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  • 25.11.2016
  • von René Garzke

CDU Brandenburg: Schwarz gewählt

von René Garzke

Parteinachwuchs. Motiviert durch den Wahlkampf Obamas, trat Joshua Acheampong vor sieben Jahren in die CDU ein – die freundlicher war als die SPD. Foto: Andreas Klaer

Seit sieben Jahren ist Joshua Acheampong Mitglied in der CDU, wird dort geschätzt und gilt als Hoffnungstalent. Sein Trumpf: Der 22-jährige Potsdamer stellt alte Feindbilder auf den Kopf.

Potsdam - Kontakt zu seinem ghanaischen Vater hat er keinen mehr. Dennoch hat er Joshua Acheampong geprägt, vor allem äußerlich. Seine Hautfarbe brachte ihm in der Vergangenheit Probleme ein – Rassismus in der Provinz Baden-Württembergs. Das Heimatdorf des 22-jährigen Potsdamers hat 1700 Einwohner, jeder kennt jeden. Im Kindergarten musste er Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Freunde seiner deutschstämmigen Oma sagten: „Aus dem kann doch nichts werden.“

Hoffnungstalent für Brandenburger CDU

Heute gilt Acheampong, der 2014 für sein Politikstudium nach Potsdam zog, als Hoffnungstalent der brandenburgischen CDU. Die Freunde seiner Oma haben eine Kehrtwende gemacht: „Wir haben schon immer gewusst, dass er talentiert ist“, sagen sie heute. Geheuchelt, das weiß er. Geschätzt wird in der Führungsriege der Landespartei und Landtagsfraktion nicht nur seine Arbeit im Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), sondern auch die als Pressesprecher der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), ihr Vorsitzender ist Vize-Landtagspräsident Dieter Dombrowski. Als der CDU-Politiker im Sommer einen neuen Sprecher für die UOKG suchte, war Acheampong schnell in der engeren Auswahl. Und bekam den Job.

Warum es ihn überhaupt zur CDU gezogen hat, dafür gibt es einen pragmatischen Grund: Die Union war vor sieben Jahren freundlicher als die SPD, bemühte sich mehr um ihn. Im tiefsten Baden-Württemberg nahe Pforzheim geboren und aufgewachsen, schaute er einfach mal bei beiden vorbei – die anderen Parteien hatte er für sich schon ausgeschlossen. Auf die Idee, überhaupt in eine Partei einzutreten, hat ihn US-Präsident Barack Obama mit seinem Wahlkampf gebracht. „Yes we can“ war 2008 die Parole. „Die lebendige Art, wie Obama Wahlkampf geführt hat, hat mich fasziniert“, so Acheampong. Aber nicht wegen der Hautfarbe, sagt er. Mittlerweile beschreibt er sich selbst als „konservativ-progressiv“, ist damit ganz auf Linie von Kanzlerin Angela Merkel. In bestem Politikerdeutsch erklärt Acheampong, was er damit meint: „Auf Altbewährtem neu aufbauen.“ Ob daraus zu schließen ist, dass er eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene befürwortet, das will er so konkret nicht sagen. Stattdessen sagt er, ganz Politiker: „Ausschließen würde ich eine Zusammenarbeit mit der AfD und der Linken.“ Auch zu der Frage, ob er selbst Berufspolitiker werden möchte, will er nicht konkret antworten.

Führende Politiker der brandenburgischen CDU jedenfalls sprechen in höchsten Tönen von ihm, beschreiben ihn als fleißig und engagiert. Verdient gemacht hat er sich besonders mit dem Engagement für den RCDS. Bis Oktober war er Vorsitzender der Potsdamer Hochschulgruppe. Den Posten hat er zugunsten des Engagements als Vizechef im Landesverband abgegeben, sitzt extra noch im Landesvorstand der CDU.

Acheampong lud Lammert, Altmeier und de Maizière an die Uni Potsdam ein

An der Universität fällt der RCDS mit seinen 35 Mitgliedern vor allem durch Diskussionsveranstaltungen auf. Dass es Acheampong gelungen ist, innerhalb eines Jahres Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundeskanzleramtschef Peter Altmaier und Bundesinnenminister Thomas de Maizière (alle CDU) an die Potsdamer Hochschule einzuladen, wird ihm in der Führungsriege der Union hoch angerechnet – das bringt auch der Uni Renommee. Auch wenn de Maizière am Ende gar nicht erschien: Der Minister reiste am Tag des Vortrags kurzfristig nach Istanbul, es hatte einen Terroranschlag auf eine deutsche Touristengruppe gegeben. Eine Podiumsdiskussion fand dennoch statt. Die Veranstaltung mit Altmaier indes steht noch bevor: Er wird am Mittwoch, dem 7. Dezember, zur Digitalisierung sprechen. Ein unverfängliches Thema, hatte es doch bei den vorangegangen Veranstaltungen Proteste linker Gruppen gegeben.

Acheampong sind sie noch gut in Erinnerung. Die Podiumsdiskussion, an der im Januar auch de Maizière teilnehmen sollte, wurde von den linken Studenten regelrecht gesprengt – das Thema damals: „Flüchtlingsland Deutschland“. Die 50 Linken riefen unentwegt Parolen, verzögerten den Beginn um mehr als 45 Minuten. Sie bekamen Podiumsplätze angeboten, wollten aber nicht mitdiskutieren. Acheampongs Verständnis von Demokratie ist ein anderes: Andersdenkenden die Hand zum Dialog reichen. Oft wird sie aber ausgeschlagen, bemerkt er kurz.

Wenn alte Feindbilder nicht mehr funktionieren

Vor allem linke Studenten irritiert er, ein Schwarzer in der CDU. Vor der De-Maizière-Veranstaltung drückten sie ihm einen Protestflyer in die Hand. Als er sagte, dass er die Veranstaltung mitorganisiert hat, wollten sie es nicht glauben. Alte Feindbilder wollen nicht mehr funktionieren. Acheampong setzt seine Hautfarbe dagegen gezielt ein, mit Humor. In seinem ersten Wahlkampf 2014, es ging um die Wahlen zum Kreistag Calw in seiner Heimat, lautete sein Slogan: „Am 25. Mai schwarz wählen.“ Das bleibt den Leuten in Erinnerung, sagt Acheampong.

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