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  • 02.12.2016
  • von Heike Kampe

Potsdam: Geflüchtete und einheimische Frauen trafen sich in der Weihnachtsbäckerei

von Heike Kampe

Konzentration: Sabine Lang vom Welcome Dinner bereitet gemeinsam mit den Flüchtlingskindern Zakaria Ibrahim und Yazan Ibrahim den Plätzchenteig vor. Anschließend wurde natürlich genascht.Foto: Christoph Freytag

Rouhba konzentriert sich. Mit grüner Lebensmittelfarbe verziert die Neunjährige mit den langen schwarzen Haaren ein herzförmiges Plätzchen. Neben ihr stehen Zakaria und Yazan. Auch die beiden Jungs, die fünf und sechs Jahre alt sind, schmücken ihre Plätzchen mit buntem Zuckerguss, Perlen und Sternchen. Die drei Kinder kommen aus Syrien und sind seit etwa einem Jahr in Deutschland. „In Syrien backen wir auch Plätzchen, manchmal, wenn wir feiern“, sagt Rouhba.

An diesem Abend bäckt das Mädchen Vanillekipferl und Mürbeteigplätzchen – es sind andere Plätzchen als die, die es aus Syrien kennt und die meistens zum islamischen Zuckerfest, dem Fest des Fastenbrechens, gebacken werden. Doch dem Mädchen macht das nichts aus. Auf dem Tisch sind Eier, Mehl, bunte Streusel, Glitzerzucker und Gläser mit Konfitüre ausgebreitet. „Alle Zutaten hat uns Kaufland gespendet“, sagt Sabine Lang. „Das ist schon fast wie Weihnachten.“ Zusammen mit dem Verein Hand in Hand e.V. hat die Initiatorin des Welcome Dinners Potsdam, das seit rund einem Jahr einheimische Gastgeber und Geflüchtete zu einem gemeinsamen Essen zusammenbringt, einheimische und geflüchtete Frauen ins PrimaDonna-Frauenzentrum eingeladen. Bereits zum zweiten Mal.

Vor vier Wochen hatten syrische, iranische und deutsche Frauen ein traditionelles syrisches Gericht gekocht. Heute werden Plätzchen gebacken – passend zur Vorweihnachtszeit. Kamen damals zehn Frauen, sind es heute mehr als 20 Frauen und Kinder, die zum gemeinsamen Backen gekommen sind. „Das Konzept kommt an“, ist sich Lang sicher. „Die Frauen, die das letzte Mal dabei waren, haben ihre Freunde und Kinder mitgebracht“, sagt auch Jihan Alam vom Verein Hand in Hand. Die Deutsch-Ägypterin übersetzt während des Treffens, damit sich die Frauen untereinander gut verständigen können. „Es war sehr schön beim letzten Mal“, sagt Abeer Alal, die auch heute wiedergekommen ist. „Es ist eine gute Gelegenheit, Deutsch zu sprechen, die deutsche Kultur kennenzulernen und neue Freunde zu finden“, sagt die 32-Jährige, die aus Damaskus stammt.

Anna Laura Jacobi ist an diesem Abend das erste Mal dabei. Über Facebook habe sie von der Aktion erfahren. „Ich war selbst schon in Syrien unterwegs und habe erlebt, wie gastfreundlich die Menschen sind. „Das, was heute dort geschieht, bricht mir das Herz“, sagt die Illustratorin, die sich über die bundesweite Initiative „Start with a Friend“ in der Flüchtlingshilfe engagiert. „Den meisten Geflüchteten fehlt es an Kontakten zu Einheimischen.“ Doch gerade das erleichtere das Ankommen und Heimischwerden. Denn meist sei der Alltag der Geflüchteten besonders in den Heimen trostlos.

Wie wohltuend die Zusammentreffen tatsächlich sind, erfuhr Jihan Alam nach dem ersten Abend von den syrischen Frauen: Es sei der schönste Abend gewesen, den sie seit ihrer Ankunft in Deutschland erlebt hätten, sagten sie. „Die Frauen haben gekocht, syrische Volkslieder gesungen und sind einfach auf andere Gedanken gekommen.“

Auch in Zukunft wollen Welcome Dinner und Hand in Hand e.V. zusammenarbeiten, um die gemeinsamen Kochnachmittage zu gestalten. Abwechselnd sollen deutsche und syrische Gerichte zubereitet werden. „Das Welcome Dinner als solches bleibt aber erhalten“, betont Sabine Lang. „Wir suchen nach wie vor Gastgeber, die Geflüchtete für einen Abend zu sich nach Hause einladen, um gemeinsam mit ihnen zu essen.“

Die ersten Vanillekipferl bräunen inzwischen im Ofen und verströmen einen köstlichen Duft. Später, wenn alle Plätzchen gebacken, verkostet und auch die saftigen Bratäpfel verspeist sind, werden die Frauen wieder singen – und tanzen. "Einige haben beim letzten Mal versprochen, einen Bauchtanz aufzuführen", sagt Jihan Alam. Eins steht wohl fest: Es wird wieder ein schöner Abend werden.

Das gemeinsame Kochen findet künftig an jedem ersten Freitag im Monat um 16 Uhr im Frauenzentrum PrimaDonna in der Schiffbauergasse statt.

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