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  • 21.11.2016
  • von Erik Wenk

Digitalisierung an Potsdamer Schulen: Warten auf Wartung

von Erik Wenk

Lernen am Bildschirm. Viele Potsdamer Schulen sind mit PCs ausgestattet, wobei die meisten sich eher die weniger fehleranfälligen Tablets wünschen würden. Die Computer sind sehr wartungsintenstiv – und die dafür zuständigen Techniker rar. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Bei der digitalen Ausstattung stehen Potsdams Schulen nicht schlecht da. Doch es hapert an anderer Stelle.

Potsdam - W-Lan, Smartphones, Tablet-PCs – für die meisten Jugendlichen ist Digitalisierung längst normaler Alltag. In vielen Potsdamer Schulen ist davon aber noch nicht viel zu spüren, und das obwohl die Ausstattung mit Hardware verhältnismäßig gut ist: Die Stadt Potsdam ist Träger von 45 Schulen mit insgesamt über 71 Computerkabinetten, also Computerräumen. „In der Regel verfügen Grund- und Oberschulen über mindestens ein Computerkabinett und Gesamtschulen oder Gymnasien über mindestens zwei“, sagt Stadtsprecherin Christine Homann.

Drei IT-Techniker für 45 Potsdamer Schulen

Das eigentliche Problem liegt woanders: „Es hapert klipp und klar an der Betreuung und Wartung der Technik“, sagt Informatiklehrerin Silvia Handke vom Helmholtz-Gymnasium, die auch im Kreislehrerrat und im Kreisschulbeirat aktiv ist. Denn für die 45 Potsdamer Schulen sind gerade einmal drei IT-Techniker der Stadtverwaltung zuständig, um technische Probleme zu lösen und die Systeme zu warten. „Die laufen sich natürlich einen Wolf“, sagt Handke. Allein das Helmholtz-Gymnasium verfügt über rund 140 Computer und Laptops. „Besonders schlimm war es vor den Herbstferien, als zwei der Techniker krank waren.“ Erst seit Kurzem können die Mitarbeiter auch von der Stadtverwaltung aus auf die Server der Schulen zugreifen, früher mussten sie jedes Mal erst zu den Schulen fahren. Sie selbst sei schon einmal auf zwei Wochen Wartezeit vertröstet worden, als sie ein Problem mit den Computern im Helmholtz-Gymnasium hatte, berichtet Handke. Schließlich kümmerte sie sich dann selbst darum.

Eine Strategie, die viele Informatiklehrerinnen und -lehrer notgedrungen fahren müssen, weiß auch Christiane Rosenbach, Sprecherin des Hasso-Plattner-Instituts Potsdam (HPI): „Die Lehrkräfte müssen häufig in ihrer Lehrzeit die Technik warten und administrieren. Das frisst Zeit und verursacht natürlich auch Kosten.“

Zum Teil helfen sogar die Schüler mit, wenn es mal an der Technik hapert: „Wir helfen uns größtenteils selbst, außerdem haben wir viele kompetente Schüler und Kollegen, die sich über das Maß des Unterrichts hinaus bemühen“, sagt Handke vom Helmholtz-Gymnasium. „Ich weiß aus vielen weiterführenden Schulen, dass es da ähnlich ist.“

Die Schulen nehmen die Wartung selbst in die Hand

Eine Schule hat sich bereits offiziell von der Betreuung durch die Verwaltung abgekoppelt und wird auch von der Stadt finanziell dabei unterstützt: „Unsere Schule übernimmt die Wartung selber“, sagt Dagmar Graefe, Lehrerin an der Lenné-Gesamtschule Potsdam und Mitglied im Personalrat der Lehrkräfte beim Staatlichen Schulamt Brandenburg. Problematischer sieht es bei den Grundschulen aus, wo es in der Regel keine Informatik-Lehrer gibt; dort ist man tatsächlich oft auf die drei IT-Techniker der Stadtverwaltung angewiesen. Handke würde sich eine Verdoppelung auf mindestens sechs Stellen wünschen: „Und dann gäbe es immer noch mehr als genug zu tun.“

Probleme wie diese sind auch dem HPI seit Langem bekannt. Zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung arbeitet das Institut derzeit an der „Schulcloud“, die Lehrer und Techniker entlasten soll: Lerninhalte sollen dabei nicht mehr auf lokalen Rechnern liegen, sondern in der „Cloud“, also auf zentralen Servern in Landesrechenzentren, die auch dort zentral gewartet würden. Das HPI hat das Pilotprojekt kürzlich auf dem Nationalen IT-Gipfel in Saarbrücken vorgestellt, bundesweit sollen sich 25 Schulen daran beteiligen. Aus Potsdam ist keine dabei, das HPI befindet sich allerdings noch mit einigen Potsdamer Schulen im Gespräch.

W-Lan an 30 Schulen, allerdings gibt es immer wieder schlechten Empfang

Für die Schulen soll dadurch vor allem das Warten von Servern und das Administrieren von Netzwerken wegfallen. Das Problem zu weniger und veralteter Rechner und Laptops wird dadurch allerdings nicht gelöst, es sei denn, Schüler nutzen ihre Privatgeräte. Zudem müssen Schulen für die Schulcloud auch über stabilen Internet-Empfang verfügen. 30 der Potsdamer Schulen in öffentlicher Trägerschaft haben W-Lan, einige Schulen leiden jedoch immer wieder unter schlechtem Empfang oder Zugangsschwierigkeiten, sagt Daniela Trapkowski, Vorsitzende des Kreisschulbeirates Potsdam.

Einen eigenen Weg geht derzeit das Evangelische Gymnasium Hermannswerder, das ebenfalls eine cloud-basierte Software für den Unterricht nutzt: Die Plattform „itslearning“, die vor allem in Skandinavien verbreitet ist, dient Lehrern unter anderem zum Planen des Unterrichts und soll zudem als Kommunikationsplattform für Schüler, Lehrer und Eltern dienen.

Ein Knackpunkt ist auch, dass es zwar viele Rechner, aber nur wenige Laptops oder Tablet-PCs in den Schulen gibt; gerade Letztere wären sinnvoll, da sie als geschlossene Systeme weniger wartungsanfällig sind. Aktuell verfügen fünf öffentliche Schulen in Potsdam über Tablet-PCs, zusätzlich plant die Lenné-Gesamtschule derzeit, eine ganze Klasse mit Tablets auszustatten.

Brandenburg steht eher schlecht da, was Digitalisierung betrifft

Wie so oft ist die Ausstattung aber eine Frage des Geldes: So erteilte das brandenburgische Bildungsministerium im vergangenen Jahr den rund 740 Schulen im Land eine Absage für die Finanzierung von Tablet-PCs; dies sei Aufgabe der Träger, hieß es. Generell steht Brandenburg eher schlecht da, was die Digitalisierung angeht: Laut der Länderstudie „Schule digital 2015“ der Telekom-Stiftung werden digitale Medien in keinem Bundesland so selten im Unterricht eingesetzt wie in Brandenburg. Dagmar Graefe von der Lenné-Schule kritisiert zudem, dass das Land kein eigenes Medienkonzept hat, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Im gleichen Atemzug lobt Graefe Potsdam, denn die Stadt hat ein solches Konzept: 2013 hatte es eine Bestandsaufnahme zum Ausstattungsgrad der Potsdamer Schulen gegeben, im Anschluss daran wurde ein Konzept mit Standards entwickelt, welches derzeit umgesetzt wird, so Stadtsprecherin Christine Homann. Auch Silvia Handke hebt bei aller Kritik das Engagement der Stadt hervor: „Man ist wirklich bestrebt, dass die Digitalisierung Einzug in Potsdams Schulen hält.“

Möglicherweise gewinnt das Thema 2017 an Fahrt: Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat angekündigt, in den nächsten fünf Jahren die digitale Bildung bundesweit mit fünf Milliarden Euro zu fördern. Zudem tritt ab nächstem Schuljahr ein neuer Rahmenlehrplan für Berlin und Brandenburg in Kraft, der die Schulen dazu auffordert, Medienkompetenzen stärker zu fördern.

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