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  • 12.12.2016
  • von Hella Dittfeld

Sinterklaas-Fest in Potsdam: Die Rückkehr der halbschwarzen Pieten

von Hella Dittfeld

Wie ein Schornsteinfeger: Die Pieten waren nicht schwarz geschminkt, wie in den vergangenen Jahren. Dafür waren sie berußt. Foto: M. Thomas

Das Sinterklaas-Fest zog am Wochenende Tausende Besucher an. Rassismus-Vorwürfe gab es diesmal keine, obwohl die Pieten nicht ganz auf Schminke verzichteten.

Potsdam - „Nicht schwarz geschminkt“, würden die Pieten dieses Jahr sein, hatte es in der Ankündigung für das Sinterklaas-Fest im Holländischen Viertel geheißen – schließlich wollte man sich nicht wieder dem Rassismus-Vorwurf aussetzen. Ganz ungeschminkt traten die Nikolaus-Begleiter am Wochenende dann aber doch nicht auf, man könnte vielleicht von halbschwarzen Pieten sprechen: So hatten sich die niederländischen Darsteller Ruß ins Gesicht geschmiert, als Anspielung darauf, dass der Nikolaus-Diener der holländischen Sage zufolge die Geschenke durch den Schornstein liefert.

Es sei schwer gewesen, eine holländische Darstellergruppe zu finden, die ganz auf eine Bemalung verzichten würde, argumentierte Hans Göbel anschließend, Organisator des Festes und Vorsitzender des Fördervereins zur Pflege niederländischer Kultur in Potsdam. Das Anrußen sei mit der Stadt so abgesprochen gewesen. Ohnehin seien in den Niederlanden bis heute auf dem Land die meisten Pieten schwarz angemalt, nur in den Großstädten gäbe es eine bunte Bemalung.

Pieten hatten bis vor Kurzem noch dunkelschwarz bemalte Gesichter

So war es bis vor Kurzem auch in Potsdam: Die Pieten waren als „Mohren“ dunkelschwarz bemalt, mit dicken roten Lippen und Kraushaarperücken – was Kritiker als Diskriminierung Dunkelhäutiger werteten. Daraufhin waren im vergangenen Jahr weder der holländische Nikolaus noch seine Begleiter bei dem Fest anzutreffen, was für so manches enttäuschte Gesicht unter den Gästen sorgte. Umso mehr feierten sie diesmal, bei der 20. Ausgabe des Sinterklaas-Festes, die Wiederkehr des weißhaarigen Rauschebarts und seiner Gesellen durch einen wahren Ansturm auf das Fest in der Mittel- und Benkertstraße – mitunter kam man kaum noch vorwärts. Rund 15 000 Besucher seien allein am Samstag gekommen, schätzte Hans Göbel anschließend, noch mal 10 000 seien es an dem verregneten Sonntag gewesen.

Zu den Besuchern zählte erstmals auch die niederländische Botschafterin Monique van Daalen. „Das Schwarz kommt aus dem Kamin“, sagte sie zu den Pieten, geübt in Kompromissbereitschaft. „Es ist ein gutes Fest“, meinte sie, „eine schöne Mischung zwischen Weihnachten und Sinterklaas“. Weniger nachsichtig beurteilte ein Ehepaar aus Nuthetal den Streit: „Es ist beschämend, dass die Pieten nicht mehr schwarz auftreten dürfen“, sagte der Nuthetaler. „Das ist eine lange Tradition und ich sehe dabei keinen Rassismus.“ Auch Detlef und Marina aus Blankenfelde fanden die Diskussion um die schwarzen Pieten „albern“.

Pieten in Holland haben bunte Gesichter

Ähnlich reagierten auch die Holländer von der Kunsthandwerkgruppe Saaland. In Raalte dürften sich die Pieten noch immer schwarz schminken, sagten sie. Man habe sogar schwarze Mitbürger, die nichts an dieser Tradition auszusetzen hätten. Trotzdem sei man auch in Holland dazu übergegangen, den Gesichtern der Pieten alle möglichen Farben zu geben – ähnlich wie in Potsdam. Student Jasper am Spielestand etwa hatte sich pflichtschuldig auch nur schwarze Streifen ins Gesicht gemalt, die Kraushaarperücke lugte aber trotzdem noch unter dem Kopfputz hervor.

Sinterklaas selbst hatte wie schon früher Kinder auf der Bühne empfangen, die sich völlig angstfrei zeigten. Sie beantworteten seine Fragen, rezitierten Gedichte und sangen sogar Lieder mit mehreren Strophen. Die fünfjährige Julia machte das so schön, dass aus dem Publikum der Ruf „Zugabe“ ertönte. Julia zog dann aber doch lieber mit ihrem Geschenk ab.

Mehr Holzschuhe in Potsdam als in Holland verkauft

Die niederländischen Standbetreiber zeigten sich überwiegend zufrieden mit ihrem Ausflug nach Potsdam, wie etwa der Stuhlsitzflechter Coen Eikelboom, der das fünfte Mal dabei war und das Fest trotz des Besucheransturms gemütlich fand. Oder Holzschuhmacher Martin Dijkman, der nach eigener Aussage mehr Holzschuhe an einem Wochenende in Potsdam verkauft als in Holland. Er sei von Anfang an bei den Sinterklaasfesten dabei und habe schon eine Stammkundschaft, die immer wieder Nachschub an Holzschuhen hole.

Ob es auch ein 21. Sinterklaas-Fest gibt, ist noch in der Schwebe – die Finanzierung sei noch nicht gesichert, so Göbel. Das treffe auch auf das Tulpenfest im Frühjahr zu. Es finde aber auf alle Fälle statt, so Göbel. Bei den Absprachen mit der Stadt sei man auf gutem Wege. (mit Alexander Fröhlich und Katharina Wiechers)

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