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Themenschwerpunkt:

Stadtentwicklung

  • 05.09.2016
  • von Katharina Wiechers

Zukunft des Mercure Hotels: Die „Wiese des Volkes“ wird vertagt

von Katharina Wiechers

150 Menschen konnten am Samstag gleichzeitig auf der 17. Etage des Mercure Hotels sein und den Blick über die Potsdamer Innenstadt genießen. Foto: J. Bergmann

Das Hotel Mercure soll vorerst stehen bleiben, schlug Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs kürzlich vor. Doch ohnehin ist noch offen, wie ein Abriss ablaufen könnte.

Potsdam - Mündlich hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) es ja bereits zugesagt: Das Mercure-Hotel soll „erst mal“ stehen bleiben. Vergangenen Mittwoch hatte er dieses Versprechen gemacht – quasi in einem Atemzug mit der Absage an das Bürgerbegehren. Dieses hat er für unzulässig erklärt, doch um den fast 15 000 Potsdamern, die unterschrieben hatten, entgegenzukommen, hatte er für sie ein Kompensationsangebot parat. Nun liegt dieses auch in schriftlicher Form vor, und zwar als Beschlussvorlage für die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 14. September.

"Wiese des Volkes" ist erst einmal vom Tisch

Darin wird vorgeschlagen, sich im Sanierungsgebiet Lustgarten, in dem auch das Hotel enthalten ist, zunächst auf die Umsetzungsstufen 1 und 2 zu konzentrieren, also auf die Entwicklung des Bereichs zwischen Festplatz und Bahndamm beziehungsweise um die „ergänzenden Qualifizierungen im Hafenbereich“, wie es im schönsten Beamtendeutsch heißt. Welche Entwicklung das ist, wurde im Rahmen eines Werkstattverfahrens festgelegt, das Anfang des Jahres vorgestellt wurde (PNN berichteten). Unter anderem sind eine Vergrößerung des Neptunbassins und ein terrassierter Garten am südlichen Ende des Lustgartens vorgesehen, außerdem sollen am Bahndamm mehrere Gebäude entstehen, die gastronomisch, kulturell oder sogar als kleinere Hotels genutzt werden könnten. Die von manchen belächelte „Wiese des Volkes“, die anstelle des Mercure-Hotels entstehen sollte, ist damit erst einmal vom Tisch.

Allerdings war schon bei der Pressekonferenz am Mittwoch durchgeklungen, dass es ohnehin noch völlig offen ist, wie ein Ankauf und Abriss des Hotels durch die Stadt aussehen könnte – unabhängig davon, was die Beschlusslage im Stadtparlament ist. Bislang wisse man noch nicht, was der neue Eigentümer mit dem Mercure vorhabe, so Jakobs. Man bemühe sich um einen Kontakt. Auch in der Beschlussvorlage heißt es, dass „gegenwärtig unmittelbar greifbare Handlungsoptionen im Hinblick auf das Hotelgrundstück ohnehin nicht bestehen“.

Noch offene Stellen im Finanzierungskonzept

Auch die Finanzierungsfrage ist immer noch offen. Die Stadtverordneten hatten im Februar eine Änderung der Sanierungsziele für den Lustgarten beschlossen, allerdings unter dem Vorbehalt, dass ein Finanzierungskonzept bis zum Sommer gefunden wird. Bislang lässt ein solches noch auf sich warten. Auf der Tagesordnung steht es bereits, die entsprechende Vorlage ist aber noch nicht einsehbar. In der Beschlussvorlage zum Mercure werden die Erwartungen aber schon jetzt gedämpft: Die Untersuchungen zu einem Finanzierungskonzept hätten „noch kein vollständiges Bild erbracht“, heißt es dort.

Dass Jakobs’ Kompensationsvorschläge – zu denen ja wie berichtet auch eine Bebauung des FH-Grundstücks durch Genossenschaften und des Staudenhof-Grundstücks durch die Pro Potsdam gehört – eine Mehrheit im Stadtparlament finden, gilt als wahrscheinlich. Spannend bleibt, wie sich die Linken verhalten. Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg hatte sich vergangene Woche auffallend wohlwollend zu Jakobs’ Vorschlägen geäußert. Er ist erklärter Abrissgegner, womöglich hofft er, dass das Wort „erst mal“ aus dem Versprechen noch verschwindet und das Mercure langfristig erhalten bleibt.

 

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Oberbürgermeister Jann Jakobs verkündete, dass das Hotel Mercure erst einmal stehen bleiben soll. Ein durchschaubares Manöver, meint PNN-Autor Matthias Matern.

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