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  • 04.11.2016
  • von Heike Kampe

Frauenzentrum PrimaDonna: Kabsa und Fatousch

von Heike Kampe

Kochen verbindet. Rund zehn Frauen nahmen an dem Kurs im Frauenzentrum PrimaDonna teil. Zu essen gab es ein syrisches Hühnergericht – und der Müll wurde getrennt.F.: Andreas Klaer

Geflüchtete und Potsdamerinnen kochten gemeinsam – und trennten den Müll.

Die lange Tafel zum Essen ist schon aufgebaut, Teller und Gläser stehen auf den Plätzen. Doch in der Küche herrscht noch geschäftiges Treiben: Zehn Frauen schnippeln Tomaten und Gurken, schneiden Zwiebeln und Knoblauch, waschen Hähnchenbrüste und setzen in einem großen Kochtopf den Reis auf. Es wird gelacht und geredet – auf Arabisch und Deutsch. Denn in der Küche des Frauenzentrums PrimaDonna in der Schiffbauergasse kochen an diesem Abend geflüchtete Frauen aus Syrien und dem Iran gemeinsam mit Potsdamerinnen. Die beiden Initiativen Welcome Dinner Potsdam und Hand in Hand e.V. haben das Treffen organisiert.

„Das Ziel ist es, sich über das gemeinsame Kochen und Essen kennenzulernen und auszutauschen“, erklärt Annalena Baerbock, Vorsitzende des Vereins Hand in Hand, der sich im Mai dieses Jahres auf Initiative von Syrern und Potsdamern gegründet hat. Dass ein gemeinsames Mahl verbindet, weiß die Politikerin, die für die Grünen im Bundestag sitzt, aus eigener Erfahrung. Im Frühling hatte Baerbock eine syrische Familie zu einem Essen in ihre eigenen vier Wände eingeladen – über das Welcome Dinner Potsdam, das deutsche Gastgeber und Geflüchtete zusammenbringt. Ursprünglich stammt die Idee aus Schweden. In Potsdam gibt es die Aktion seit mehr als einem Jahr, in dem 64 gemeinsame Essen organisiert wurden. Nicht selten entstanden durch die Treffen Freundschaften.

Nun gehen Welcome Dinner und Hand in Hand e.V. gemeinsame Wege. „Die Ehrenamtslandschaft verändert sich“, erklärt Sabine Lang, die zu den Initiatorinnen des Welcome Dinners Potsdam gehört. Die Anmeldungen für die gemeinsamen Essen seien zurückgegangen. Zwar seien nach wie vor sehr viele Menschen ehrenamtlich aktiv und engagierten sich für Flüchtlinge, doch die anfängliche Begeisterung habe nachgelassen. Nun müsse man neue Wege finden. „Denn“, sagt Baerbock, „das Schwierigste – nämlich die Integration – beginnt gerade erst.“ Nun gelte es, den Übergang vom Ankommen zum Zusammenleben zu meistern. Der Verein wolle dies durch verschiedene Angebote für gemeinsame Unternehmungen und auch durch konkrete Unterstützung leisten.

In der Küche im Frauenzentrum sind die Teilnehmerinnen mitten dabei, dieses Konzept in die Tat umzusetzen: Hivroun erzählt, dass das heutige Gericht Kabsa – Hühnchen mit Reis und Rosinen – in Syrien zu besonderen Anlässen gekocht wird. „Kabsa gibt es immer dann, wenn viele Leute zusammenkommen und feiern“, erzählt die Syrerin. Das Geheimnis des Gerichts ist eine spezielle Gewürzmischung, die aus sieben Zutaten besteht und Koriander, Kardamom und Zimt enthält. Zum Kabsa wird es Fatousch – einen traditionellen Salat aus Gurken und Tomaten geben, über den in Öl geröstete kleine Brotstückchen gestreut werden. Nebenbei erklärt Annalena Baerbock, wohin welcher Müll gehört – denn schließlich ist auch die Mülltrennung gelebte Integration.

Die Frauen sprechen nicht nur über die richtige Zubereitung – „Tomaten und Paprika müssen ganz klein geschnitten werden“ – sondern auch über die Unterschiede zwischen der deutschen und der arabischen Art, zu kochen. „In Syrien wird sehr viel mehr und länger gekocht als in Deutschland“, erzählt Reem. Nicht selten stünden die Frauen dort jeden Tag zwei bis drei Stunden in der Küche. „Die ganze Familie trifft sich nach der Schule und der Arbeit und isst zusammen, das ist sehr wichtig.“ In Deutschland scheine das anders zu sein.

In Zukunft soll das gemeinsame Kochen regelmäßig stattfinden. Zwischen einem Gericht, das die Flüchtlingsfrauen vorschlagen und einem deutschen Gericht soll dabei immer abgewechselt werden. Im kommenden Monat werden passend zur Vorweihnachtszeit Plätzchen gebacken. Das Angebot richte sich speziell an Frauen, da es ihnen häufig besonders schwer falle, gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen, erklärt Baerbock.

Später an diesem Abend, wenn das Hühnchen auf den Tellern liegt und die Frauen gemeinsam essen, werden sie weiterreden – über deutsche und syrische Traditionen und Gepflogenheiten, vielleicht über das Leben fern der Heimat, über die Zukunft. Und sicher auch über deutsche Eigenheiten wie die Mülltrennung.

Das gemeinsame Kochen wird künftig an jedem ersten Donnerstag im Monat im Frauenzentrum PrimaDonna in der Schiffbauergasse stattfinden.

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