hermann Wilhelm und Hermann Merten. Verbunden sind die drei Straßen durch die Gertrud-Feiertag-Straße. Gertrud Feiertag (1890–1943) war eine deutsche Reformpädagogin und gründete 1931 das Jüdische Kinder- und Landschulheim in Caputh. 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Westlich der Georg-Hermann-Allee münden die Jochen-Klepper-Straße, die Reinhold-Schneider-Straße und die Hermann-Kasack-Straße in die Horst-Bienek-Straße. Der in Oberschlesien geborene Schriftsteller Horst Bienek (1930–1990) wurde 1951 vom Staatssicherheitsdienst in der Untersuchungshaft in Potsdam-Lindenstraße verhaftet. Das sowjetische Militärtribunal der Roten Armee verurteilte ihn 1952 wegen „antisowjetischer Hetze“ und angeblicher Spionage für die USA zu 20 Jahren Zwangsarbeit. 

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