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Themenschwerpunkt:

Das neue Potsdam

  • 02.12.2016
  • von Katharina Wiechers

PNN-Serie "Das neue Potsdam": Das City-Quartier (7): Auf engstem Raum – und mittendrin

von Katharina Wiechers

Vor allem Studenten und Senioren wohnen im City-Quartier am Potsdamer Hauptbahnhof. Foto: A. Klaer

Teil 7 unserer Serie "Das neue Potsdam". Dieses Mal: Das City-Quartier am Hauptbahnhof. Die Bewohner finden die Lage top. Ganz zufrieden sind dennoch nicht alle.

Potsdam wächst rasant, überall in der Stadt schießen neue Wohnviertel empor. Doch wie lebt es sich dort eigentlich? Die PNN besuchen die Quartiere und stellen sie in der Serie„Das neue Potsdam“ vor. Dieses Mal: Das City-Quartier (Folge 7).

 

Innenstadt - Ganz neu ist es ja nicht mehr, das City-Quartier. Fünf Jahre schon stehen die Wohnblocks auf dem einstigen Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) am Potsdamer Hauptbahnhof, mehr als 600 Wohnungen hat Investor Theodor Semmelhaack hier errichten lassen. Doch die wenigsten Potsdamer dürften das Quartier von innen kennen – den meisten werden wohl nur zwei Ansichten bekannt sein: Die Häuserreihe an der Friedrich-Engels-Straße mit Bäcker Exner und dem großen Physio-Therapie-Zentrum. Und die etwas bollwerkartige Front entlang der Gleise am Hauptbahnhof – die verschiedenfarbig gestrichenen Fassaden sind quasi das erste, was Bahnreisende von Potsdam sehen.

Wie lebt es sich also zwischen Hauptverkehrsstraße und Bahngleisen? Auf engstem Raum mit Hunderten anderen? Hört man sich in dem Viertel um, sind sich in einem alle einig: Die Lage ist spitze. Der Hauptbahnhof mit S-Bahn, Regionalbahn, Bus und Tram sowie all den Geschäften der Bahnhofspassagen in Laufweite, das schätzen die Bewohner hier. Und der Lärm?

Moderne, aber hellhörige Wohnungen

„Von den Gleisen höre ich kaum etwas“, sagt Christa Fischer, die in dem rund 300 Meter langen Riegel zum Bahnhof hin wohnt. Laut ist etwas anderes, sagt sie: die „grölenden“ Gruppen, die des Nächtens unten zwischen den Häusern umherziehen. „Die Gebäude hier sind einfach zu dicht. Das wirkt wie ein Trichter“, sagt die Frau um die 50. Außerdem seien die Wohnungen hellhörig, so Fischer. Sie glaubt, das liegt vor allem an dem Holzimitat-Parkett, dass überall verlegt wurde. „Das hat Rillen, sodass ich von meinem Nachbarn oben drüber alles mitbekomme.“ Aber immerhin: Ihre 42,5-Quadratmeter-Wohnung im dritten Stock ist schön hell und auf den Balkon kommt die Sonne sogar im Winter bis zum Mittag, sagt Christa Fischer. Und modern seien die Wohnungen auch. Aus ihrer alten am Kirchsteigfeld sei sie ausgezogen, weil die Dämmung so schlecht war und die Heizkosten im Winter explodierten. Das Problem gibt es im City Quartier nicht. Und wie gesagt, die Lage.

Vier Eingänge gibt es zu dem langen Riegel, in jedem Gang ist auch ein geräumiger Aufzug. Semmelhaack wirbt damit, dass die Wohnungen schwellenfrei angelegt sind – also zum Beispiel für Rollstuhlfahrer geeignet. Die Wohnungen selbst sind über eine Art Laubengang auf Bahnhofsseite zu erreichen. Wer will, kann den 300 Meter langen Riegel komplett auf diesen Laubengängen entlanggehen und dabei einen Blick in die kleinen Küchen der Wohnungen werfen – die Küchenfenster zeigen alle Richtung Gleise.

Überzeugende Lage

90 der insgesamt 639 Wohnungen in dem Quartier sind für betreutes Wohnen ausgelegt, sie liegen in einem der Blöcke in der Mitte des Quartiers. Eine der Bewohnerinnen ist Gerda Fenske. „Die Wohnung ist sehr schick“ findet sie. Gut geschnitten, modern und „schön warm“. Auch für sie war es die Lage, die sie überzeugte. „Wenn alles so nah ist, kann ich viel selbst erledigen“, sagt sie. Einkaufen zum Beispiel, oder mal zum Friseur.

Essen gehen kann Gerda Fenske im Pflegestift, das in dem halbrunden Bau Richtung Bahnhofsvorplatz untergebracht ist, auch zum gemeinsamen Singen ist sie regelmäßig dort, und bald steht die Weihnachtsfeier an. Außerdem gibt es einen Alarmknopf in der Wohnung, falls mal was passiert und sie Hilfe braucht. Neulich allerdings habe sie den Knopf gedrückt und niemand kam, beschwert sie sich. Und die Miete sei auch gerade um 40 Euro erhöht worden. Und auch Gerda Fenske beschwert sich über Lärm, allerdings stört auch sie sich weder am Zug- noch am Autolärm. „Die Krankenwagen sind sehr laut. Fast täglich kommt einer zum Pflegestift. Und frühmorgens die Lieferwagen.“

Im Foyer vom Pflegestift selbst, der von der Deutsche Seniorenstift Gesellschaft (DSG) betrieben wird, sieht es schon weihnachtlich aus. Ein Weihnachtsbaum mit Lichterkette steht im Foyer, neben dem schweren Eichenschreibtisch samt nostalgischem Uralt-Radio. 117 Einzel- und drei Doppelzimmer gibt es hier, preislich gehört die Einrichtung zu den teuersten in Potsdam. Heimleiterin Bettina Köhn ist sehr freundlich, aber schwer beschäftigt, für einen Schwatz zwischen Tür und Angel hat sie keine Zeit. Bei Semmelhaack heißt es dazu auf Anfrage: „Mit der Belegung des Pflegeheimes sind wir und die DSG sehr zufrieden. Die Nachfrage nach modernen, schönen Einzelzimmern in diesem zentral gelegenen Pflegeheim ist sehr gut.“

Preis sei für Potsdamer Verhältnisse super

Wieder auf der Straße, hetzt gerade Kirstin Castillo in Richtung Bahnhof. Eigentlich hat sie es eilig, aber kurz bleibt sie stehen. Ob sie hier lebt und wie es ihr gefällt? Die junge Frau lacht. „Ich bin Architekturstudentin“, sagt sie wie zur Entschuldigung. „Deshalb sehe ich das hier schon ein wenig kritisch.“ Sehr funktional seien die Gebäude, sehr dicht gebaut. Tatsächlich ist nicht viel Platz zwischen den einzelnen Wohnblöcken, in den unteren Stockwerken dürften die Aussicht bescheiden und das Tageslicht spärlich sein.

Und doch ist Kirstin Castillo froh, hier zu leben. Die Lage sei super und der Preis für Potsdamer Verhältnisse auch, sagt sie. Und es sei schnell gegangen. Denn die junge Frau mit venezolanischen Wurzeln lebte in Trier und bekam vor zwei Jahren sehr kurzfristig eine Zusage für einen Studienplatz an der Fachhochschule Potsdam. „Ich hatte nur zwei Wochen Zeit, eine Wohnung zu finden. Hier hat alles schnell geklappt“, sagt sie. Viele Studenten wohnten in dem Quartier, erzählt Kristina Castillo noch – und viele Senioren. „Es gibt hier viele sehr alte und viele sehr junge Menschen, dazwischen kaum etwas.“

Die nächste Folge lesen Sie am nächsten Dienstag in Ihren PNN.

 

 


 

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